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„Forum“-Konzernchef Michaltschenko verhaftet – Insider vermuten Intrige

Von   /  4. April 2016  /  Keine Kommentare

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eva.- Dmitri Michaltschenko, Multimilliardär und Besitzer der Holding „Forum“, zu der unter anderem der neue Hafenterminal „Bronka“ gehört, wurde wegen Alkoholschmuggels verhaftet. Beobachter vermuten dahinter jedoch ein Störmanöver durch neidische Konkurrenten.

Michaltschenko wurde wegen Alkoholschmuggels im Wert 1,7 Millionen Rubel (umgerechnet rund 20.000 Euro) angeklagt. Diese Summe wirkt lächerlich für einen Geschäftsmann solchen Kalibers, dessen Konzern „Forum“ in den unterschiedlichsten Branchen, Bau, Gastronomie, Industrie, Dienstleistungen tätig ist. Obwohl seine Verteidigung eine Kaution in der Höhe von 50 Millionen Rubel angeboten hat, wurde er bisher nicht auf freien Fuss gesetzt. Bei einer Verurteilung drohen ihm bis zu zwölf Jahren Haft.

Experten sehen dahinter ein Manöver gegen ihn und seinen Konzern, der sich als erstaunlich krisenfest erwiesen hat und im Gegensatz zu einem Grossteil der russischen Wirtschaft blüht. Der „Forum“ betreibt unter anderem das „Jediny zentr Dokumentow“, das in der ganzen Region als Musterbeispiel für eine „unbürokratische Bürokratie“ bekannt ist. Zudem gehört eine Reihe erstklassiger Restaurants, eine Bewachungsfirma sowie Betriebe im Textil- und Modebereich dazu.

Hafenterminal „Bronka“ im Visier?

Auch der Baufirma „Baltstroi“ konnte trotz der Wirtschaftsflaute nicht klagen, erhielt sie doch den Zuschlag für diverse grossangelegte Renovationsprojekte in der Stadt, wie zum Beispiel die Erneuerung des Zirkusgebäudes an der Fontanka oder des Grossen dramatischen Theaters BDT. Allerdings geriet „Baltstroi“ kürzlich in diesem Zusammenhang wegen eines Korruptionsskandals im Kulturministerium in die Schlagzeilen.

Laut der Internetzeitung www.online812.ru verdächtigt Michaltschenko selbst seine Konkurrenten im Hafenbusiness. Erst im vergangenen Jahr hatte sein Konzern im Beisein von Gouverneur Georgi Poltawtschenko den Hafenterminal „Bronka“ eröffnet. Zwar ist der Güterhafen noch im Testbetrieb, doch wenn er einmal seine Arbeit aufnimmt, wird die Abfertigung eines Containers dort 100 Dollar kosten, während der Tarif in Petersburg oder Ust-Luga 700-900 Dollar beträgt.

Verstärkter Kampf um Marktanteile

Laut Fachleuten übertrifft der Terminal wegen seiner tiefen Fahrrinne und der neuen Technik alle anderen Häfen in der ganzen Region von Kaliningrad bis Helsinki. Wegen der Krise hat der Warenumschlag von und nach Russland insgesamt abgenommen und der Kampf um die Marktanteile hat sich verschärft.

Andere haben den Verdacht, dass Michaltschenko sein „Dach“ in der Politik verloren hat. Wer in Russland Geschäfte im grossen Stil machen will, ist auf Beziehungen in der Politik angewiesen, die gewisse lebenswichtige Fragen lösen lassen und dabei helfen, unerwünschte Konkurrenz fernzuhalten. Diese „Ressource“ soll Michaltschenko verloren haben, womit seine „Epoche“ zu Ende geht.

Bild: www.forumholding.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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