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Petersburger Rock-Guru Boris Grebentschikow ist 60

Von   /  17. Dezember 2013  /  Keine Kommentare

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eva.- Mit einem Konzert im grossen „Oktjabrski“-Konzertsaal feierte der Leader der legendären Petersburger Rockband „Aquarium“ seinen 60. Geburtstag. Trotz seines Alters ist der „Grossvater“ des sowjetischen Rocks gut im Saft und kann auf eine glänzende Karriere als Bandleader, Radiomoderator und Übersetzer buddhistischer Bücher zurückblicken.

Trotz der Zuschauermenge, die sich zum Geburtstagskonzert im „Oktjabrski“-Konzertsaal versammelt hatte, verlief die Show laut „Kommersant“ in sehr familiärer Atmosphäre, ohne Auszeichnungen oder Glückwunschadressen. Treue Fans, Kollegen und Freunde Grebentschikows und der Gruppe  hörten sich andächtig die 25 Lieder aus vier Jahrzehnten „Aquarium“ an – ohne das übliche Schreien und Kreische, das solche Konzerte üblicherweise begleitet.

Grebentschikow, der von einigen Kennern der russischen Szene als einziger russischer Rockmusiker von Weltniveau bezeichnet wird, ist eine lebende Legende. Der Werdegang des 1953 geborenen Leningraders ist typisch für die sowjetische Kulturwelt: Während seines Mathematik-Studiums gründet er zusammen mit Anatoli Gunicki die Band „Aquarium“, die schon bald zum Inbegriff für die musikalische Untergrund-Kultur der Sowjetunion wird. In denselben Jahren bringt er zusammen mit mit dem Studenten-Theater der Leningrader Uni das erste Rockjournal Russlands „Roksi“ heraus.

Sowjetische Rockmusik – stets am Rand der Legalität

Wie alles, was nicht vom Staat verordnet wurde, führte, führte auch die Rockmusik zu dieser Zeit eine stete Existenz an der Grenze zur Legalität. 1980 wird Grebentschikow nach einem Konzert im georgischen Tiflis aus der Parteiorganisation „Komsomol“ ausgeschlossen und von der Forschungsarbeit ausgeschlossen. Zugleich wurde auch „Aquarium“ in der Sowjetunion offiziell verboten.

Trotzdem wurde die Band 1981 Mitglied des ersten und lange einzigen Leningrader Rockclubs und beteiligte sich an einer Reihe von Festivals. In Zusammenarbeit mit verschiedenen Bands, wie „Zoopark“, „Kino“, „Maschina vremeni“ und „Eurythmics“ entstand eine Reihe von Aufnahmen, darunter das erste englische Album „Radio Silence“.

Späte Ehrung durch den Staat

Zu Beginn der Neunzigerjahre stieg Grebentschikow für eine kurze Zeit bei „Aquarium“ aus und gründete die „BG-Band“. Doch schon ab 1993 spielte er wieder bei seiner alten Gruppe mit, die Ende der Neunziger den Gipfel ihres Erfolg erreichte. Grebentschikow erhielt viele Auszeichnung, darunter auch internationale, jene des Rochmagazins „FUZZ“ für die Mitwirkung an der Entwicklung der Rockmusik.

Wie viele während der Sowjetzeit verfemte Künstler, wurde auch er vom neuen russischen Staat anerkannt und zu seinem 50. Geburtstag für ein Jubiläumskonzert im Kreml eingeladen. Im selben Jahr wurde ihm der „Verdienstorden für das Vaterland“ verliehen. 2005 begann „BG“ für Radio Russland als Moderator zu arbeiten, und 2007 trat er mit seiner Band in der Londoner Royal Albert Hall auf.

Beschäftigung mit dem Buddhismus

Der Auftritt in diesem legendären Konzertsaal ermöglichte ihm der Inder Sri Chinmoy, den er auf einer Reise nach Malaysia kennengelernt hatte. Mit ihm verbindet in Buddhismus, mit dem sich Grebentschikow schon seit den Neunzigerjahren intensiv beschäftigte. Grebentschikow übersetze zwei Bücher Chinmoys ins Russische, gemeinsam gründeten sie das Projekt „Aquarium International“, an dem weltweit mehrere Dutzend Musiker beteiligt sind.

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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