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Master-Bank verliert Lizenz – neues Bankensterben in Sicht?

Von   /  3. Dezember 2013  /  Keine Kommentare

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TOPTICKER.- Nachdem die russische Zentralbank der Master-Bank am 20. November die Lizenz entzogen hat, wird mit weiteren Schliessungen gerechnet. Viele Kunden legen darum ihre Guthaben bei staatlichen Banken an. Der Staat will den Bankensektor stärker kontrollieren und den Anteil von „Schwarzgeld“ senken.

Als die  Zentralbank der Master-Bank wegen undurchsichtiger Geschäftstätigkeit und Verdacht auf Geldwäsche die Lizenz strich und sie unter Zwangsverwaltung stellte, staunte man nicht schlecht im Bankengewerbe. Laut Fontanka.ru galt die Bank als solides Geldinstitut, das sich in den vergangenen Jahren gut entwickelte.

Die Bank mit einem Eigenkapital von 9,1 Milliarden Rubel und einem wachsenden Gewinn von bis zu 5,4 Milliarden Rubel (2012) verfügte sowohl in St. Petersburg wie auch in Moskau über ein grosses Netz von Geldautomaten und rund 2000 Angestellte. Die Masterbank wurde 1992 gegründet und gehörte zu den 100 grössten Banken Russlands. Seit 2008 gehörte Igor Putin, ein Vetter des Präsidenten, dem Aufsichtsrat der Bank an.

Guthaben bis 700.000 Rubel versichert

Sämtliche Transaktionen wurden ab dem Stichdatum eingestellt und alle Kreditkarten der Bank annulliert. In verschiedenen Niederlassungen der Bank kam es zu Durchsuchungen durch die Finanzpolizei. Doch im Gegensatz zu früheren Bankschliessungen kam es diesmal nicht zu Panik unter den Kunden, denn ab dem 4. Dezember soll die Agentur für Guthabenversicherungen (ASV) mit der Auszahlung von Einlagen bis zu 700.000 Rubel beginnen.

Damit sind die Guthaben von 95 Prozent aller Kunden abgedeckt. Schlimmer sieht es für Organisationen aus, die ihre Gelder bei der Master-Bank deponiert hatten, die meist um ein Mehrfaches die versicherte Summe überschreiten. In St. Petersburg sind dies bedeutende Firmen, darunter mehrere Restaurant-Ketten (Ginza Project, Coffee House), die Supermarktkette O’key, sowie russlandweite Organisationen wie die Versicherungen „Rossgosstrach“, „Reso“ und der Mobilfunker „Beeline“. Das Schicksal ihrer Gelder hängt von den weiteren Folgen des Lizenzentzugs sowie von der Liquidität der Bank ab.

Die staatlichen Banken profitieren

Das Aus für die Master-Bank hat aber auch noch andere Folgen – darunter jene, dass vermehrt Gelder bei staatlichen Banken angelegt werden. So vermeldete die Bank „VTB24“ in den Tagen nach der Schliessung der Master-Bank einen Anstieg neuer Anleger um rund einen Drittel über dem monatlichen Durchschnitt. Die Sberbank wollte zwar die Situation nicht kommentieren, doch wird angenommen, dass die Entwicklung dort ähnlich ist.

Die „Rettung“ von Guthaben auf Konten in staatlichem Besitz ist nicht ganz unbegründet, denn es wird mit weiteren Lizenzentzügen gerechnet. Zwar soll es kein Bankensterben wie 2004 oder 2008 geben, doch kursieren bereits inoffizielle „schwarze Listen“ mit weiteren Schliessungs-Kandidaten. Mit verstärkter Kontrolle versucht der russische Staat, die Banken zu einer transparenten Geschäftspraxis zu zwingen und so Geldwäsche und Steuerhinterziehung zu bekämpfen. Nach Angaben der Weltbank beträgt der Anteil an „Schwarzgeld“ in Russland rund 40 Prozent des Bruttoinlandprodukts (zirka 800 Milliarden US-Dollar).(eva)

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold

www.fontanka.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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