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Neues Zenit-Stadion lässt Immobilienpreise auf Krestowski-Insel purzeln

Von   /  15. August 2017  /  Keine Kommentare

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eva.- Die Krestowski-Insel gilt als eine schicke Wohnadresse – das neue Stadion müsste diesen Status noch verbessern, müsste man meinen. Doch genau das Gegenteil ist der Fall, die Wohnungspreise sinken, viele Besitzer von Elite-Wohnungen fühlen sich durch Fans und Verkehr gestört.

In den Neunzigerjahren war die Krestowski-Insel noch eine grüne, weitgehend unbewohnte „Märcheninsel“. Schon damals stand dort das Kirow-Stadion und sorgte an den Spieltagen für grössere Menschenmengen, die sich neben den Wochenendgästen, Radfahrern, Skateboardern usw. tummelten. Doch erstens war das Verhalten der Fussballfans damals noch anders und zweitens störte sich niemand an ihrem Lärm.

In den Boomjahren wurden auf der Insel und darum herum ein Elite-Wohnquartier nach dem anderen aus dem Boden gestampft. Das Wasser, die gute Luft und das viele Grün liessen diesen Bereich als kleines Paradies erscheinen. Zudem wurde das alte Stadion eher passiv benutzt.

Überfüllte Metro, gesperrte Zufahren

Doch mittlerweile ist das Stadion im Wert von 43 Milliarden Rubel und einer zehnjährigen Bauzeit fertiggestellt und wurde diesen Sommer mit der Austragung des Föderationscups ausgiebig getestet. Das Stadion selbst kam bei den meisten trotz zahlreicher Baumängel gut an, aber die Anreise bewerten praktisch alle als beschwerlich. Die Metro ist zu Spielzeiten überfüllt, die Anfahrten ganz oder teilweise gesperrt. Allein das ist für Anwohner eine mühsame Schikane. An einen ruhigen Spaziergang oder den Besuch des Spielplatzes mit Kleinkindern ist nicht zu denken.

Hinzu kommt der Lärm während des Spiels und die tausenden von Fussballfans, die sich vorher und nachher in mehr oder weniger zurechnungsfähigem Zustand auf der Krestowski-Insel tummeln, johlen, pfeifen und je nachdem für Handgemenge oder Schlägereien sorgen. Zwar marschiert jedes Mal ein beeindruckendes Aufgebot an Sonderpolizei auf, doch die schwarz vermummten und behelmten Omon-Polizisten mit ihren Schlagstöcken machen die Atmosphäre sicher nicht idyllischer.

Zweimal mehr Verkaufsangeboote

Das hat laut der Wirtschaftszeitung „Delovoi Peterburg“ für ein Absinken der Immobilienpreise und ein Wachstum des Angebots geführt. Während der letzten fünf Jahre des Stadion-Baus hat sich die Zahl der zum Verkauf stehenden Wohnungen praktisch verdoppelt. Standen früher jeweils 25 bis 35 Wohnungen zum Verkauf, so sind es jetzt 60-80, Tendenz steigend. Solche Zahlen waren das letzte Mal 2014 beim Beginn der Sanktionspolitik und der damit verbundenen Turbulenzen des Rubelkurses zu beobachten.

Bei den Wohnungspreisen sind mittlerweile Senkungen von 10 bis 20 Prozent feststellbar. Auch bei der Wohnungssuche hat die Krestowski-Insel eindeutig an Attraktivität verloren. Kunden von Immobilien-Agenturen weichen zunehmend auf die Petrograder Seite aus. Das Stadion wird zunehmend als Negativ-Faktor genannt.

Sieben Millionen Personen jährlich

Andere optimistischere Immobilienhändler weisen auf die Wohnungskäufe begeisterter Fussballfans wegen der WM von 2018 hin und halten eine Wohnung in diesem Bezirk nach wie vor als gute Geldanlage. Sie hoffen auf die Zeit nach der WM, wenn die Bauarbeiten endgültig vorbei sind und sich die Fussballfanatiker aus dem Staub machen. Wer recht hat, wird sich weisen, immerhin soll das Stadion pro Jahr von rund 7 Millionen Personen besucht werden.

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold

www.dp.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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