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Petersburger Dialog sucht Wege aus der Krise

Von   /  6. Juli 2009  /  Keine Kommentare

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rian.- Interview mit Dr. Ernst-Jörg von Studnitz, Koordinator der Arbeitsgruppe „Zivilgesellschaft“ beim „Petersburger Dialog“ und ehemaliger Botschafter in Russland.

 RIA Novosti: Im Juli dieses Jahres wird in München der 9. Petersburger Dialog stattfinden. Warum ist ein Dialog zwischen den Zivilgesellschaften Deutschlands und Russlands notwendig?

von Studnitz: Nur durch Vertreter der Zivilgesellschaft kommen Russen und Deutsche miteinander ins Gespräch. Natürlich gibt es Gespräche, Verhandlungen und Abkommen zwischen Politikern und Wirtschaftsvertretern beider Länder. Die eigentliche Tiefenwirkung der Beziehungen zwischen unseren Völkern wird aber erst erreicht, wenn Menschen aus ihren alltäglichen Erfahrungen heraus miteinander in Beziehung treten. Gemeinsamkeiten entstehen dann, wenn sich die Menschen zur Arbeit an konkreten Projekten zusammenfinden.

Die vom 24. bis 26. Juni in Wolgograd durchgeführte X. Deutsch-Russische Städtepartnerkonferenz hat eindrucksvolle Ergebnisse der gemeinsamen Arbeit von privaten Organisationen deutscher und russischer Bürger vorgestellt. Als Beispiel sei die Versöhnung schaffende Arbeit von deutsch-russischen Jugendarbeitslagern zur Errichtung von Friedhöfen für die gefallenen Soldaten unserer beiden Völker in Rußland genannt.

RIA Novosti: Seit neun Jahren versucht der Petersburger Dialog die Zivilgesellschaften beider Länder einander näher zu bringen, Vorurteilen in der Wahrnehmung des jeweils anderen Landes entgegenzuwirken und damit den deutsch-russischen Beziehungen neue Impulse zu geben. Was wurde schon erreicht und was schafft der Petersburger Dialog nicht?

von Studnitz: Die bisherige Arbeit des Petersburger Dialogs in seinen acht Arbeitsgruppen hat ein hohes Maß gegenseitigen Vertrauens geschaffen, das auch die Erörterung sensibler Fragen möglich macht. Man hat sich gut kennen gelernt und weiß, wie man mit miteinander umgehen kann, und wo man Rücksicht üben muß.

So wurde es zu einer positiven Erfahrung, daß nicht die Belehrung, sondern das vorgelebte Beispiel anspornend wirkt. Es bleibt künftigen Treffen des Dialogs vorbehalten, auch in Rußland stärker in die Breite zu wirken und sich von der Konzentration auf St. Petersburg zu lösen.

So wichtig die Anbindung des Dialogs an die Treffen des russischen Präsidenten mit der deutschen Bundeskanzlerin ist, so darf deren Erscheinen nicht das persönliche Engagement der Teilnehmer des Dialogs bestimmen. Der Dialog rechtfertigt für sich allein deren aktive Mitarbeit.

RIA Novosti: Die Gespräche beim Dialog werden in acht verschiedenen Arbeitsgruppen geführt. Herr von Studnitz, Sie sind Koordinator der Arbeitsgruppe „Zivilgeselschaft“. Wie wird das Thema „Wege aus der Krise aus Sicht der Zivilgesellschaften Deutschland und Russland“ im Rahmen der Arbeitsgruppen behandelt?

von Studnitz: Das Generalthema des diesjährigen Petersburger Dialogs fragt nach Wegen aus der Krise und beweist damit die Aktualität des Dialogs. Über dies Thema wird bereits in der Eröffnungssitzung gesprochen werden. In den Arbeitsgruppen werden einzelne Aspekte des Themas näher behandelt: Die AG Politik befaßt sich mit den Auswirkungen auf die internationalen Beziehungen, die AG Wirtschaft mit den unmittelbar relevanten Fragen im Bereich der realen Wirtschaft, die AG Zivilgesellschaft stellt Fragen nach den Auswirkungen auf die Arbeit zivilgesellschaftlicher Organisationen. Von ähnlicher Bedeutung ist die Krise für die künftigen Möglichkeiten der Zusammenarbeit im Bereich von Kultur, Bildung und Wissenschaft. Die AG Medien wird über die Herausforderungen, die sich für sie aus der Krise ergeben, sprechen können, während die AG Kirchen die ethisch moralischen Aspekte behandeln wird. Die AG Zukunftswerkstatt wird vor allem die die Jugend berührenden längerfristigen Aspekte ins Auge fassen.

RIA Novosti: Welche konkreten Ergebnisse wurden in der Arbeitsgruppe „Zivilgesellschaft“ erzielt?

von Studnitz: Die Arbeitsgruppe Zivilgesellschaft blickt auf eine Reihe erfolgreicher Treffen in den vergangenen Jahren zurück. Es konnten Themen bearbeitet werden, die das Verständnis für einander deutlich vermehrt haben. Genannt sei die Diskussion des Hamburger Treffens 2003 über die Frage der Achtung der Menschenrechte beim Kampf gegen den Terrorismus, ein Seminar über alternativen Wehrdienst im Frühjahr 2004, zwei Seminare 2007 und 2008 über die Frage der Bewertung historischer Ereignisse für das politische Bewußtsein der Menschen der Gegenwart, ein Seminar 2007 über die Herausforderungen durch Gewalt in der Gesellschaft. Impulse für die Überarbeitung der russischen NGO-Gesetzgebung gingen vom Dialog aus. Das leidige Thema der bürokratischen Schwierigkeiten bei der Erlangung von Visa, wie auch von Arbeitserlaubnissen in Rußland ist ein ständiges, bisher nicht erledigtes Thema der AG Zivilgesellschaft. Seit 2008 hat die AG neu das Thema zivilgesellschaftliche Motivation für soziales Engagement in der Gesellschaft aufgenommen.

RIA Novosti: Über welche zukünftigen Projekte können Sie heute schon reden?

von Studnitz: Zukünftige Aufgaben sind die schon erwähnte geographische Erweiterung des Dialogs auf ganz Rußland, die Verwirklichung der Vorhaben im Bereich Visa und Befreiung von bürokratischen Reiseerschwernissen. In dem Maße, wie zivilgesellschaftliches Engagement in Rußland vermehrtes Ansehen gewinnt, steht zu wünschen, daß weitere Initiativen, wie zum Beispiel die medizinische Zusammenarbeit im Koch-Metschnikow-Forum, an den Dialog herangetragen werden und durch ihn ihren Platz in den Beziehungen zwischen unseren Menschen und Völkern finden.

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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