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Petersburger Blockade-Jahrestag von Misstönen begleitet

Von   /  6. Februar 2019  /  Keine Kommentare

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eva.- Der 75. Jahrestag der völligen Aufhebung der Leningrader Blockade (1941-44) wurde mit einer gewaltigen Militärparade auf dem Petersburger Schlossplatz gefeiert (Fotogalerie). Der ungewöhnliche Pomp, mit dem der furchtbaren Hungerkatastrophe gedacht wurde, stiess auf Kritik von verschiedenen Seiten und sorgte für heftige Diskussionen.

Mehr als 2500 Angehörige verschiedener Waffengattungen, teilweise in historische Uniformen gekleiden und rund 80 Fahrzeuge vom T-34-Panzer bis hin zu S-400-Luftabwehrraketen paradierten bei Minus 12 Grad Kälte vor dem Winterpalast. Am Himmel kreisten die Mig-29-Maschinen der Kunstfluggruppe „Strischi“.

Auf der Tribühne befanden sich unter anderem die Ex-Gouverneurin und Senatorin Valentina Matwijenko, sowie der stellvertretende Gouverneur Alexandr Beglow. Am historischen Sonntag besuchte auch Staatspräsident Putin seine Heimatstadt und legte auf dem Piskarowskoje-Gedenkfriedhof Blumen nieder. Veteranen aus insgesamt 19 Ländern nahmen den Festivitäten teil.

Kritik: Stilles Gedenken, statt lärmiger Pomp

Die ungewöhnlich aufwändige Militärparade an einem Tag, der normalerweise in stiller Trauer begangen wird, stiess im In- und Ausland auf Kritik. Zahlreiche russische Prominente bezeichneten die Parade als Propaganda-Show der politischen Führung, darunter auch der „Jabloko“-Stadtabgeordnete aus Petersburg, Boris Wischnewski.

Anstatt historischer Rekonstruktionen mit Militärtechnik und historischen Uniformen, sollten die Menschen den Opfern gedenken, die Blockade-Tagebücher lesen und sich um die noch lebenden Opfer kümmern. In ähnlicher Weise kritisierte ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung die Gedenkfeier – und löste sogleich giftige Reaktionen bei russischen Politikern aus. In den Monaten davor hatte bereits der Film „Das Fest“ von Alexei Krasowski, der die Situation der Partei-Eliten im belagerten Leningrad kritisch beleuchtet, für Debatten gesorgt.

Deutschland spendet zum Jahrestag 12 Millionen Euro für die Modernisierung von Krankenhäusern für Blockadeopfer und für die Gründung eines deutsch-russischen Begegnungszentrums in St. Petersburg.

Bild: www.gov.spb.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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