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Neujahr in Russland – Betriebsfest, Prämie, Novi God, Winterschlaf

Von   /  31. Dezember 2009  /  1 Kommentar

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Von Eugen von Arb

Während die halbe Welt Weihnachtsbäume und Geschenkpapierberge entsorgt, sind die Russen noch von Vorfreude erfüllt – „Nowi God“ steht bevor! Einst von den Kommunisten zum „Ersatz“ für das kirchliche Weihnachtsfest erkoren, ist Neujahr noch heute für die meisten Russen der wichtigste Feiertag.


Irgendwann vor dem Jahreswechsel organisieren die Firmen ein Fest, und die Angestellten erhalten die Prämie, welche die meisten in Neujahrsgeschenke investieren. Je nachdem feiert man in den eigenen vier Wänden, prostet sich zu und verteilt kleine Geschenke. Firmen, die etwas mehr Geld in der Kasse haben, organisieren eine richtige Feier in einem Restaurant – dort gehört neben einem grosszügig gedeckten Tisch und Live-Musik der Auftritt von Artisten mit Zaubertricks, Tanz oder Bauchtanz dazu. Oft kommen dann auch der Weihnachtsmann („Ded Moros“) und seinen Helferin „Schneeflocke“ („Snegurotschka“) zu Besuch.

„Schuba“ und „Olivier“

Dann verabschiedet man sich und bereitet sich auf die Silvesternacht zuhause vor. Zum klassischen Neujahrsfest gehören: Ein üppig geschmückter Neujahrsbaum, das heisst ein umfunktionierter Weihnachtsbaum, Champagner, Kaviar und Salate. Zwei Salate haben sich bis heute ganz oben auf der Favoritenliste gehalten – erstens „Olivier“, zweitens „Schuba“.

Alles fein gewürfelt

„Olivier“ kommt dem am nächsten, was man im Westen als „russischen Salat“ bezeichnet, ist aber wesentlich besser als die Büchsenkonserve: Fleisch oder Wurst, Kartoffeln, Erbsen, Zwiebeln, Karotten, Eier, Salzgurken und je nach Geschmack Äpfel – alles fein gewürfelt und mit viel Majonaise und ein bisschen Salz. „Schuba“ (auf Deutsch „Pelzmantel“) ist ein „Schichtsalat“, das heisst als Grund werden Heringsfiletstücke gelegt, dann folgen Zwiebeln, Majonaise, Äpfel, wieder Majonaise, geraffelte Karotten, wieder Majonaise und als oberste Schicht geraffelte rote Beete (Randen).

Dutzende raffinierter Trinksprüche

Am Neujahrsfest wartet man wie überall den 12 Uhr-Schlag ab – in Russland gilt hier die Kremluhr als richtungsweisend, selbst in anderen Zeitzonen. Dann spricht der Präsident und, überall schallt es „S Novom Godom“, Sektkorken knallen, und die russische Seele entleert sich in dutzenden raffiniert formulierter Trinksprüche („Toast“). Bisher wurde das ganze Ritual durch Donnern und Pfeifen von Feuerwerk begleitet – nach der Brandkatastrophe in Perm wurde Pyrotechnik jedoch praktisch verboten.

Fester Bestandteil: der Fernseher

Was anderenorts als „Entweihung“ gilt, ist hier fester Bestandteil – der laufende Fenseher und ein ganz bestimmter Film: „Die Ironie des Schicksals“. Ebenso wie der Neujahrskult hat sich dieser Film von Eldar Rjasanow aus sowjetischen Zeiten erhalten. Die lange, spannende, lustige und sehr poetische Liebeskomödie von 1975 basiert auf einer Verwechslung. Nachdem sich der Held Schenia mit seinen Kollegen in der Banja in Moskau betrunken hat, wird er anstatt seines Freundes in das Flugzeug nach Leningrad gesetzt.

Verwechslungskomödie zwischen Moskau und Leningrad

Er ist so blau, dass er seine Reise nicht wahrnimmt und am Flughafen gerade noch ein Taxi zu seiner Wohnadresse nehmen kann. Dank sowjetischer Einheitskultur existiert in Leningrad dieselbe Adresse wie in Moskau, wo derselbe Plattenbau mit identischen Wohnungen steht. Daher gelingt es Schenia problemlos „nachhause“ zu finden – sogar der Schlüssel passt. Während er seinen Rausch ausschläft, kehrt die richtige Besitzerin zurück, die wiederum ihren Verlobten erwartet – ein raffiniertes Verwechslungsspiel mit Happy End beginnt.

Staatlich verordneter Winterschlaf

Die zehn Tage staatlich verordneten Urlaubs, die nach der Neujahrsnacht folgen, gleichen einem Winterschlaf – nicht nur weil viele nach durchzechter Nacht wieder auf die Beine kommen müssen. Für einmal steht das russische Leben – das normalerweise einem Ameisenhaufen gleicht – für ein paar Tage wirklich still. Behörden, Geschäfte, die normalerweise rund um die Uhr geöffnet sind, alle haben für einen Moment Ruhe. Es wird still in den Strassen und die meisten haben einmal wirklich etwas Zeit, um spazieren zu gehen oder Freunde zu besuchen.

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

1 Kommentar

  1. realsatire sagt:

    Frohes Neues :! !

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