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Luciano Ventrone – Gemälde, die man aufessen möchte

Von   /  7. August 2010  /  Keine Kommentare

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Von Anna Smoljarowa

Der Marmorpalast zeigt eine Ausstellung des bekannten Hyperrealisten Luciano Ventrone – seine erste in Russland. Wer durch die Säle geht, trifft auf Stilleben in grellen Farben, gemalt auf monochromem Hintergrund in allen Helligkeitsstufen. Auf den ersten Blick scheint es, als wären es Fotos, aber die Beschriftungen sagen das Gegenteil: Luciano Ventrone arbeitet ausschliesslich mit Ölfarben (siehe Fotogalerie unten).

Ventrone ist sehr beliebt in seiner Heimat

Der italienische Maler und Autor von Performances ist sehr populär in seinem Heimatland. Kunsthistoriker erklären die Liebe der Italiener zu seinen Bildern damit, dass seine Technik ihn mit so namhaften Künstlern wie Caravaggio und Garzoni vergleichbar macht, die am Ende XVI  – in der ersten Hälfte der XVII. Jh.arbeiteten..

Heute sehen viele Leute keinen Sinn in der realistischen Malerei -schliesslich kann auch die Fotografie die Realität festlegen, und das viel schneller und besser Auch haben die Fotografen mittlerweile gelernt, diese Realität zu beschönigen. Ventrone kehrt mit dem Zuschauer zur alten Streitfrage zurück, womit die Realität besser nachzeichnet werden kann – mit der Kamera oder mit dem Pinsel.

Die Grenzen zwischen Realität, Fotografie und Malerei

Die Früchte in seinen Stilleben sind mehrmals vergrössert, wenn der Granatapfel oder die Apfelsine zerbrochen sind, sieht man jeden Kern und jedes winzige Detail einer Scheibe sehen. Sie denken unwillkürlich nach, wo die Grenzen zwischen einer wirklichen Mandarine, einem Foto von dieser Mandarine und einer hypperrealistischen Darstellung liegen.

Der Hyperrealismus ist Nachfolger der Pop Art und des Fotorealismus. Ein der Hauptunterschiede zwischen Hyper- und Fotorealismus liegt in der Haltung zur Arbeit. Während die Fotorealisten ihre Arbeiten erschaffen, um die “Wahrheit” nicht der Fotografie zu überlassen, versuchen die Hyperrealisten mit einer gewissen Ironie, die Wirklichkeit wiederherzustellen.

Die Ruhe der Stillleben ist trügerisch

Die Ruhe und die archaische Einfachheit der Stillleben sind trügerisch – Ventrone setzt sein Publikum dem scharfen Kontrast philosophischer Konzeptionen aus. Er stellt dieselben Frage, die bereits die Philosophen der Postmoderne beunruhigten: Existiert eine gegenwärtige Realität oder gibt es nur dutzende von Vorstellungen über sie? Die Wurzeln des Hyperrealismus kann man in der Philosophie von Jean Baudrillard finden: „die Simulation von etwas, das nie wirklich existiert hat“.

“Der Realismus ist zu langweilig als Darstellung des realen Lebens – so wie die Fotografen es tut”, meint die 21-jährige Studentin Kristina Alexandrowa. “Die Werke von Ventrone haben mir aber gezeigt, wie interessant ein Stillleben sein kann, wenn es auch einen ungewöhnlichen Titel hat, der die Menschen  dazu zwingt, in diesen Darstellungen der Kirsche, der Apfelsinen, der Äpfel einen Sinn zu suchen. Ich habe den Realismus nicht liebgewonnen, aber die Ausstellung hat mir wahnsinnig gefallen. Nach dem Besuch hätte ich am liebsten eine ganze Wassermelone gegessen – so lecker  ist alles dargestellt”.

Bis am 16. August, jeweils 10 -18 Uhr, montags 10-17 Uhr, dienstags geschlossen.                      Adresse: Millionanja ul. 5/1, Tel. 312-91-96, www.rusmuseum.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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