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Meinung: Die Umerziehungs-Hansa

Von   /  23. Mai 2012  /  4 Kommentare

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Markus Mueller – Von Sankt-Petersburg nach Deutschland gehen die meisten Fluege mit der Lufthansa oder deren assoziierten Töchtergesellschaften. Aus Preisgründen fliege ich dennoch meist mit russischen Gesellschaften, Air-Baltic oder Air Berlin. So war der LH-Flug nach Düsseldorf vor Kurzem eine positive Erfahrung. Das Essen war im Preis inbegriffen und nicht einmal so schlecht.

Oh Zeiten oh Sitten…

Der Rückflug war eine Woche später und indirekt via Hamburg, was frühes Aufstehen in Düsseldorf zur Folge hatte.

Mit dem öffentlichen Nahverkehr kommt man maximal entfernt vom Lufthansa Checkin an. Der Mann und die Ehefrau eilen zum Check-in und werden von einer nett aussehenden Dame am Eingang zum Rückstaulabyrinth aufgehalten. „Wo wir den herkommen würden, seit über 3 Jahren müssten wir doch wissen das hier am Automaten selbst eingecheckt wird und nur die Businessklasse darf noch an den Schalter!“

Bass erstaunt antworte der unziviliserte Barbar, als der ich mich nun fühle, dass die Lufthansa in Sankt-Petersburg noch ganz normal mit „echten Menschen“ und Kofferwiege abfertigt. Zum Beweis das hier die Effizienz siegt zeigt sie auf die umstehenden Automaten und – es kommen mir langsam Zweifel ob das günstiger ist – neben jedem der „Sie sind leider ein billig Ticket Kunde“-Automaten steht extra eine Lufthansaerziehungsberechtigte Hostess die uns Menschen in Eile helfen möchten, indem sie extra langsam und deutlich Passnummern eintippen lässt.

Wir stürmen auf den nächsten freien Automaten zu. Die Hostess erklärt nett aber langsam wie es geht. Wir tippen Namen, Flugnummer und Reisepass ein. Als wir zur Reservierungsnummer komme…- am Schalter beim Abflug hat der Pass genügt…- RESERVIERUNGS NUMMER ? Wenn die Dame bzw. Ihr Automat die Buchungs-Nummer will muss ich erst ins Internet. Nach längerer Diskussion bekommen wir ein Plastikkärtchen mit dem wir – der Einfachheit halber – direkt an den Schalter dürfen und mit dem Pass einchecken sollen.

Die Dame am Apsperrungsbänderlabyrinth schaut muffig als sie uns wieder kommen sieht. Ich ruf Ihr im vorübergehen zu dass ich so früh am Morgen nicht gut auf Erziehungsmassnahmen dieser Art stehe. Und bekomme eine unwiederholbare Beleidigung mit auf den Weg. Ich denke mir das die Sparmassnahmen der Firma extrem nach hinten losgehen wenn die so weitermachen. Oder war sie nur sauer das die Firma gerade angekündigt hatt über 3000 Mitarbeiter zu entlassen?

Nette Ansprachen sind keine Aussnahme

In Hamburg angekommen verwechselen wir auf der Anzeige den Lufthansa Flug mit Aeroflott, der eine Stunde später nach Sankt-Petersburg fliegt wie unserer. Ergo eilen wir nicht wie von der Tarantel gestochen zum Gate. Nach der extrem fummeligen Sicherheitskontrolle erklären uns 3 Lufthansamitarbeiter das wir „Wahnsinniges Glück“ haben das sie uns noch einchecken, da eine andere Gruppe auch gerade erst gekommen ist. Wir bekommen einen langen Vortrag indem sich die Mitarbeiter geradezu „entschuldigen uns noch reinzulassen“.
Auf meine Frage ob wir den Ausgerufen wurden bekomme ich „mehr als 3x mal“ entgegengeschmettert. „Schoen“ sage ich – ganz Techniker – dann sollten sie das mal überall und auch laut genug tun. Wir haben auf dem Weg wirklich nichts gehört. Jetzt wird dafür die Predigt lauter und wir entziehen uns der freundlichen Anteilnahme durch den Gang.
Peinlich das Flugzeug wartete nun auf uns und die Gruppe verspäteter Jugendlicher.

