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Martin Vosseler: Ein Mann marschiert für Sonne und Wind

Von   /  26. Juli 2011  /  Keine Kommentare

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Von Eugen von Arb

Basel – Petersburg, 2600 Kilometer hat der Schweizer Arzt und Umweltschützer Martin Vosseler innerhalb von rund drei Monaten zurückgelegt. Auf seinem Wägelchen, dass er durch sieben Länder – Schweiz, Deutschland, Polen, Litauen, Lettland, Estland, Russland – gezogen hat, prangt eine grosse Sonne.


Sie steht für ein „erdverträgliches Leben“ – Vosseler fordert von der Menschheit eine „Ethik der Solidarität und des Respekts für das Leben“, wie er während eines Empfangs in der Residenz des Schweizer Generalkonsuls in St. Petersburg erklärte. Während sein schweizer „Fussgänger-Kollege“ Markus Zohner vor zwei Jahren seiner Gewaltleistung auf sein kulturell-historisches Projekt der Bernstein-Strasse aufmerksam machen wollte, geht es bei Vosseler um eine weltanschauliche Mission. Wenige Monate nach der Atomkatastrophe von Fukushima erhält sie besondere Aktualität: Hundert Prozent erneuerbare Energie und Energie-Effizienz fordert er. Ausserhalb seiner politischen Aktvität ist das Gehen ist für ihn als Arzt reine „Gesundheits-Aktivität“.

Erst Solar-Weltumsegelung, dann Sonnenwanderung

Vosseler, der 2007 bereits an der ersten Weltumrundung per Schiff und Solarenergie teilgenommen hatte, schilderte fasziniert während des Empfangs seine Erlebnisse mit Menschen und Tieren. Die Schönheit von Landschaft und Natur  beeindruckten ihn ebenso wie die Gast- und Hilfsbereitschaft der Bevölkerung in allen Ländern. Nicht nur einmal musste er auf den Vorschlag, ein wenige mitzufahren verzichten – das hätte gegen sein „Gelübde“ verstossen, den Weg zu 100 Prozent zu Fuss zurückzulegen.

Musik mit im Gepäck

Neben einem Zelt führte er in einem superleichten Gepäck noch eine Musik-CD mit Werken des Petersburger Komponisten Arthur Lourie (1892-1966) bei sich. Bei seinem Abmarsch am 9. Mai in Basel hatte sie ihm sein Freund und Leiter der Lourie-Stiftung Stefan Hulliger in die Hand gedrückt mit der Bitte, auf diese Weise den Komponisten in seine Heimat zurück zu bringen. Ein Dütt spielte aus diesem Anlass in der Schweizer Residenz ein Werk Louries für Geige und Flöte. Die Grussworte der Stiftung trug der Schauspieler Julien di Capua vor.

Dossier:
Arthur Lourié wurde in einer jüdischen Familie als Sohn eines wohlhabenden Holzfabrikanten geboren und erlernte schon in früher Kindheit das Klavierspiel. 1913 konvertierte er zum katholischen Glauben. Er studierte am Konservatorium in St. Petersburg u.a. bei Anatoli Drosdow und Maria Barinowa (einer Schülerin Busonis, den Lourié sehr bewunderte) und gehörte dort mit Prokofjew zu den pianistischen Spitzentalenten. Allerdings verließ er das Konservatorium – mit Alexander Glasunow in kompositorischen Fragen uneins – vor dem Examen. Lourié bildete sich autodidaktisch weiter fort und schloss sich der Gruppe der russischen Futuristen an. Er schloss Freundschaft mit Alexander Blok sowie Anna Achmatowa und war einer der ersten, der Texte dieser Autorin vertonte. Als begeisterter Anhänger der Oktoberrevolution wurde er 1918 als Musikbeauftragter in das Volkskommissariat für Aufklärung berufen. 1922 kehrte er allerdings von einer Dienstreise nach Berlin nicht mehr in die Sowjetunion zurück (wodurch er dort zur „Unperson“ wurde) und lebte ab 1923 in Paris, wo er freundschaftliche Kontakte mit Igor Strawinski pflegte (woraus später allerdings Feindschaft wurde). 1941 übersiedelte er auf Einladung von Serge Kussewitzky in die USA, wurde dort jedoch kaum verstanden und war bei seinem Tode auch in Europa vergessen. (Wikipedia)

 

Weitere Artikel zu diesem Thema:

Von Venedig nach Petersburg zu Fuss: “Man ist auf die Freundlichkeit der Menschen angewiesen”

“Rekord-Fussgänger” der Bernsteinstrasse Markus Zohner geehrt und verabschiedet

www.martinvosseler.ch

 

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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