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Petersburger „Marsch der Millionen“ dauert fünfzehn Minuten zu lange

Von   /  13. Juni 2012  /  Keine Kommentare

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Von Luisa Schulz

Zum Russlandtag fand gestern in Moskau nach dem Umzug am 6. Mai erneut ein “Marsch der Millionen” statt. Nach Angaben der Polizei nahmen 18.000, nach Auskunft der Organisatoren 50.000 bis 100.000 Personen an der Protestaktion teil. Der Marsch stand weiterhin unter dem Motto freier Wahlen. Besondere Brisanz hatte er aber durch das zwei Tage zuvor unterzeichnete verschärfte Versammlungsgesetz, sowie durch die ihm vorausgehenden Festnahmen von Oppositionsführern. Die Petersburger unterstützten ihre Moskauer Kollegen mit einem „Marsch der Millionen“ im kleineren Maßstab (siehe Fotogalerie unten).

Weiße Luftballons

An dem Petersburger Umzug nahmen nach offiziellen Angaben 1000-2000 Menschen teil. Sie trafen sich ab 14 Uhr vor dem Konzertsaal Oktjabrski, wo weiße Luftballons verteilt wurden. Um 15 Uhr setzte sich die Phalanx in Bewegung. Die vorgesehene Route: die Ulitsa Schukovskava entlang, über den Liteiniprospekt und die Ulitsa Belinskogo bis zur Fontanka, dann am Kanal entlang bis zum Marsfeld und schließlich am Michailovsky-Schloss vorbei bis zum Konjuschennaja-Platz, wo eine Kundgebung stattfinden sollte.

Unter den Teilnehmern des Marsches waren politische Bewegungen aller couleur. Die Jabloko-Partei war ebenso vertreten wie die “Drugaja Rossija”, die “Linke Front”, die Liberalen, die Kommunisten, die Nationaldemokraten und die Monarchisten. Mit einem großen Banner vertreten waren die “Petersburger Beobachter”. Sogar aus Omsk waren Aktivisten angereist und verteilten Flugblätter, um Internet-Zeugen für ihre Gouverneurswahlen am 17. Juni zu sammeln. Überwiegend waren die Teilnehmer aber einfache Bürger aller Altersgruppen.

„Wir haben keine Angst“

Die beliebtesten Parolen des Umzuges waren “Das ist unser Land, das ist unsere Stadt” und “Wir haben keine Angst”. Der Präsident wurde in den Skiurlaub und nach Magadan verwünscht. Wie schon bei früheren Demonstrationen skandierten die Teilnehmer außerdem “Betrüger und Diebe, fünf Minuten bis zur Abrechnung”, “Solange wir vereint sind, sind wir unbesiegbar” und “Russland, vorwärts”. Auf der Ulitsa Schukovskogo wurde eine fünfzehn Meter lange Russlandfahne ausgerollt. Mehrere Male brach die ganze Kolonne in Klatschen aus. Manche beobachteten das Geschehen dagegen lieber vom sicheren Balkon aus. Die Demonstration verlief ruhig und friedlich, die Demonstranten diskutierten privat unter sich.

Festnahme wegen fünfzehn Minuten

Von Anfang an war der Marsch von Polizisten eskortiert, die sich zunächst unauffällig verhielten. Am Marsfeld wurde die Kolonne jedoch von einer Kette Polizisten abgeschnürt, weil die offiziell genehmigte Zeit für den Umzug vorbei war. Von den Besuchern der Demonstration wurde niemand tangiert. Festgenommen wurden aber die Organisatoren des Umzugs, Olga Kurnosova und Nikolai Bondarik, wegen Verstoßes gegen die Regeln des Veranstaltungsablaufs. “Mich und Nikolai Bondarik haben sie festgenommen, weil ich angeblich gegen die Regeln des Ablaufs der Prozession verstoßen habe, indem ich sie um 15 Minuten verlängert habe.”, teilte Kurnosova am Telefon einer Agentur mit. Nach dem neuen Gesetz droht ihnen dafür eine stattliche Geldstrafe.

Die meisten Demonstranten erreichten aber trotzdem ihr Ziel, den Konnjuschanaja-Platz. Dort hielten Vertreter der vertretenen Bewegungen Ansprachen vor dem Publikum. Sie forderten unter anderem die Freilassung der Festgenommenen, Versammlungsfreiheit, freie Gouverneurswahlen und einen neuen Präsidenten.

www.rian.ru

Fotos: Luisa Schulz

 

 

 

 

 

 

 

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