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Nina Kornatz: Freiheitsstatue mit Sektflasche

Von   /  1. Dezember 2015  /  Keine Kommentare

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Von Eugen von Arb

Die deutsche Künstlerin Nina Kornatz, präsentierte im Rahmen ihres Stipendiums in St. Petersburg ihr Werk „Temporary Rage“ – eine Antwort auf Delacroixs Revolutionsschinken mit vielen Fragezeichen.

„Ein vorübergehender Wutausbruch“ stand auf dem Flyer – interessant!? Wohl allein des Titels wegen wurde eine ganze Schar von Leuten in die Eintagsausstellung der jungen Künstlerin aus Halle in den düsteren Hinterhof in der Mochowaja-Strasse gelockt. Wer den kleinen Kunstraum betrat, war zweifach erleichtert – erstens: Niemand war wütend – im Gegenteil, die Stimmung war fidel. Zweitens: Im Gegensatz zum „beklecksten“ Flyer konnte man auf dem wandgrossen Bild tatsächlich etwas erkennen. Ganz unzweifelhaft – da hatte Delacroix inspiriert.

Wie raffiniert Kornatz damit ihr akademisches Fundament andeutete und gleichzeitig das Ganze mit einem bunt-abstrahierenden „Verputz“ kaschierte! Acryl auf Plastik, statt Öl auf Leinwand. Raffiniert, raffiniert! Ja und warum der Revolutionsschinken von Delacroix und nicht zum Beispiel Géricaults Jammerfloss? Das hätte mit Verlaub gesagt, besser zur momentanen Situation in Russland gepasst.

Kolchosbäuerin, Freiheitsstatue?

Der aktuelle Terror in Paris wird auch kaum einen Bezug zu dem Bild haben. Schon eher funktioniert da die Verbindung „Revolution – Russland“. Aber Russland Revolutions-Glanz ist mittlerweile auch schon ziemlich angerostet. Statt „Die Freiheit führt das Volk“ – führt im Moment wohl immer noch Putin. Er ist das Volk! Oder ist da vielleicht was im anrollen?

Vielleicht soll der leicht „kubisierende“ Stil Avantgarde-Geist andeuten? Kolchosbäuerin, Freiheitsstatue und Delacroix’s Dame mit der Trikolore – alle halten enthusiastisch etwas in die Höhe. Sichel, Fackel, Fahne… ? Auch Nina Kornatz hielt an der Vernissage plötzlich etwas in die Höhe – eine Sektflasche. Verblüffend, diese Ähnlichkeit!

Dossier:
Im Herbst 2015 kam Nina Hannah Kornatz nach St. Petersburg auf Einladung der Kunststiftung Sachsen-Anhalt, von der sie ein Arbeitsstipendium erhielt. Ihre russischen Eindrücke hält sie im Blog „Aufzeichnungen aus der Kommunalka“ fest. Nina Hannah Kornatz , geb. 1985 in Hessen, lebt in Halle/Saale. Nach ihr Beschäftigung in der Werkstatt für Gemälderestaurierung im Historischen Museum Frankfurt a.M. und Studien der Kunstgeschichte und Philosophie an der Martin Luther Universität Halle/ Saale, studierte sie Malerei bei Prof. Ute Pleuger an der Burg Giebichenstein, Hochschule für Kunst, Halle/Saale.

Bilder: Eugen von Arb/ SPB-Herold

www.ninakornatz.de

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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