Wir sitzen und – warten weiter – nach 10 Minuten kommt die Durchsage vom Kapitän dass was nicht in Ordnung ist. Nach weiteren 20 Minuten dann die Mitteilung das wir umsteigen müssen, das Gepäck auch. Ein Instrument das mehrfach vorhanden ist, zeigt nichts richtig an, aber sicher ist sicher. Gut eine weitere Stunde Später heben wir nach einer Busreise übers Flugfeld endlich nach Sankt-Petersburg ab.

Die Bedienung ist freundlich das Essen gut – aber das ungewohnte deutsche „Anschnautz-Umerziehungs-wir-wollen-was-mit-Dir-verdienen“ Getue hat mich nachhaltig negativ Beeindruckt.
3 Jahre sind wir nicht mit Lufthansa geflogen und schon fühle ich mich bei der UMERZIEHUNGS HANSA unwohl. Bin ich zulange in Russland? Zulange im Kundendienst und der Qualitätssicherung beschäftigt? Soll ich den Automatenunsinn als betriebswirtschaftlich vorteilhaft ansehen?

Vermutlich idealisiere ich meine Heimat und predige in Russland Tugenden, die bei uns schon lange nicht mehr existieren.
Oder bin ich zu „Deutsch“ ums zu bemerken – und gebe der Lufthansa gerade eine Predigt?

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4 Kommentare

  1. realsatire sagt:

    Nie war das Geld mobiler als Heute – das ist im mehrfachensinn wörtlich zu nehmen (Global Finanziert, Global vereist). Wer reisen möchte möchte das preisgünstig aber auch preiswert in seiner Klasse (First, Business oder eben Touristenklasse) machen.

    Das ist wie mit dem Leben in Russland – man erwartet von Staat hier keine Unterstützung und wundert sich dann wenn mann sie doch erhält. Die Erwartungshaltung ist bei anderen Airlines eben niedriger – knapp über Grund, d.h. sie wird eher mal positiv überraschen.

    Bei der LH erwartet mann einfach mehr, auch wenn mann nicht mehr bezahlen möchte als bei Air Baltic (die im Übrigen auch positiv überrascht vor allem mit den klasse Hub in Riga) – die Messlatte ist höher und wenn diese Erwartung nicht mehr getroffen wird, wandert das mobile Geld sofort woanders hin.

  2. Balthasar sagt:

    Danke für Ihren Bericht. Ich habemit der Lufthansa-Business auf Langstrecke auch schon mehrfach schlechte Erfahrungen gemacht. Total veraltete Einrichtung mit stürmischer Zugluft im Jumbojet, miserables, angebliches Sternekoch-Essen, sehr unbequeme Sitz. Am übelsten allerdings das unfreundliche Personal. Einmal bin ich nach dem Einsteigen nochmal kurz aufgestanden, um einen Pulli ins obere Fach zu legen, da wurde ich von hinten in allerübelstem Wehrmachts-Ton angeschrieen, ich solle mich sofort hinsetzen, das stehe so im Gesetz und wegen mir könne das Flugzeug nicht starten… Unnötig zu sagen, dass auch noch 10 Minuten später Passagiere entspannt durch die Gänge marschierten!
    Lufthansa? Such a bad experience never again! Never ever!

  3. Auch Deutscher sagt:

    Mich wuerde wundern, wenn das Bodenpersonal fuer die LH in HH, am Check In oder am Gate, generell Lufthansa Personal waere. Das werden, wie fast ueberall, Flughafenmitarbeiter sein, die diesen outgesourcten Service im Auftrag der LH erledigen.
    Und wenn das Essen denn mal gut war, und die Koffer den Umzug zeitgleich (auch kein LH Personal!) mitgemacht haben: Glueckwunsch.
    Ich ziehe wegen ‚an Bord‘ gast jede andere Airline vor. Und jede Asiatische, die da hin fliegt, wo ich hin moechte!

  4. EDHI sagt:

    Ich kann die Unkenrufe auf die LH nicht verstehen. Ich fliege seit mehr als 7 Jahren mehrmals im Jahr mit denen und bin noch nie schlecht behandelt worden. Ich hatte auch schon mal meine Reservierungsnummer nicht zur Hand, da das Handy streikte. Ich hab das sachlich dem Personal erklärt und ohne Umschweife ein Papierticket bekommen. Ich bin der Meinung: Wie man zum Wald reinruft, so schallt es hinaus.

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