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Petersburger Tourismus verdient kaum an chinesischen Gästen

Von   /  13. Juli 2017  /  1 Kommentar

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eva.- Zwar reisten in den vergangenen „Sanktionsjahren“ als die westlichen Touristen ausblieben zehntausende Chinesinnen und Chinesen nach St. Petersburg, doch die hiesige Tourismusbranche sehen kaum etwas vom Geld der asiatischen Gäste. Schuld daran sind Dumpingpreise und Absprachen unter Reiseveranstaltern und Souvenir-Shopbesitzern.

Laut der Petersburger Stadtregierung beträgt der Umsatz des China-Tourismus in dieser Saison rund 20 Milliarden Rubel (knapp 300 Millionen Euro), schreibt Fontanka.ru. 2017 rechnet man mit 450.000 chinesischen Touristen – eine Zahl, die sich laut Statistik bisher jährlich verdoppelt hat.

Das klingt wunderbar, doch leider kriegt das Stadtbudget und die städtische Tourismusindustrie von dem Geldsegen kaum etwas ab – schuld daran ist das so genannte „chinesische Dreieck“. Dabei sorgen die chinesischen Reiseveranstalter und ihre Geschäftspartner dafür, dass der grösste Teil des in Russland ausgegebenen Geldes wieder nach China, beziehungsweise in ihn Taschen der Veranstalter zurückfliesst.

„Fremde“ Fremdenführer

Bekanntermassen betrachten die chinesischen Gruppen Petersburg vorwiegend von aussen und besuchen kaum Museen oder andere kostenpflichtige Sehenswürdigkeiten. Eine Ausnahme bilden die Top-Sehenswürdigkeiten wie die Eremitage oder die Zarenresidenzen in Puschkin oder Peterhof. Hinzu kommt, dass sie von illegalen chinesischen Fremdenführern geleitet werden und die örtlichen Guides dabei kaum zum Zug kommen.

Hotels und Verpflegung werden ebenfalls stark durch die chinesischen Reiseveranstalter kontrolliert, welche die Preise mit allen Mitteln drücken. Es ist ebenfalls zu beobachten, dass die chinesischen Touristen vielfach in Billighotels in den Aussenbezirken logieren, in denen normalerweise nur russische Geschäftsreisende logieren.

Sogar Souvenir-Handel in chinesischen Händen

Wie Fontanka.ru schreibt, kontrolliert China sogar den Souvenir-Markt die. Offenbar sind viele der Shops in denen Matrioschkas und Bernsteinketten verkauft werden, in chinesischer Hand. Die Touristen werden ausschliesslich in ausgewählte Shops geschleust, wo ihnen in erster Linie Bernstein empfohlen wird, der jedoch von zweifelhafter Qualität sein soll.

Diese Art von Monopol sollen die chinesischen Tourismusveranstalter vor einigen Jahren bereits in Thailand angewendet haben, bis die dortigen Behörden einschritten und das Kartell-Verhalten durch neue Vorschriften verbot. In Russland, wo man nach der Krimkrise Hände ringend nach Ersatz für die ausbleibenden Touristen aus dem Westen suchte, hingegegen fehlt ein juristischer Schutz der lokalen Tourismusbranche praktisch völlig.

„China friendly“ – aber nur auf der Speisekarte

All die Bemühungen Russlands „China friendly“ zu werden, indem man in Bahnhöfen, Flughäfen, Geschäften die Beschriftungen, Fahrpläne und in Restaurants die Speisekarten auf chinesisch übersetzte, scheinen vergeblich zu sein. Auch in der Bevölkerung scheint laut Fontanka.ru das Unbehagen gegenüber den fernöstlichen Gästen zu wachsen, wobei die Xenophobie der Russen gegenüber China Tradition hat.

Man empfindet sie als lärmig, takt- und rücksichtslos, wie viele Russen in Internetforen schreiben. Züge und Busse würden gewissermassen von ihnen „okkupiert“, beschwert man sich. Eine wichtige Rolle dabei spielt, dass aus China praktisch keine Individualtouristen nach Russland kommen und die Chinesinnen und Chinesen in der Gruppe – seien sie auch noch so höflich – als bedrohliche Masse wahrgenommen werden.

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold

www.fontanka.ru

Weitere Artikel zu diesem Thema:

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

1 Kommentar

  1. Max sagt:

    Im Nachbarhaus ist ein Chinesisches Restaurant unter Chinesischer Leitung zu dem die Touristen in Bussen zum Mittagessen gebracht werden. Absolut nicht im Touristisch interessanten Bereich. Inzwischen Parken auch schon öfter Taxis mit rein Chinesischer Beschriftung und warten auf Ihre Gäste. Das Prinzip die gesamte Wertschöpfungskette bei den Touristen in eigener Hand zu behalten ist beängstigend.

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