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MAKSA – expressive Kunstbrückenbauerin zwischen Hamburg und Petersburg

Von   /  13. August 2018  /  Keine Kommentare

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eva.- In einer Doppelausstellung wird das Werk der russisch-deutschen Künstlerin „Maksa“, Ljubow Maksjutina (1957-2012) gezeigt. Maksa wurde im Ural geboren studierte Kunst in St. Petersburg und emigrierte nach Hamburg. Dennoch blieb sie Petersburg und seinen KünstlerInnen lebenslang verbunden und gehörte zu den kulturellen Brückenbauerinnen zwischen den beiden Städten und Kulturen.

Spricht man heute von der Aufbruchsstimmung zwischen Westeuropa und Russland in den Neunzigerjahren, so scheint angesichts der momentanen „Eiszeit“ es als läge diese Zeit ein Jahrhundert zurück und nicht zwei Jahrzehnte. Tausende von Menschen entdeckten damals „die andere Seite“ für sich, darunter viele Künstlerinnen und Künstler aus Ost und West, für die es besonders wichtig war, frischen „kulturellen Sauerstoff“ zu atmen.

Zu ihnen gehörte Ljubow Maksjutina aus dem Ural-Gebiet, die in den Achtzigerjahren an der Leningrader Muchina-Akademie für angewandte Künste studiert hatte und zur Perestroika-Kunstszene gehörte. Diese neue Generation war es auch, die 1991 den Häuserblock an der Puschkinskaja friedlich besetzte und 1991 offiziell ein Gebäude zugesprochen erhielt, in dem nun das Zentrum für nonkonformistische Kunst eingerichtet ist.

Rutsch vom Gegenständlichen zur Abstraktion

Zwar ging Maksa 1994 nach Hamburg, erhielt aber auch danach ihre Verbindungen zur Petersburger Kunstszene aufrecht. Im grossen Saal des Zentrums sind nun rund knapp vier Dutzend ihrer Werke in verschiedenen Techniken und Formaten ausgestellt. In der Galerie „Borey“, die in derselben Zeit entstand, sind weitere 22 Werke zu sehen.

Der Umzug nach Hamburg bedeutete für Maksa auch einen künstlerischen Umbruch – einen Rutsch vom Gegenständlichen zur Abstraktion. Diese Teilung spiegelt sich auch in den beiden Ausstellungen – in der Galerie sind eher die gegenständlichen Arbeiten zu sehen, während die Werke in der Puschkinskaja-10 praktisch durchwegs abstrakt sind. Ein zentrales Motiv ist die Sphinx, für viele Petersburger Künstler ein Symbol ihrer Stadt, das am Newaufer auf der Wassili-Insel thront.

Kopf durchs Loch – und porträtiert

Das Verschlüsselte, Geheimnisvolle, Enigmatische dieser Figur kann sicher als Synonym für Maksas Schaffen stehen. Andererseits schilderte Thomas Sello, Mitinitiator der Ausstellung und Vertreter der Hamburger Stiftung Nachlässe die Künstlerin als zugänglichen und spontanen Menschen. Als Beispiel schilderte er wie sein Porträt, das in der Puschkinskaja-10 ausgestellt wird, zustande kam. Völlig überraschend wurde er von der Künstlerin aufgefordert, seinen Kopf durch das herausgeschnittene Loch zu halten – und gleich daneben malte sie dann sein Gesicht – sein Lachen ist unverkennbar*

Wie schaffenskräftig, vielseitig und offen sich Maksa im zeitgenössischen Kunstgeschehen des Westens bewegte, zeigt ihr Lebenslauf. Zahlreiche Ausstellungen und Performances in ganz Deutschland, Russland und der Schweiz reihen sich aneinander. Dabei lebte Maksa eine bescheidene Künstlerexistenz und griff bei Material, bzw. Geldknappheit auch zu improvisierten Lösungen. Karton und Holz, Verpackung und Ausschussmaterial sind oft, wenn nicht meistens der Untergrund für ihre Bilder.

„Lebenslinie“ weitergeführt

Maksa zeichnet fast immer, auch wenn sie malt, denn die Linie dominiert einen Grossteil ihrer Bilder. Mal verkürzt sich diese „Lebenslinie“ fast auf stille Punkte, mal vibriert sie wild im Bildzentrum – 2012 brach Maksas Linie ab. Dank der Stiftung Nachlässe, die nicht nur die Ausstellung, sondern auch eine zwanzigköpfige Reisegruppe nach Petersburg gebracht hat, wird sie in den Köpfen weitergeführt und die Brücke zwischen diesen Städten die längst zusammen gehören weiter verstärkt.

Bilder: Eugen von Arb/ SPB-Herold

Bis 2. September. Kulturzentrum Puschkinskaja10. Eingang vom Ligowski-Prospekt 53.

www.p-10.ru

Bis 18. August. Galerie Borey, Liteiny Prospekt 58, Tel. 275-38-37, Di bis Sa von 12.00 bis 20.00 geöffnet. www.borey.ru

www.kuenstlernachlaesse.de

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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