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„Nach Berlin“ – russische Fliegerbombe sorgt für Medienbombe

Von   /  12. August 2015  /  Keine Kommentare

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eva.- Die deutsche Bild-Zeitung brachte am 12. August ein Bild mit einer russischen Übungsbombe, welche den russischen Kriegsruf „Nach Berlin!“ trägt, als Sensation heraus. Die Aufnahme wurde kürzlich während eines Manövers der russischen Flieger- und Raketentruppen in Kaliningrad gemacht und zeigt laut dem Boulvard-Blatt „gefährliche Tendenzen in der russischen Führung und Armee“.

Die Übungsbombe birgt durchaus moralischen Sprengstoff. In der selben Fotoserie, in der sie gezeigt wurde, ist noch eine andere Bombe mit der Aufschrift „Auf Stalin!“ zu sehen. Diese Bilder sagen mehr als 1000 Worte und bestätigen die Sieges-Nostalgie, in der ein Grossteil der Russinnen und Russen 70 Jahre nach dem Kriegsende schwelgen. Trotz seiner Grausamkeit wird auch Stalin von vielen wieder als grosser und gerechter Führer angesehen.

Für viele Russen nicht mehr als ein Witz

Sie passen auch ins Konzept der Regierung, die dieses Jahr mit aller Kraft der sowjetischen Siegernation wieder erstehen lassen wollte. Bei seinem Besuch am Tag der Flotte in Kaliningrad, weihte Präsident Putin nicht nur ein neues Kriegsschiff ein, sondern verkündete eine offensivere Marine-Doktrin. Die Wahl von Kaliningrad als westlichster russischer Vorposten für diesen Auftritt ist kaum ein Zufall.

Auch die Aufschriften auf den Bomben sind kein Zufall, denn für viele Russen sind sie nicht mehr als ein Witz. Noch heute werden Deutsche zum Spass mit Sprüchen wie „Hitler kaputt“ oder „Schneller, schneller“ begrüsst. Auf der Seite Flot.com, wo die Bilder veröffentlicht wurden sind mittlerweile unterschiedliche Kommentare aufgetaucht.

Hat Berlin Humor bei solchen Spässen?

So meinen die einen, das seien keine „gefährlichen Tendenzen“ – die Leute hätten eben nicht vergessen, was die Deutschen vor 70 angerichtet hätten. Andere halten es für Spinnerei und einen schlechten Witz. Wieder andere finden, hier sei Humor am falschen Platz und die Verantwortlichen sollten vor Gericht gestellt werden. Mehrfach wird auch auf den schlechten Zustand der Marineflieger hingewiesen. Die Bomben waren an einem Transportflugzeug vom Typ An-26 angebracht, der in den Siebzigerjahren entwickelt worden war und nach vielen Jahren zum ersten Mal wieder an Manövern teilnahm.

Inwiefern man in Berlin bei solchen „Spässen“ Sinn für Humor  zeigt, ist noch offen. Vermutlich wird man sie mit einem diplomatischen Schweigen beantworten, ganz im Sinn der momentanen Politik, sich mit Russland nichts zu verderben, um die Misere nicht noch zu vergrössern. Das russische Verteidigungsministerium hat die Bilder inzwischen als „Dummheit oder Fotomontage“ bezeichnet. Wie Flot.com mitteilt wurde keines der Bilder bearbeitet – folglich muss es sich um eine Dummheit handeln.

Bild: Flot.com

www.bild.de
www.flot.com
www.newsru.com

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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