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Neuer internationaler Kinderstreit – finnische Sozialbehörde bringt vier Kinder aus russisch-finnischer Ehe ins Heim

Von   /  4. Oktober 2012  /  Keine Kommentare

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TOPTICKER.- Ende September sorgte ein neuer Kinderstreit für Unruhe in den russisch-finnischen Beziehungen. Der Russin Anastasia Savgorodnaja und ihrem Mann wurden gleich vier Kinder, darunter ein Säugling weggenommen und in ein Heim gebracht, weil die Kinderfürsorge ihren Mann verdächtigt, er schlage die Kinder.


Laut Sozialbehörde hatte die sechsjährige Tochter Anastasia zuvor in der Schule erzählt, der Vater habe ihr auf den Hintern gehauen, und danach sei eine Hirnerschütterung festgestellt worden, was zur Verbringung ins Heim geführt hat. Kurz darauf wurden auch die drei anderen Kinder abgeholt.

Die Version der Mutter aus Sosnowy Bor bei Petersburg, die seit 2005 mit einem sudanesischstämmigen Finnen in Finnland lebt, klingt ganz anders. Demnach sei die Tochter in der Schule von einem Jungen gestossen worden und habe sich den Kopf angeschlagen, worauf ihr schlecht geworden sei und man sie zum Arzt gebracht habe. In der Schule jedoch habe man behauptet, das Mädchen habe sich die Erschütterung zuhause geholt.

Neues Gesetz ermöglicht hartes Durchgreifen in Finnland

Neben der Tochter brachte man auch die zweijährigen Zwillinge weg, kurz darauf wurde auch das neugeborene Kind abgeholt, obwohl man der Mutter zuvor versprochen hatte, man lasse es bei ihr. In einem Schreiben gaben die Behörden der Mutter bekannt, sie könne ihre Kinder frühestens in einem Monat besuchen. Das harte Durchgreifen des Staats erklärt Fontanka.fi mit einem Gesetz, das seit 2008 gültig ist und der finnischen Kinderfürsorge das Recht gibt, im Verdacht von elterlicher Gewalt ein Kind ohne Beweise ins Heim zu bringen und erst danach Untersuchungen anzustellen.

Kurz nach dem Bekanntwerden des Falls schalteten sich der russische Aussenminister Sergei Lawrow sowie der Ombudsmann für Kinderfragen Pawel Astachow ein. Letzterer bezeichnete das Vorgehen der finnischen Sozialdienste als unzivilisiert und aggressiv. Ausserdem beklagte er sich darüber, dass die finnische Regierung die Gründung einer gemeinsamen Kommission für Fragen der Elternfürsorge sowie eine bilaterale Vereinbarung, schon seit langem blockiere.

Entführung nach Finnland im Kofferraum

Er machte auf die zahlreichen Konflikte um Kinder russisch-finnischer Eltern aufmerksam, die sich in den letzten Jahren ereignet hatten und einen Dialog der Regierungen dringend nötig machten. Der spektakulärste Fall war die Entführung von Anton Salonen, der 2009 von seinem finnischen Vater mit Hilfe eines finnischen Konsuls im Kofferraum eines Diplomatenwagens nach Finnland gebracht hatte. Seine Mutter Rimma Salonen hatte den Jungen zuvor heimlich nach Russland gebracht und wurde dafür von einem finnischen Gericht zu einer bedingten Gefängnisstrafe verurteilt.

Auch die Flucht Robert Rantalas, der zwangsweise ins Kinderheim gebracht worden war und von dort nach Hause flüchtete, hatte 2010 für aussenpolitischen Wirbel gesorgt. Ein Jahr danach trat Russland der Kinderrechtskonvention bei, die ihre Mitglieder dazu verpflichtet, entführte Kinder wieder in ihr Heimatland zurück zu bringen. Doch in den russisch-finnischen Konflikten wäre es teilweise schwer zu beurteilen, wer wen entführt hat und wo sich die Heimat des Kindes befindet. (eva)

Bild: Wikimedia Commons

www.fontanka.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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