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Neue Bahnverbindung: Moskau-Berlin – vom Bummelzug zum „Mauersegler“

Von   /  2. April 2017  /  Keine Kommentare

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Von Hans-Georg Schnaak

Im Dezember startete der neue „Strizh“-Schnellzug der Russischen Eisenbahnen AG (RZD) auf der Strecke Moskau-Berlin zu seiner ersten Reise. Eine absolute Neuheit ist dabei die innovative automatische Umspuranlage, die die Fahrzeit reduziert. Die Reisezeit wurde damit von früher 25 Stunden um fünf Stunden deutlich verkürzt und ist in dem neuen Talgo-Zug wesentlich komfortabler.

Die Spurweite in Europa unterscheidet sich von der in Russland. Aus diesem Grund musste früher in der weißrussischen Grenzstadt Brest ein Umspuren durch das Anheben der Wagenkästen mit Hebeböcken und ein Austauschen der Drehgestelle erfolgen. Dieser Vorgang hat rund zwei Stunden gedauert. Dieser Aufwand gehört jedoch nun der Vergangenheit an, denn der neue Schnellzug Strizh (zu Deutsch: Mauersegler) vom spanischen Hersteller Patentes Talgo kann sich selbstständig an die europäischen Standards anpassen, und zwar während der Fahrt. Die Wahl fiel auf die spanischen Züge, da die Spanier die einzigen sind, die diese Technologie beherrschen, denn in ihrem Land, genauso wie in Russland, unterscheidet sich die Spurweite von den meisten EU-Ländern.

Komfort dank Luftfederung

Wie Alexander Burjak, Chef eines Moskauer Wagendepots bei RZD erläuterte, unterscheidet sich der Strizh „hochwertig von anderen modernen Zügen vor allem durch die Reduzierung der Radsätze“. „Auf diese Weise spürt man die Verbindungsstellen der Gleise weniger, was auch wiederum zum Komfort der Passagiere während der Reise beiträgt, und zwar bei geringer und großer Geschwindigkeit.“ „Unter anderem gibt es hier eine Luftfederung, die es ermöglicht, dass der Wagen bei großen Geschwindigkeiten auf Kurven nicht lümmelt“, erläuterte der RZD-Vertreter.

Die Höchstgeschwindigkeit auf der Strecke Moskau-Berlin soll laut Burjak zunächst 160 Kilometer pro Stunde betragen. Künftig, „nach einer Verbesserung der Gleise und der Infrastruktur wird die Höchstgeschwindigkeit auf bis zu 180-200 Kilometer pro Stunde angehoben.“ Das betreffe das Territorium der russischen Eisenbahnen. Ein weiterer wichtiger Aspekt im neuen Zug sei seine Anpassung für Passagiere mit körperlichen Behinderungen.  „Diese Wagen sind mit Aufzügen für Behinderte ausgestattet. Die Abteile für behinderte Passagiere in diesem Zug sind größer als die herkömmlichen Abteile. Größer sind auch die Duschen. Es wurden alle Bedingungen für den Komfort (dieser Passagiere – Anm. d. Red.) geschaffen“, erläuterte der Depo-Leiter.

Ideal für Leute mit Flugangst

Insgesamt werden drei Züge mit jeweils 20 Wagen auf den Strecken Moskau-Berlin und Berlin-Moskau pendeln, darunter fünf Schlafwagen der zweiten Klasse (größtenteils mit Abteilen für vier Personen), vier Schlafwagen der ersten Klasse (mit Abteilen für zwei Personen), drei Wagen der ersten Klasse (mit VIP-Abteilen und barrierefreien Abteilen), zwei VIP-Wagen und zwei Sitzwagen. Zudem gibt es auch einen Speisewagen mit Büffet und einen Restaurantwagen. Von den hinteren Wagen hat man schon ein Stück dorthin zu laufen, denn der Zug hat eine Gesamtlänge von etwa 270 Metern.

Laut Burjak hat der Eisenbahnverkehr einen großen Vorteil im Vergleich zu Flugzeugreisen: „Tatsache ist, trotz der Wetterbedingungen, Vereisung oder sonst etwas fahren die Züge bei jedem Wetter und zu jeder Jahreszeit.“  Außerdem bräuchten „die Passagiere keine Extraausgaben, um zum Flughafen zu kommen und verliert keine Zeit an den Bahnhöfen. Außerdem ist der Zug perfekt für diejenigen, die unter Flugangst leiden“, sagte er. Was zukünftige Kunden auf dieser Strecke betrifft, so hoffe RZD diese auch damit anzulocken, dass der neue Zug viel schneller als sein Vorgänger sei. Nun bräuchten die Reisenden nur rund 20 Stunden für die Fahrt von Moskau nach Berlin oder umgekehrt. Bisher waren es 25 Stunden.  „Ich glaube, die Verringerung der Fahrzeit wird auch dazu beitragen, dass wir mehr Passagiere aus dem Bereich des Flugverkehrs anlocken werden“, so Burjak.

Bilder: Russische Staatsbahn www.rzd.ru

www.sputniknews.com

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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