Laden...
Sie sind hier:  Home  >  Aktuell  >  Aktuelle Artikel

Petersburger Historiker und Heimatkundler Juri Pirjutko gestorben

Von   /  11. Oktober 2014  /  Keine Kommentare

    Drucken       Email

Von Eugen von Arb

In seinem Kopf war die ganze Stadt – an jedem beliebigen Ort der Stadt konnte Juri Pirjutko eine kompetente und interessante Führung beginnen, der die Menschen mit offenen Ohren und Mündern folgten. Dabei beeindruckte nicht nur sein enzyklopädisches Wissen, sondern auch sein Hintergrundwissen. Er war nicht nur Historiker und Wissenschaftler, sondern hatte einen guten Humor und wusste immer auch irgendwelche Anekdoten und wissenswerte und witzige Einzelheiten über die historischen Personen zu erzählen, über die er gerade sprach.

Das machten beispielsweise seine Führungen auf dem Nekropol, dem Friedhof neben dem Petersburger Alexander-Newski-Kloster zu einem einzigartigen Genuss.  In seiner Funktion als leitender wissenschaftlicher Mitarbeiter am Städtischen Petersburger Skulpturenmuseum gehörte der Nekropol zu seinem besonderen Fachgebiet. Pirjutko besass die Fähigkeit die Toten auf diesem Friedhof mit seinem rethorischen Talent zum Leben zu erwecken und verwitterten Grabplatten ein Gesicht und eine Geschichte zu geben.

Nun ist er selber Geschichte

1946 in Taschkent geboren, studierte er in Leningrad Geschichte und Kunstgeschichte und war 1970-1973 Direktor des Heimatmuseums in Gatschina. Danach wechselte er an das Historische Museum in Leningrad und kam schliesslich 1977 an das Skulpturenmuseum. wo er bis ins Alter von 68 Jahren arbeitete. Bereits früh wurde er bekannt als Historiker, der sich nicht nur mit Büchern, sondern mit Menschen und Schauplätzen der Geschichte befasste und sich dank seiner zahllosen Erkundungsgänge durch Petersburg und andere Städte ein fantastisches und vor allem lebendiges Wissen aneignete. Auf einer dieser Erkundungen endete dann sein Leben: Auf einer Parkbank stand sein Herz still.

Neben vielen wissenschaftlichen Publikationen erschien auch eine ganze Reihe populärer Bücher – so zum Beispiel „Das andere Petersburg“, das ein richtiger lokaler Bestseller und mehrfach aufgelegt wurde. Trotz seines Talents und Ansehens war Pirjutko ein sehr bescheidener Mensch, der sich jederzeit und von jedermann ansprechen liess und dem keine Frage unnötig erschien, um nicht ausführlich und freundlich darauf zu antworten. Alles schien für ihn interessant und wissenswert zu sein – nun ist er selber Geschichte und eine Legende dieser Stadt, die er so gerne hatte.

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold

www.fontanka.ru

Weitere Artikel zu diesem Thema:

Nacht der Museen ein Riesenerfolg – auch dank Sommerwetter

[the_ad_placement id=\“single\“]

    Drucken       Email

Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren...

WM2018: Kalte Dusche kühlt das Fussball-Fieber ab

mehr…