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Milena Moser machte Petersburg zur “Putzfrauen-Insel”

Von   /  9. Dezember 2008  /  Keine Kommentare

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An fünf Lesungen stellte sich die Schweizer Schriftstellerin Milena Moser, die Autorin der „Putzfraueninsel“, dem russischen Publikum vor.

Von Eugen von Arb

Moser trat locker vor die Besucher und las aus ihren Büchern und Kolumnen vor – an der Uni, am Deutsch-Russischen Begegnungszentrum im Skulpturenmuseum und in Puschkin. Ältere Geschichten – aus den berüchtigten Büchern „Schlampenbuch“ und „Gebrochene Herzen oder Mein erster bis elfter“ – mischte sie mit Ausschnitten aus neueren Werken, so zum Beispiel „Stutenbiss“.

Und schon war das Gespräch angekurbelt

Nach der Lesung gab es viel Zeit für Fragen – blieb das Publikum still, munterte Moser die Leute mit eigenen Fragen auf. „Das kann doch nicht sein, dass sie keine Fragen haben“, sagte sie zu schweigenden Studenten. „Ok, sagen wir: Wieviel verdient eine Schriftstellerin in der Schweiz?“ Und schon war das Gespräch angekurbelt.

Interessant war das Spektrum der Fragen, die das russische Publikum an sie stellte, das nicht demjenigen von Schweizer Lesern entspricht. In den deutschsprachigen Ländern interessieren sich viele für Milena Moser als Autorin, welche das Verhältnis zwischen Mann und Frau witzig und bissig thematisiert.

Gradliniger Stil

In Russland, wo Schriftstellerinnen etwas Selbstverständliches sind, stiess mehr ihr gradliniger Stil und ihre Unabhängigkeit von der literarischen Tradition auf Interesse. Dass sie aus der russischen Literatur Gontscharows Taugenichts-Roman „Oblomow“ am meisten beeindruckt hat, sorgte bisweilen für strenge Blicke im Publikum.

Jeder sollte schreiben”

Ebenso die Behauptung Mosers, jeder Mensch sollte und könne schreiben, führte zu heissen Diskussionen. Hier stiess der akademisch-russische Schöngeist auf die westliche Jekami-Kultur – ein erfrischendes Experiment. Mit grossem Interesse hörten sich die Besucher die Ausführungen Mosers über die Schreibschule an, welche sie kürzlich zusammen mit ihren Kolleginnen in der Schweiz gegründet hatte.

Doch trotz dieser Gegensätze genoss Milena Moser das kulturelle Klima der Stadt. Als jemand, der sich in der Schweiz fast dafür entschuldigen müsse, dass er Schriftsteller sei, sei es sehr schön, zu spüren, welche hohe und selbstverständliche Annerkennung den Künstlern in Petersburg entgegen gebracht werde.

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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