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Peter der Grosse würde das nicht verzeihen: Neue Ringautobahn droht Segelschiffen die Einfahrt zu versperren

Von   /  21. August 2013  /  Keine Kommentare

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TOPTICKER.- Es klingt ein wenig wie die Geschichte von den Schildbürgern, die ein Rathaus ohne Fenster bauten: Wenn der Autobahnring mit dem letzten Teilstück über die Bucht vor Petersburg geschlossen wird, müssen grosse Segelschiffe wie die „Sedow“ draussen bleiben, weil sie zu hoch sind. Ihr Kapitän ist enttäuscht, dass die Planer darauf keine Rücksicht nehmen, denn eigentlich fehlen nur ein paar Meter – und Segelschiffe gehören nun mal zu Petersburg, findet er.


In einem „Abschieds-Interview“ mit dem „Moskowski Komsomolez“ gab Kapitän Nikolai Sortschenko zu bedenken, dass der diesjährige Besuch des Viermasters nach seiner Weltumrundung im Newabecken bei der Leutnant-Schmitt-Brücke höchst wahrscheinlich der letzte seiner Art gewesen ist. Denn wenn die Zubringer-Autobahn ZSD im kommenden Jahr ihr letztes Teilstück über das Wasser im Primorski-Bezirk erhält, passen die Schiffe einfach nicht mehr unten durch.

Keine Windjammerparaden mehr im Newabecken

Die grössten Windjammer wie die russische „Sedow“ oder die italienische „Amerigo Vespucci“ brauchen 62 bis 65 Meter Höhe zur Durchfahrt – geplant sind jedoch lediglich 52 Meter. Regatten mit Segelschifflegenden wie zum Beispiel das „Tall Ship Races-Baltic 2009“ würden damit der Vergangenheit angehören. Laut Sortschenko begründen die Erbauer der Autobahnbrücke ihr Ablehnung gegenüber einer Erhöhung damit, dass sich die Kosten damit vervielfachen würden.

Sortschenko zeigt ein gewisses Verständnis dafür, dass es jetzt vielleicht schon spät ist, die Brückenkonstruktion zu ändern. Andererseits argumentierte er, würden nirgends auf der Welt Brücken über Hafeneinfahrten unter 60 Metern Höhe gebaut. Das kann er nach einer Weltumseglung mit 32 Hafenbesuchen zwischen Brest und Wladiwostok sehr wohl beurteilen.

Kein technisches Problem, sondern fehlender politischer Wille

Dabei geht es seiner Meinung nach nicht um technische Fragen des Brückenbaus, in denen russische Konstrukteure reichlich Erfahrung hätten, sondern um den fehlenden politischen Willen. Die Art wie die „Sedow“ auf ihrer Fahrt in Deutschland oder Frankreich empfangen worden sei, könne man nicht mit dem Empfang in Russland vergleichen. Dort habe ein begeistertes Millionenpublikum auf sie gewartet, in der Heimat sei der Empfang dagegen ziemlich bescheiden gewesen. Während man dort grosse Windjammerparaden veranstalte, würden hier die Segler ausgesperrt.

Dabei hätten die Verantwortlichen in Russland offenbar vergessen, dass die Segelschiffe ein wichtiger Teil von Petersburgs Geschichte und Kultur seien. Ausserdem seien sie eine wichtige Touristenattraktion, die sich letztlich in barer Münze auszahle. Der neue Passagierterminal „Morskoi Fassad“ vor der Stadt, mit dem sich das Schiff in Zukunft begnügen müsse, sei nicht vergleichbar mit der Newa im Stadtzentrum. Die neue Anlegestelle sei lediglich mit Passierschein zugänglich, was dazu führe, dass die Bevölkerung draussen bleiben müsse und künftige Besuche mit hochrangigen Teilnehmern zu einer reinen Formalität verkommen würden.

Auch Tatiana Tschekalowa, Sekretärin des Hochsee-Rats der Petersburger Regierung ist nicht einverstanden mit der „Aussperrung“ der Windjammer. „Das würde bedeuten, dass Peter der Grosse das Fenster geöffnet hat und wir jetzt einen Zaun darum herum bauen – ich glaube nicht, dass er uns das verzeihen würde“.

Bild: So müsste die „Sedow“ in Zukunft einlaufen, um unter der Autobahnbrücke hindurch zu kommen (Eugen von Arb/SPB-Herold)

www.spb.mk.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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