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Petersburg stellt auf salzlose „Winterdiät“ um

Von   /  28. Januar 2016  /  Keine Kommentare

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eva.- Zum ersten Mal haben die Räumdienste in Petersburg auf den massiven Einsatz von Salz und Chemikalien verzichtet. Das erfordert zwar mehr Arbeit bei der Schneebeseitigung, ist aber viel umweltfreundlicher. Trotz der neuen Methode ist der Zustand der Strassen und Trottoirs nicht schlechter als früher.

Auf der Webseite Change.org, auf der die Russen in der Regel Unterschriften gegen ihre Politiker sammeln, erschien zum ersten Mal eine Initiative, die verlangte, die Verantwortlichen für den diesjährigen salzfreien Winterdienst auszuzeichnen. Die positiven Stimmen zu dieser Räumtechnik sind den Medien und in Gesprächen nicht zu überhören.

Im Prinzip ist die Sache ganz einfach: Anstelle von Salz und Chemikalien verwendeten die Räumbrigaden in diesem Winter ganz einfach eine Sand-Sand-Mischung, deren Salzgehalt jedoch nur bis zehn Prozent beträgt. Ansonsten wurden Strassen und Gehsteige mit derselben Technik von Schnee befreit, die auch in den Vorjahren eingesetzt wurde.

Kein Chemikalien-Glanz, keine Salzränder

Das Resultat ist schockierend – an den meisten Orten ist nicht mehr Schnee und Glatteis vorhanden als in anderen Wintern. Alles wie früher. Nur der hässliche feuchte Glanz der Chemikalien, der früher die Böden überzog fehlt diesmal. Ebenso die Salzränder, die Schuhwerk und Autos kaputt machten.

Ausser jenen, die sich über unversehrte Schuhe und rostfreie Wagen freuen, sind auch viele Hundehalter erleichtert, die früher ihren Tieren Schutzüberzüge anziehen und ihnen nach dem Gassi-Gehen die Füsse putzen mussten, damit sie sich nicht entzündeten. Nicht zu reden von der fehlenden Salzlauge, die sich normalerweise im Frühling ins Grundwasser und in die Newa ergoss und nachhaltig vergiftete.

Salzgehalt wird weiter gesenkt

Der salzfreie Winterdienst, der in vielen anderen Ländern bereits seit Jahrzehnten betrieben wird, ist in Russland ein Novum. Wie die Stadtregierung stolz mitteilte, kommt extra eine Delegation aus der lettischen Hauptstadt Riga nach Petersburg, um die hiesige Räumtechnik an Ort zu studieren. Auch Moskau soll bereits sein Interesse angemeldet haben – wenn das kein Kompliment ist.

Obwohl es wie in anderen Jahren auch Reklamationen aus verschiedenen Stadtvierteln wegen schlechter Schneeräumung gab, zeigten sich in einer Online-Umfrage im Sozialnetzwerk Vkontakte.ru 90 Prozent aller Teilnehmer zufrieden mit der neuen salzlose „Winterdiät“. Wladimir Rubljowski, Leiter des Komitees für Strassenunterhalt sieht dies als Zeichen dafür, dass man auf dem rechten Weg sei, wie er gegenüber Fontanka.ru sagte. Er kündigte an, dass man den Salzgehalt im kommenden Jahr noch weiter bis auf maximal fünf Prozent absenken will.

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold

www.fontanka.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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