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PEF: Die Bevölkerung steht wegen des Wirtschaftsforums im Stau

Von   /  7. Juni 2008  /  Keine Kommentare

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eva.- Während sich im Konstaninowski-Palast und auf dem Lenexpo-Gelände die Prominenz aus Politik und Wirtschaft trifft, versucht die Stadtbevölkerung das Wirtschaftsforum irgendwie zu überleben oder einfach zu ignorieren.

„Petersburg im Zentrum der Aufmerksamkeit!“, „Petersburg, die aufstrebende Wirtschaftsmetropole!“ – man müsste meinen, die Bewohner müssten glücklich und stolz sein über den Senkrechtstart ihrer Stadt während der letzten Jahre. Insbesondere das Wirtschaftsforum, das noch vor kurzer Zeit eine wenig beachtete Provinzveranstaltung gewesen war, erhielt dank kräftiger Moskauer Unterstützung und als Treffpunkt der Weltelite aus Politik und Wirtschaft plötzlich zentrale Bedeutung.

Doch trotz alledem hält sich die Begeisterung darüber in Grenzen, und die Mehrheit der Leute versucht, den Rummel so gut es geht zu ignorieren. Das zumindest bestätigt eine Umfrage der Internetzeitung Fontanka.ru, nach der knapp 56 Prozent die Frage, ob sie das Geschehen am Forum verfolgen, mit der lapidaren Gegenfrage beantwortet: „Habe ich vielleicht nichts Besseres zu tun?!“ Rund 23 Prozent beschäftigt das Forum vor allem im Strassenverkehr – denn in der Zeit vor und nach dem Forum wird die Umgebung der Veranstaltungsorte jeweils grossräumig abgesperrt. Sicherheit geht über alles.

Sind sich die Städter die Schikanen täglicher Blaulicht-Regierungeskorten, die sich den Weg vom oder zum Flughafen freihupen, bereits gewohnt, so fühlen sie sich während des PEFs jeweils richtiggehend traumatisiert. Wichtige Verkehrsadern, wie zum Beispiel der Moskowski-Prospekt und im Süden im Bereich um den Konstaninowski-Palast bei Strelna, Lomonosow, und Peterhof werden ohne Vorwarnung und geeignete Umfahrungsmöglichkeit für jeglichen Verkehr gesperrt. Das Resultat sind kilometer- und stundenlange Verkehrsstaus, durch die sich Rettungsfahrzeuge nur mit Mühe durchkämpfen. Für viele ist der Heimweg ganz einfach abgeschnitten, und es bleibt ihnen nichts Anderes übrig, als den Wagen irgendwo am Strassenrand stehen zu lassen.

Wer sich irgendwie auf Seitenwegen durchschlängelt, steht plötzlich vor einem der vielen neuen Verkehrssignale in Form von Fahrverboten, Umleitungen oder Einbahnverkehrszeichen, die ebenso wie Dutzende gestrenger Verkehrspolizisten wie Pilze aus dem Boden geschossen sind. In den meisten Fällen ist die Sicherheit der Forumsgäste das Hauptargument für die Verkehrsbehinderungen – was wohl von den meisten murrend akzeptiert wird. In Fällen, wie auf dem Platz der Künste, der laut Fontanka.ru wegen einer BMW-Automobil-Schau abgesperrt wurde, muss jedoch jedem Stau-Opfer die Galle hochkommen. Das Versprechen des Innenministers Raschida Nurgaljewa, man werde das Forum nicht bemerken, erscheint angesichts dessen reichlich zynisch.

Neben dem Verkehrschaos zeigte sich das Forum für die Bevölkerung noch von einer ganz anderen Seite – mit Glanz und Glamour. Wie ein Vorbote aus dem Reich der Mächtigen hatte am Mittwoch die Jacht „Pelarus“ des Oligarchen Roman Abramowitsch an der Angliiskaja Nabereschnaja festgemacht. Der speziell für das Forum angefertigte Hafen war für das schwimmende Luxus-Hotel schlichtwegs zu klein gewesen. Darum erhielt das Schiff diesen Ehrenplatz zugewiesen, an dem normalerweise grosse Kreuzfahrtschiffe festmachen. Immerhin bietet das Schiff Neugierigen die Möglichkeit, den Milliardär beim Ein- und Aussteigen zu beobachten und zu fotografieren – im Internet kursiert bereits eine ganze Reihe solcher Schnappschüsse.

www. Fontanka.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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