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Nachlese Deutsche Woche 2016: Ausstellung „Hans Scharoun – Architekt und Visionär“

Von   /  8. Mai 2016  /  1 Kommentar

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eva.- Die Deutsche Woche brachte eine Entdeckung für russische Architekten mit sich – Hans Scharoun, ein stiller Star der deutschen Baukunst. Obwohl einige seiner ersten Bauten im heutigen Kaliningrader Gebiet stehen, ist er in Russland nahezu unbekannt (Fotogalerie).

Einer jener Pioniere, die Scharoun in Russland bekannt machen wollen, ist der Wissenschaftler und Architekt Dimitri Suchin. Er initiierte unter anderem das Projekt „InsterJahr“, das sich 2014 mit Scharouns „Bunter Reihe“ in Tschernjakowsk, dem früheren Insterburg beschäftigte. Suchin führte auch am Eröffnungstag in die beiden Ausstellungen ein, die in der Staatlichen Universität für Architektur und Bauwesen gezeigt wird.

Die eine Exposition besteht aus Fotografien von Carsten Krohn, die aus Schautafeln, die von der Akademie der Künste Berlin zusammengestellt wurden und mit vielen Illustrationen versehen Leben und Schaffen Scharouns zusammenfassen. Auf relativ kleinem Raum wurde eine hohe Konzentration an wertvoller Information für alle Interessierten zusammengetragen.

Stiller Star, politisch resistent

Scharoun erweist sich als stiller Star der deutschen Architektur und erstaunlich resistent gegenüber politischen Umbrüchen und Krisen, die Deutschland während seines Lebens durchmachte. Obschon er die  Technischen Hochschule in Berlin-Charlottenburg nie abschloss, kam er schon sehr früh in die Praxis, und zwar während des Wiederaufbau-Programms in Ostpreussen während des Ersten Weltkriegs.

Bereits mit 32 Jahren erhielt er eine Professur an der Breslauer Akademie für Kunst und Kunstgewerbe und realisierte in der Zeit bis zur Machtergreifung der Nazis eine stattliche Reihe prestigeträchtiger Bauprojekte – darunter ein Wohnhaus in der Stuttgarter Weissenhofsiedlung, die Grosssiedlung Siemensstadt in Berlin.

Anpassung an nationalsozialistischen Vorgaben

Obschon er verschiedenen fortschrittlichen Künstler- und Architekturvereinigungen, wie die „Gläserne Kette“ oder der „Ring“, angehörte, ging er 1933 nicht ins Ausland wie die meisten Mitglieder. Er baute weiter – meist Einfamilienhäuser – und konnte trotz der Anpassung an die nationalsozialistischen Vorgaben, seinen Stil weiterpflegen. Sein bekanntestes Bauwerk aus dieser Zeit ist das Haus Schminke im sächsischen Löbau. Später beschäftigte er sich mit der Beseitigung von Fliegerschäden, bereitete sich innerlich aber bereits auf die Zeit nach dem Krieg vor.

Scharoun, der nie Mitglied der NSDAP gewesen war, wurde nach Kriegsende von der sowjetischen Militäradministration als Stadtbaurat Leiter der Abteilung Bau- und Wohnungswesen mit der Planung des Wiederaufbaus betraut, doch wurden fast keine seiner Projekte realisiert. Da sein Stil dem Bauhaus nahestand wurde er auf DDR-Seite bald als bourgeois, dekadent und formalistisch abgelehnt und geriet zwischen die politischen Fronten. Aber auch auf westlicher Seite wurde ihm empfohlen, „nach drüben“ zu ziehen, da er sowohl im britischen wie auch im sowjetischen Sektor unterrichtete und gute Kontakte zum SED-Politiker Otto Grotewohl hatte, dessen Villa er ausstattete.

Wichtige Bauten erst nach seinem Tod fertiggestellt

Dafür hatte er einen wenn auch verspäteten Erfolg bei anderen Projekten: Geschwister-Scholl-Gesamtschule in Lünen (1956–1962), und in der Volksschule in Marl (1960–1968) und die Philharmonie in Berlin (1956–1963). Ausser dem Gebäude der Deutschen Botschaft in Brasília (1963–1969) baute Scharoun nur in Deutschland. Eine ganze Reihe seiner wichtigsten Bauten wurden erst nach Scharouns Tod 1972 fertiggestellt: das Deutsche Schiffahrtsmuseum in der Heimatstadt Bremerhaven, das Theater in Wolfsburg sowie die Staatsbibliothek Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Berlin.

Bilder: Eugen von Arb/SPB-Herold

Bis 20. Mai. Ausstellungssaal der Staatlichen Universität für Architektur und Bauwesen St. Petersburg, 2. Krasnoarmejskaja 4. Kontakt: Dimitri Suchin, [email protected]

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

1 Kommentar

  1. realsatire sagt:

    Vielen Dank! Muss ich mir unbedingt noch ansehen!

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