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Petersburger Polizei schliesst historische Webseite „Chronos“ wegen „Mein Kampf“

Von   /  22. Juli 2009  /  1 Kommentar

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TOPTICKER.- Die populäre russische Webseite „Chronos – die Weltgeschichte im Internet“ wurde von ihrem Provider auf Verlangen der Petersburger Polizei zeitweise abgeschaltet und musste auf Ersatzadressen ausweichen. Die Behörden begründeten ihren Eingriff damit, dass auf der Webseite Adolf Hitlers „Mein Kampf“ publiziert wurde, das in Russland auf der Liste der verbotenen Publikationen figuriert. Mittlerweile funktioniert die Originaladresse www.hronos.info wieder – die „Bibel“ der Nationalsozialisten fehlt allerdings in der Bibliothek. Insgesamt sind bei „Chronos“ rund 30.000 Textdateien zur Geschichte Russlands und der Welt abrufbar.

„Mein Kampf“ – offiziell verboten, aber in der Bibliothek frei zugänglich

In einer Erklärung zeigen sich die Betreiber der Webseite, die seit sieben Jahren existiert täglich von rund 10.000 Lesern besucht wird, bestürzt über die Massnahme und beschuldigen die Polizei, Hitlers Buch nur als Vorwand für die Schliessung benutzt zu haben. Die Autorin Lidia Andrejewa fragt sich, warum ausgerechnet die Petersburger Polizei tätig geworden sei, obschon sich Redaktion und Provider in Moskau befinden. Des weiteren wundert sie sich darüber, dass „Mein Kampf“, das sogar in der russischen Nationalbibliothek frei zugänglich ist, während mehr als zwei Jahren ungehindert bei „Chronos“ habe publiziert werden können.

Gouverneurin wird kritisiert

Vermutlich, so die Autorin, sei die Webseite den Machthabern ein Dorn im Auge – zum Beispiel der Petersburger Gouverneurin und Millionärin Valentina Matwijenko, die in dem von „Chronos“ publizierten „Die Blockadeopfer und die Ordensträger“ heftig kritisiert wird. In Russland gäbe es zwei Länder, zwei Gesellschaften. Während die einen jede Kopeke ihrer mickrigen Rente abzählten, kauften sich die anderen mit ihrem gestohlenen Geld Villen, Jachten, Sportklubs und ganze Fernsehkanäle. (eva)

www.hronos.info

Bild: Montage/Wikimedia Commons

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

1 Kommentar

  1. realsatire sagt:

    In Deutschland ist das Buch ja auch noch in den Bibliotheken – dort allerdings im Giftschrank und nur mit Genehmigung für Forscher zu lesen.

    In Russland wurde vor nicht langer Zeit ein extra Gesetz erlassen, das Geschichtsfälschung unter Strafe stellt damit die „ewigen Querulanten bei der Verbreitung Ihrer Lügen über die Wohltaten Stalins“ endlich mundtot gemacht werden können….

    Oder wars andersherum ? Schutz der Ehre der Armee im grossen Vaterländischen Krieg und Einsortierung der Opfer des Terrors als das was sie ja schon damals waren – fachgerecht und juristisch einwandfrei verurteilte Verbrecher….

    Ich sehe hier wie da zunehmenden Einfluss des Staates aufs Geschichtsbild – ob immer zum Schutz der schutzbedürftigen Bevölkerung mag jemand Anderer entscheiden.

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