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Mannerheim-Denkmal: beschmiert, beschossen und schliesslich entfernt

Von   /  14. Oktober 2016  /  Keine Kommentare

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eva.- Die Affäre um das umstrittene Mannerheim-Relief im Petersburger Stadtzentrum nahm ihr Ende in einer Nacht- und Nebel-Aktion. Nachdem es während während seiner viermonatigen Existenz mindestens fünf Mal mit Farbe beschmiert und sogar beschossen worden war, wurde das Denkmal in der Nacht auf den 14. Oktober entfernt und abtransportiert – ins Museum.

Das Unglücksdenkmal wird laut der Russischen Kriegshistorischen Gesellschaft nun im Museum der Geschichte des Ersten Weltkriegs in Zarskoe Selo als Exponat aufbewahrt. Die Stelle, wo die Bronzeplastik gehangen hatte, wurde sogleich mit Farbe überschmiert. „Petersburg hat Mannerheim besiegt“ betitelte die Internetzeitung Fontanka.ru das unrühmliche Ende dieser Geschichte.

Das Barrelief war am 16. Juni von Kulturminister Wladimir Medinskys und dem damaligen Leiter der Präsidentenadministration Sergei Iwanow an der Wand der Militärakademie an der Sacharewskaja Uliza eröffnet worden. Die Kommunisten und andere „patriotische“ Bewegungen liefen Sturm gegen den „Faschisten“ Mannerheim wegen der Beteiligung Finnlands am Feldzug der Wehrmacht und an der Leningrader Belagerung.

Bereits der zweite Versuch

Es war schon der zweite Versuch Medinskys, dem von ihm verehrten finnischen Feldherrn und Präsidenten Carl Gustaf Emil Mannerheim ein Denkmal in jener Stadt zu setzen, wo dieser unter dem Zaren als Soldat gedient hatte. Bereits 2015 während des internationalen Wirtschaftsforums hatte Medinsky an der Galernaja Uliza eine Mannerheim-Gedenktafel anbringen lassen. Doch schon nach kurzer Zeit und lauten öffentlichen Protesten wurde sie still und heimlich wieder entfernt.

Bei zweiten Mal wurde offenbar die Tatsache ausgenutzt, dass die Militärakademie nicht der Stadt, sondern der Moskauer Regierung untersteht. Doch als sich herausstellte, dass für das Relief keinerlei Bewilligung vorlag, entbrannte wiederum eine laute öffentliche Diskussion. Wladimir Medinsky, ein Günstling Putins, der jedoch als Kulturminister wenig Popularität geniesst, zog in dieser Geschichte endgültig den Kürzeren. Was ebenfalls zum Ende der Gedenktafel beigetragen haben dürfte, war der kürzliche Beschluss der finnischen Regierung zur militärischen Zusammenarbeit mit der Nato.

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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