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Petersbürger Oliver Pfau: „Ich bin das doppelte Lottchen“

Von   /  5. März 2009  /  2 Kommentare

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Der Philologe Oliver Pfau ist zwar Deutscher, doch sind ihm Österreich und Frankreich eigentlich wesentlich vertrauter. Der Mustereuropäer unterrichtet schon vier Jahre als Deutsch- und Französischlehrer an der Petersburger Uni und an diversen Sprachschulen in der Stadt.

Von Eugen von Arb

„München – Wien“ – wer denkt bei diesen Stichworten nicht an Erich Kästner!? „Ich bin das doppelte Lottchen“, meint Oliver Pfau schmunzelnd. Zwar sind seine Eltern nicht geschieden, er hat keinen Zwillingsbruder und auch keine Probleme mit Palatschinken, wie Lottchen, aber sonst hat seine Biografie schon ähnliche Züge. Mit zehn Jahren zog er mit seinen Eltern nach Wien um und hatte sich in dieser neuen Umgebung zu integrieren.

Am meisten Mühe machte ihm die Sprache – „Obschon ich den grösseren Teil meines Lebens in Wien vebracht habe, finden die meisten ich sei kein echter Wiener, weil ich nicht den Wiener Dialekt spreche“, erzählt er. Tatsächlich spricht Pfau ein bemerkenswert reines Hochdeutsch – nicht einmal der Bayer ist ihm anzuhören. Die Sprache wurde zu etwas Zentralem in seinem Leben, und nach seiner Schulzeit studierte er in Wien klassische Philologie.

Deutschsprechende verschiedener Nationen haben kaum Kontakt

Dank seiner Jugend und Studienzeit in Wien kennt Pfau Österreich sehr gut und gibt heute Kurse in Sprach- und Landeskunde über Österreich am Deutsch- Russischen Begegnungszentrum an der Petrikirche. Die ersten Kurse organisierte das Zentrum anlässlich des internationalen Tags der Sprachen 2007.

Mittlerweile behandeln sie nicht nur die klassischen deutschsprachigen Länder, Deutschland, Österreich und die Deutschschweiz, sondern sind um weitere Länder mit deutschsprechenden Regionen erweitert worden: Luxemburg, Lichtenstein und Belgien. „Mir wurde erst hier in Russland bewusst, welche Vielfalt es in der deutschen Sprache gibt“, erklärt Pfau. „In Österreich empfand ich keine Grenzen zwischen den einzelnen Ländern – erst hier bemerkte ich, dass sich die Deutschsprechenden verschiedener Nationalität kaum miteinander abgeben.

Fühlt sich in Frankreich am meisten zuhause

Nach dem Studienabschluss doktorierte Pfau in Paris und nahm anschliessend eine Stelle als Assistent und Sprachlehrer an der Uni im lothringischen Nancy an. Dank seiner französischen Mutter hat er eine zweite Muttersprache – er ist gewissermassen ein Mustereuropäer. Wie er selber bekennt, fühlt er sich noch heute in Frankreich am meisten zuhause.

Daneben lernte er Russisch und kam 2003 zum ersten Mal nach St. Petersburg, um an der Uni als Sprachlehrer zu arbeiten. Zwar kehrte er nach einem Jahr zurück nach Frankreich zurück, doch zog es ihn wieder an die Newa, und schon 2006 kam er wieder. „Ich glaube, es war die Sprache, die mich faszinierte“, erklärt er. „Ich hatte den Wunsch, mit den Leuten zu leben, die sie sprechen, und ihr Leben aus der Nähe kennen zu lernen.“

Deutsch wird nicht nur aus Karrieregründen gelernt

Seither arbeitet er hier als Sprachlehrer für Deutsch und Französisch an der Uni und verschiedenen Sprachschulen Petersburgs, und es macht ihm Spass, obschon der Job nicht sehr gut bezahlt wird. „Mir gefällt es, wenn sich ein interessanter Kontakt ergibt, wenn ein bisschen Licht in den Köpfen ist und die Schüler neugierig sind. „, erzählt er.

Gut findet er auch, dass die meisten russischen Sprachstudenten sehr gewissenhaft sind und nicht so leicht aufgeben – das, obschon Deutsch für sie oft furchtbar schwierig ist, lobt Pfau seine Schüler. „Schön ist auch zu spüren, dass Deutsch nicht nur aus Karrieregründen gelernt wird, wie zum Beispiel Englisch. Viele Deutsch-Schüler sind denkende Menschen und möchten auch die Kultur hinter dieser Sprache kennen lernen.“

Der Lehrer als Schauspieler

Im Moment hat er grosse Lust auf ein bisschen Tapetenwechsel – zum Beispiel Theater. Diesen Winter hat er bei der Aufführung des Stücks „Der Durst nach Ruhm“ frei nach Tschechow mitgemacht. „Wie ich zum Theater gekommen bin? Recht zufaellig. Erst war’s nur ein bisschen Uebersetzungshilfe, und dann wurde mir gleich eine Rolle verpasst“, erzählt er lachend. „Mit meinen Studien und mit meiner sonstigen Arbeit hat das Theater eigentlich nichts zu tun, es sei denn, als Lehrer – ist man da nicht auch ein bisschen actor?“

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

2 Kommentare

  1. STRICH sagt:

    One month ago you gave me the adress mail of Oliver PFAU. Unfortunately my computor
    is out of order and i have lost all the adresses. Can you remind me the mail of M. PFAU.
    Thank you.

  2. STRICH sagt:

    From Jean-Claude STRICH I would like to be contacted by Oliver PFAU I met in France 15 years ago.

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