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Müllhalde auf dem Heldenfriedhof – Skandal zum 65. Jahrestag der Aufhebung der Leningrader Blockade

Von   /  27. Januar 2009  /  Keine Kommentare

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Mitten in die Gedenkfeiern zum 65. Jahrestag der Aufhebung der Leningrader Blockade platzte ein Skandal um die Pläne, auf den im Krieg umkämpften Sinjawino-Höhen eine Müllhalde und eine Verbrennungsanlage zu bauen. Das Volk ging empört auf die Strasse und wehrte sich gegen die Pläne – St. Florians-Politik hat Hochkonjunktur.

Von Eugen von Arb

Alles war perfekt vorbereitet – an allen Ecken und Enden der Stadt prangten in den vergangenen Wochen die Plakate mit den berühmten Bildern der Leningrader Blockade (1941-44), die zu den Feiern der Aufhebung der Belagerung am 27. Januar vor 65 Jahren einluden. Millionen von „Siegesbändchen“ waren zum Verteilen an das Volk bereit gemacht, das ein grandioses Feuerwerk geplant worden.

Beim Blockade-Denkmal am Stadtrand war rechtzeitig zum Jubiläum ein weiss gestrichener KW-1- Panzer aufgestellt worden, der aus der Newa gezogen und rennoviert worden war. Radio und Fernseh-Durchsagen riefen die Bevölkerung dazu auf, am Abend des 27. eine Kerze ins Fenster zu stellen und still seine Solidarität mit Helden und Opfern der Blockade zu demonstrieren.

Ein Sturm der Entrüstung

Da gerieten die Pläne zum Bau einer Müllhalde und einer Verbrennungsanlage auf den berüchtigten Sinjawino-Höhen bei Mga an die Öffentlichkeit, und weckten einen Sturm der Entrüstung im Volk. Statt an eine öffentliche Diskussion zum Bauprojekt zu gehen, versammelten sich Politiker, Historiker, Geistliche, Datschenbesitzer – ja sogar Kosaken im Zentrum der Stadt Kirowsk, unweit des vorgesehenen Bauplatzes auf die Strasse. Sie protestierten dagegen, auf den Gebeinen der Zehntausenden Gefallener Soldaten Müll zu lagern.

Die Sinjawino-Höhen gehören zu den blutigsten Kampfabschnitten des Zweiten Weltkriegs. Noch heute werden dort Waffen, Munition, Blindgänger und Knochen deutscher und russischer Soldaten ausgegraben, die dort dicht an dicht liegen. „Sie starben, damit wir leben!“ „Nichts ist vergessen, niemand vergessen!“ Mit solchen und ähnlichen Losungen zog die Menge durch die Stadt, schreibt der „Kommersant“. Unter den Demonstranten fragte man sich laut, wo die Datscha des Gouverneurs Serdjukow stehe – „Dort kann er seine Müllhalde haben!“.

Pläne wurden zurück gezogen – aber wohin mit den Müllbergen?

Die Regierungen der Stadt Petersburg und des Leningrader Gebiets haben das Bauvorhaben mittlerweile erschrocken zurück gezogen. Doch mit der Ablehnung dieses Standorts, der an sich schon 2005 beschlossen worden war, droht sich die St. Florianspolitik fortzusetzen. Müll produzieren wollen alle, nur lagern und verbrennen sollen ihn andere. Der Müll wird vermutlich noch lange zwischen Petersburg und Leningrader Gebiet hin- und hergeschoben werden – dass, obschon die Stadt mittlerweile nicht mehr weiss wohin mit den Abfällen (der „Herold“ schrieb darüber).

Während sich die Petersburger gewohnt sind, bevorzugt zu werden, verstehen die Menschen auf dem Land nicht, warum sie den Müll der Städter entsorgen und ihre Umwelt damit verschmutzen sollen. Hinzu kommt, dass sich im Lauf des Skandals Unklarheiten bei der Kompetenz im Müllstreit zwischen Stadt und Land ergeben haben.

Zugemüllt: Petersburg kämpft gegen wachsende Abfallberge

www.kommersant.ru

Fotogalerie mit Bildmontagen historischer Bilder bei Fontanka.ru

Fotogalerie eines russischen Suchtrupps mit Bildern von Funden im ehemaligen Kampfgebiet

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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