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Nemzow-Mord vor einem Jahr: „Boris lebt – seine Mörder sind tot“

Von   /  27. Februar 2016  /  Keine Kommentare

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eva.- In Moskau und St. Petersburg sowie in einem Dutzend anderer russischer Städte gedachten tausende Menschen dem Mord am Oppositionspolitiker Boris Nemzow vor einem Jahr. Die Demonstranten forderten die Ermittlung und Verurteilung der Hintermänner des Killermords.

In Moskau führte der Trauermarsch über den Boulvard-Ring bis zum Sacharow-Prospekt. An der Stelle auf der Moskworezkoi-Brücke, an der Nemzow vor genau einem Jahr hinterrücks erschossen wurde, legten die Menschen Massen von Blumen und Nemzow-Porträts hin. Unter den prominenten Politikern an der Moskauer Kundgebung waren der Leader der RPR-Parnas-Partei Michail Kasjanow, sein Stellvertreter, Ilja Jaschin, sowie der Leiter der Progress-Partei Alexei Nawalny.

Die Zahl der Teilnehmer lag je nach Quelle zwischen 7000 und über 20.000 Personen. An die Marsch-Teilnehmer wurden Anstecker mit der Aufschrift „Nemzow-Brücke“ verteilt. Damit wurde für die Umbenennung der Brücke demonstriert, die von der Stadtregierung abgelehnt wurde.

Gegen Krieg in Ukraine und Syrien, für Freilassung Oppositoneller

In Petersburg kamen zwischen 500 und 2000 Personen auf das Marsfeld. Unter den wenigen Fahnen befanden sich die russische Trikolore, sowie die Parteifahnen von „Jabloko“ und Parnas. Auf Bildern und Plakaten mit wurde neben der Aufklärung des Nemzow-Mords auch diejenige der Morde an Galina Starowoitowa, Anna Politkowskaja und Natalia Estermirowa gefordert. Ausserdem wurde für den Frieden in der Ostukraine, den Rückzug Russlands aus Syrien und die Freilassung der ukrainischen Fliegerin Nadeschda Sawtschenko gefordert.

Als Redner traten in Petersburg unter anderem der Stadtabgeordnete Maxim Reznik sowie der stellvertretende Leiter der RPR-Parnas-Partei auf. In einer ganzen Reihe weiterer Städte fanden Gedenkveranstaltungen statt. In Nischni-Nowgorod, wo Nemzow als erster Gouverneur amtete, nahm der Bürgermeister Iwan Karnilin teil. Ebenso kam es in Jaroslawl, Rjasan, Wladimir, Barnaul, Tomsk, Nowosibirsk, Samara, Rostow und Archangelsk.

Demo-Veranstalter entführt und verprügelt

Grösstenteils verliefen die Aktionen mit keinen oder wenigen Festnahmen. Teilweise wurden die Gedenkveranstaltungen verhindert oder gestört. In Krasnojarsk wurde der Organisator des Meetings entführt und die Veranstaltung verboten. In Tscheljabinsk wurde am Vortag der Organisator von der Partei „Demokratische Wahl“ von Unbekannten spitalreif geprügelt, er nahm aber dennoch an der Kundgebung teil. In Woronesch entdeckte die Polizei ein „verdächtiges“ Fahrzeug am Veranstaltungsort und sperrte daraufhin den Platz ab.

Boris Nemzow wurde am 27. Februar unweit des Kremls auf der Moskworezkoi-Brücke von einem Killer mit vier Schüssen getötet. Im Rahmen eines Verfahrens voller Widersprüche wurden bisher fünf Tschetschenen verhaften – darunter Saur Dadajew. Im Haus seiner Mutter wurde eine der Hülsen aus der Mordwaffe entdeckt. Der mögliche Organisator Ruslan Muchudinow, der früher dem berüchtigten tschetschenischen Polizeibatallion „Sever“ angehörte, wurde international zur Fahndung ausgeschrieben. Angehörige der Opposition vermuten die Beteiligung von Tschetschenen-Führer Ramsan Kadyrow am Nemzow-Mord und fordern Ermittlungen gegen ihn – bisher allerdings vergeblich.

Bilder: Eugen von Arb/ SPB-Herold

www.fontanka.ru

www.newsru.com

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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