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Pawel Durow steigt beim Netzwerk „Vkontakte.ru“ aus

Von   /  25. Januar 2014  /  Keine Kommentare

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TOPTICKER.- Pawel Durow, Chef des grössten Sozialnetzwerks Russlands „Vkontakte“ mit Hauptsitz in St. Petersburg, hat seine Aktien verkauft. Es wird erwartet, dass er auch bald seinen Posten als Generaldirektor bei dem IT-Unternehmen verlässt und das Netzwerk einen Kurswechsel erleben wird.

Pawel Durow, der jüngste Milliardär Russlands, begründete den Entscheid auf seiner persönlichen Seite bei Vkontakte damit, dass er sich schrittweise von seinem Besitz trennen wolle. „Das, was man besitzt, wird früher oder später Besitz von einem ergreifen“, schreibt er in seinem Post. Er beschäftige sich schon seit Jahren damit, sich von unnötigem Besitz zu trennen und habe darum bereits Immobilien und Möbel verkauft. „Um mein Ideal zu erreichen, habe ich nun meinen Anteil von 12 Prozent meinem Freund Iwan Tawrin  verkauft“, heisst es weiter.

Durows Streben nach einem asketischen Lebensstil entspricht an sich durchaus der Haltung, die er schon sein Jahren vertritt. Immer wieder trat er öffentlich für sozial-liberale Ideen ein, so zum Beispiel für die Abschaffung von Visa und Reisepässen oder für eine stärkere Mitbestimmung der Bevölkerung bei der Ausgabe von Steuergeldern. Er beschäftigt sich mehrere Stunden am Tag mit Yoga, unterstützte die Pussy-Riot-Aktivistin Nadeschda Tolokonnikowa und weigerte sich während der Strassenproteste von 2011, die Vkontakte-Gruppe oppositioneller Aktivisten zu schliessen.

Experten: Keine „philosophischen“ Gründe für Durows Rückzug

Fachleute sehen jedoch keinerlei „philosophische“ Gründe für Durows Abgang – ihnen zufolge soll er sich mit den anderen Eigentümern überworfen haben wie zuvor mit den beiden Vkontakte-Mitbegründern Lew Lewijew und Wjatscheslaw Mirilaschwili. Diese hatten 2013 nach einem Streit mit Durow ihre Anteile von zusammen 48 Prozent der Aktien an United Capital Partners verkauft, dessen Präsident Ilja Scherbowitsch auch im Verwaltungsrat des Energiekonzerns Rosneft sitzt.

Aber auch mit den neuen Partnern soll die Zusammenarbeit laut Fontanka.ru nicht geklappt haben. Sie sollen Durow mehrmals gedroht haben, ihn vom Direktorensessel zu kippen, weil er sich zu wenig um die Entwicklung des Netzwerks kümmere. Ausserdem sorgte Durow mit seinen Eskapaden immer wieder für Aufsehen – zum letzten Mal im April 2013 als er im Petersburger Stadtzentrum einen Verkehrspolizisten anrempelte und sich anschliessend dem Verfahren entzog.

Megafon-Seite hält nun 52 Prozent

Durch personelle Veränderungen in der Firma geriet Vkontakte gleichzeitig immer mehr unter die Kontrolle von Megafon-Mehrheitsaktionär Alischer Usmanow, der bis anhin 40 Prozent der Vkontakte-Aktien hielt. Durch den Verkauf von Durows 12 Prozent an Megafon-Chef Iwan Tawrin kommt die Megafon-Gruppe in den Besitz der Mehrheit von insgesamt 52 Prozent des Aktienpakets.

Zwar beteuert Durow in seinem Post, dass er weiterhin Generaldirektor bei Vkontakte bleiben und das Netzwerk weiter entwickeln werde, doch Experten und Blogger nehmen an, dass seine Tage bei dem Unternehmen gezählt sind. Sie prognosieren auch, dass Vkontakte nun seinen Konkurrenten „Moi Mir“ und „Odnoklassniki“, die bereits von Usmanow kontrolliert werden, ähnlich werden wird. Zudem rechnet man damit, dass es für Polizei und Geheimdienst künftig leichter sein wird, Gruppen oder Benutzer zu sperren.

Bild: Wikimedia Commons

www.fontanka.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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