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Mistral vor Versenkung? Paris weiß nicht wohin mit „russischen“ Hubschrauberträgern

Von   /  8. Mai 2015  /  Keine Kommentare

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spn.- Die Franzosen wissen nicht, was sie mit den für Russland gebauten Hubschrauberträgern Mistral anfangen sollen, falls der Deal tatsächlich scheitern wird, schreibt die “Rossijskaja Gaseta”.

Der Sprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow, hatte früher mitgeteilt, dass Wladimir Putin mit seinem französischen Amtskollegen Francois Hollande vereinbart habe, dass Paris entweder die beiden bereits gebauten Schiffe Russland übergeben oder den Vorschuss (samt einer Entschädigung) zurückzahlen würde. Die Fristen für die Erfüllung dieser Verpflichtungen sind  unbekannt.

Laut der französischen Zeitung „Le Figaro“ erwägt man in Paris unter anderem die Entsorgung der Schiffe. Sie könnten entweder demontiert oder auf hoher See versenkt werden. Die zweite Variante wäre wohl „die billigste“, aber auch „die schockierendste“. In diesem Kontext zitierte die Zeitung einen französischen Militärbeamten, der diese Variante inakzeptabel gegenüber den französischen Schiffbauern findet. Es sei auch unwahrscheinlich, dass die französische Marine die beiden „Mistral“-Schiffe bekomme, so „Le Figaro“ weiter, vor allem weil sie entsprechend den russischen Anforderungen gebaut worden seien. Ein Umbau der Schiffe nach französischen Standards würde aber Hunderte Millionen Euro kosten.

„Am schlimmsten wäre Versenkung“

Theoretisch könnte für die Schiffe ein neuer Käufer gefunden werden, aber auch damit wären viele Schwierigkeiten verbunden.
Die “Rossijskaja Gaseta” bat den französischen Militärexperten Philippe Migault vom Institut für internationale und strategische Beziehungen (IRIS) um eine Stellungnahme. „Meines Erachtens wäre die Vertragserfüllung die beste Lösung des ‚Mistral‘-Problems“, sagte er. Alle anderen Varianten seien negativ. Am schlimmsten wäre die Versenkung der Schiffe.
Erstens würde das die russisch-französischen Beziehungen aus rein diplomatischer Sicht stark belasten, so Migault. „Zweitens ist die Reaktion der Arbeiter und Techniker in Saint Nazaire leicht vorstellbar, die diese modernsten Schiffe gebaut haben. (…) Sie würden das bestimmt als Beleidigung auffassen.“

Die Versenkung der „Mistral‘-Schiffe sei jedoch unwahrscheinlich, weil das heftige Proteste der Grünen auslösen würde, die Hollande aber mit Blick auf die Präsidentschaftswahl 2017 auf seine Seite ziehen wolle. „Ich halte diese Variante für absolut unmöglich“, so Migault.Auch der Verkauf der Schiffe an Dritte wäre aus seiner Sicht problematisch. „Ich sehe nicht, dass jemand Schlange stehen würde, um sie zu kaufen. Denn die Schiffe wurden unter Berücksichtigung der russischen Besonderheiten gebaut – um in kalten nördlichen Meeren zu verkehren. Die skandinavischen Länder wie Dänemark oder Norwegen brauchen diese Schiffe aus rein militärischer Sicht nicht. Zudem haben sie wohl kein Geld dafür. Auch mit Kanada sollte man nicht rechnen, denn es hat eine andere Entwicklungskonzeption seiner Seestreitkräfte“, so der Experte.

Zur möglichen Integration der beiden „Mistral“-Schiffe in die französische Flotte sagte er, vieles hänge vom Verteidigungsministerium ab, das andere Prioritäten habe und dessen Haushalt beschränkt sei. Zudem haben die französischen Seestreitkräfte bereits drei „Mistral“-Schiffe, ergänzte Migault. Das sei ausreichend für die Erfüllung der vor ihnen stehenden Aufgaben.

Bild: Wikimedia Commons

www.sputniknews.com

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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