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Maximaler Kollateralschaden bei allen Beteiligten

Von   /  22. April 2018  /  Keine Kommentare

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Nach der Massenweise Sperrung von IP Adressen durch die russische Internet und Medienaufsichtsbehörde Roskomnadsor am Wochenende funktioniert das Internet in Russland harzig bis gar nicht mehr. Nur das Ziel der Sperrung, der progressive Internet Messanger Telegram funktioniert fast ungestört und  (siehe Vorgeschichte) weicht derweil von Amazon  auf die Server von Google und anderen Web Service Anbieter aus. Roskomnadsor hat in Folge einfach bis zu 22 Mio IP Adressen in  Blöcken pauschal  im Netz blockiert und dabei offensichtlich zuviel des Guten getan. Tausende Webseiten Teile von Facebook, Viber, Netflix, Google aber auch einfache Webseiten von russischen Banken, Radiostationen, Behörden, Kliniken,  Handelsnetze und Interneshops, und sogar Webseiten von Regierungseinrichtungen fielen der Sperrwut der Behörde zum Opfer.

Der Internetberater des russischen Präsidenten Wladimir Putin hat empfohlen, dass sich die russische Medienaufsichtsbehörde für den massive Kollateralschade im Zuge der Urteilsvollstreckung gegen Telegramm entschuldigen soll.

„Es wäre vernünftig wen Roskomnadzor sich für diese komplizierte Geschichte entschuldigen würde“, sagte Putins Internetberater German Klimenko am Mittwoch dem staatlichen Fernsehsender NTV. (TV Mitschnitt).

„Ich hoffe, Roskomnadsor wird von jetzt an vorsichtiger handeln“, fügte er hinzu.

Das landesweite Verbot habe russische Entscheidungsträger nicht davon abgehalten, die populäre App zu nutzen, die 15 Millionen Russen zu ihren 200 Millionen Nutzern zählt, berichtete das RBC-Geschäftsportal am Donnerstag. RBC berichtet auch, dass mindestens sechs russische Parlamentarier, Vertreter des Kreml und Kabinettsmitglieder nach dem Verbot online auf dem Dienst gesehen wurden. Der Abgeordnete der Staatsduma, Leonid Levin, wurde mit den Worten zitiert, er gehe online, um „zu sehen, wie die Gesetzgebung umgesetzt wird“.

Kreml-Sprecher Dmitry Peskov bestritt die Vorwürfe, dass Roskomnadsor sich mit dem weitgehend gescheiterten Versuch Telegram komplett zu sperren diskreditiert habe. „Es ist offensichtlich, dass Sie Zeit brauchen, um das Gesetz durchzusetzen“, zitierte die staatliche Nachrichtenagentur RIA Novosti Peskov am Donnerstag.

RBC: Der angekündigte Telegram Bezahldienst hat die Sperrung ausgelöst.

Derweil legt das Businessportal RBC mit neuen Erkenntnissen nach. Hauptgrund für den eiligen Bann sei die Tatsache das Telegram bis im Herbst einen unregulierten Krypto-Bezahldienst für unmittelbare Geldtransfers anbieten wird. Der neue Dienst für dessen Entwicklung Telegram im März 1.7 Milliarden Dollar von Investoren eingenommen hat, wurde als unmittelbare Bedrohung durch den FSB aufgenommen und hat das Verbot beschleunigt.

Ein Beamter des Föderalen Sicherheitsdienstes (FSB), der am Freitag in einem Schreiben des RBC-Geschäftspartners an Kollegen berichtete, behauptet, dass Russlands Bemühungen, Telegram zu verbieten, „nicht die Schlüssel oder der Terrorismus sind“.

Roman Antipkin, Mitarbeiter der Überwachungsabteilung, schrieb stattdessen, dass das FSB befürchtete, dass die ICO von Telegram zu einem „völlig unkontrollierbaren Finanzsystem“ im Land führen könnte.

„Dies ist kein Bitcoin für Randelemente, dies wird einfach, zuverlässig und unkontrollierbar sein. Das bedroht die Sicherheit des Landes „, zitiert RBC Antipkin als schriftlich.

Telegram ist nur der Anfang

Nach Telegram, soll gemäs dem Publizist Alexander Scharow bis Ende des Jahre auch das grösste Soziale Netz  Facebook, aber auch der Onlinehändler Amazon, Instagram, und viele weitere beliebte Apps für das russischen Internet gesperrt werden. Die Bedingungen sind klar. Die Server für die Speicherung der Anwenderdaten der russischen User müssen physikalisch in Russland sein, Inhalte die in Russland verboten sind müssen gelöscht werden und der FSB muss Zugriff auf ggf. verschlüsselte Kommunikation z.B. über Whats App erhalten. Sind diese Bedingungen erfüllt können die Dienst weiter benutzt werden.

Die User üben sich derweil im Umgehen der Sperren

Im russischen Internet kursieren derweil hunderte von Telegram Proxyserver Adressen und Tips und Trick, wie man den  Dienst am laufen halten kann.  Schon nach den ersten Sperrungen 2016 die neben einschlägigen Pornowebseiten vor allem das Soziale Business Netzwerk LinkedIn betraf haben die User gelernt wie mann diese Sperren mit einfachen Mitteln umgeht.

Nach den ersten Tagen der Telegram Sperrung kann man jedoch schon Heute sagen, das alle Beteiligten der Staat, seine Behörden, der Anbieter Telegram, die Anwender und das Internet als solches Heftigen Schaden genommen hat. Gelitten haben die Behörde wegen technisch naiver Herangehensweise, der Sicherheitsapparat weil er das Verbot vorangetrieben, das Internet weil es sich als so verletzlich gezeigt hat, die Wirtschaft wegen Umsatzausfall und schlechtem Klima für Internetinnovationen und am Ende am Meisten, die Bürger / User, weil sie zunehmender Bevormundung und einer drohenden  Kriminalisierung bei der Wahl Ihrer Informationsquellen entgegensehen.

Bild: German Klimenko, Internet Berater des russischen Präsidenten, Pressedienst Kremelverwaltung

 

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  • Veröffentlicht: 17 Stunden vor auf 22. April 2018
  • Von:
  • Zuletzt geändert: April 23, 2018 @ 3:02 pm
  • Rubrik: Aktuell

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