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Michail Gluschenko als Auftraggeber des Starowoitowa-Mordes genannt

Von   /  4. März 2011  /  Keine Kommentare

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TOPTICKER.- Auf inoffiziellem Weg wurde bekannt, dass der Petersburger Mafioso Michail Gluschenko vom Organisator des Mordes an der Politikerin Galina Starowoitowa als Auftraggeber belastet worden ist. Juri Koltschin, der 2005 für die Organisation des Killermordes zu einer 20-jährigen Haftstrafe verurteilt worden war, hat vergangene Woche weitere Aussagen gemacht.

Er bestätigte jene Version, die nach dem Mord vor zwölf Jahren von Juristen und Journalisten als die wahrscheinlichste genannt wurde: Der Ex-Duma-Abgeordnete der liberaldemokratischen Partei (LDPR) und mafiöse Unternehmer Michail Gluschenko, dem noch eine ganze Reihe von Verbrechen angelastet werden, soll den Befehl dazu gegeben haben.

Die wegen ihrer Standfestigkeit beliebte Stadtabgeordnete Starowoitowa war im November 1998 im beim Hauseingang erschossen worden. Sie hatte sich als Politikerin insbesondere für Minderheitenrechte engagiert. Der Killer und die Organisatoren waren 2005 verurteilt worden, doch blieb der Auftraggeber im Dunkeln.

Gangster-Kollegen seit den Achtzigerjahren

Während Koltschin früher die Beteiligung Gluschenkos bestritt, macht er seinen Kollegen nun ganz für den Mord, der damals die Weltöffentlichkeit schockierte. Offenbar erhofft er sich wie seine verhafteten Mafia-Kumpane Strafmilderung durch seine Aussagebereitschaft.

Koltschin arbeitete seit Ende der Achtzigerjahre eng mit Gluschenko zusammen und organisierte unter anderem das betrügerische “Hütchenspiel”, mit dem die Mafia auf den Märkten Leningrads Geld verdiente.

Mehrere Mafiosi begannen zu „singen“

Sein Schweigen hat Koltschin vermutlich gebrochen, weil in den vergangenen Monaten eine ganze Reihe verhafteter russischer Mafiosi beschlossen hatte, mit der Justiz zu kooperieren. Unter ihnen der Ex-Politiker Andrei Rybkin und Michail Gluschenko, die Teilgeständnisse ablegten, sich aber darauf beriefen, “nur” auf Befehl des obersten Bosses der berüchtigten “Tambower Mafia” gehandelt zu haben: Wladimir Barsukow, der seit 2009 hinter Gittern sitzt.

Die Schlinge um Michail Gluschenko hat sich damit weiter zusammen gezogen. Neben dem Starowoitowa-Mord wird er für Erpressung und spätere Ermordung der Geschäftsleute Wjatscheslaw Schewtschenko, Juri Sorin und ihrer Dolmetscherin auf Zypern, sowie für die Organisation des Attentats auf den Ölmagnaten Pawel Kapysch und die Beteiligung am Anschlag auf den Unternehmer Viktor Gawrilenko im Hotel “Newski Palace” verantwortlich gemacht.

Spektakulärster Mafia-Prozess Russlands nach der politischen Wende

Laut Fontanka.ru kann dank dieser Ermittlungen noch in diesem oder im nächsten Jahr mit dem spektakulärsten Mafia-Prozess Russlands nach der politischen Wende gerechnet werden. Russland erhält damit die Chance, eines der dunkelsten Kapitel seiner Geschichte abzuschliessen und den miserablen Ruf seiner Justiz erheblich zu verbessern.

Weitere Artikel zu diesem Thema:

Michail Gluschenko legt Geständnis im Mordfall Kapysch ab

Kommentar: Mordfall Starowoitowa – die zweite Runde, eine Nullrunde?

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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