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Petersburger Schriftsteller Daniil Granin gestorben

Von   /  5. Juli 2017  /  Keine Kommentare

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wiki./eva.-Am 4. Juli ist der bekannte Petersburger Schriftsteller Daniil Granin im Alter von 98 Jahren gestorben. In Granins Werken spielt der Zweite Weltkrieg, den er als Kriegsfreiwilliger erlebte, eine wichtige Rolle. Seine realistische und kritische Darstellung des Krieges und sein Engagement für den Frieden brachten ihm Achtung im In- und Ausland ein.

Daniil Granin verbrachte seine Kindheit in Sankt Petersburg (damals Petrograd) und studierte am dortigen Polytechnischen Institut Elektrotechnik. Er wurde Ingenieur, arbeitete ab 1940 in einem Elektrolabor und dann bis 1950 bei den Kirow-Werken. Während des Zweiten Weltkrieges meldete er sich 1941 freiwillig und wurde Panzeroffizier. 1942 trat er in die KPdSU ein.

Er war 1954 bis 1969 Sekretär der Leningrader Abteilung des Schriftstellerverbandes der UdSSR. Seine erste Erzählung wurde 1949 veröffentlicht, der erste Roman 1954. Viele seiner Novellen und Romane beschäftigen sich mit der Arbeit von Wissenschaftlern und Technikern und ihrer ethischen Verantwortung. Die anderen zumeist mit dem Alltagsleben, dem Zweiten Weltkrieg und seinen Folgen.

Heinrich-Heine-Preis der DDR

Bedeutung erlangte seine 1956 veröffentlichte Erzählung „Die eigene Meinung“ (Собственное мнение), die ein vieldiskutiertes Werk der Tauwetter-Literatur wurde, obwohl sie nicht sonderlich radikal ist, sondern lediglich das Beamtentum kritisiert. Darüber hinaus ist er für seine Reiseerzählungen (zum Beispiel „Garten der Steine“, Сад камней, zum Aufenthalt in Japan) berühmt, bei denen Heinrich Heine als sein Vorbild galt. 1983 bekam er als einer der wenigen fremdsprachigen Schriftsteller den Heinrich-Heine-Preis des Ministeriums für Kultur der DDR.

Mindestens zehn seiner Werke wurden verfilmt oder vom Theater adaptiert. Er wurde mit zahlreichen Preisen geehrt (zum Beispiel 2004 mit dem Aleksandr-Men-Preis), war Vorstandsmitglied der Schriftstellerverbände der UdSSR (ab 1954) und der RSFSR (ab 1958) und wurde 1989 Präsident des neugegründeten russischen PEN-Klubs. Er arbeitete zudem für die Zeitschriften Newa (ab 1967) und Nowyj mir (ab 1987). Erst der Beginn der Perestroika ermöglichte den biographischen Roman Зубр (Der Genetiker), der das Leben des russischen Genetikers Nikolai Timofejew-Ressowski in Berlin schildert.

Rede im Bundestag 2014

Am 27. Januar 2014 hielt Granin im Deutschen Bundestag die Rede anlässlich der Gedenkstunde zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Helmut Schmidt sagt über den Roman „Mein Leutnant“: Frieden ist ein unschätzbares Gut. Das Buch von Daniil Granin erinnert sehr eindringlich daran. 2016 erhielt Granin den Dr.-Friedrich-Joseph-Haass-Preis des Deutsch-Russischen Forums für seine Verdienste um die deutsch-russische Freundschaft. Im Juni 2017 wurde ihm der Staatspreis der Russischen Föderation für die herausragenden Verdienste auf dem Gebiet der humanitären Tätigkeit für das Jahr 2016 verliehen.

Bild: Kremlin.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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