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„Leviathan“ – ein Film spaltet die russische Gesellschaft

Von   /  20. Januar 2015  /  Keine Kommentare

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TOPTICKER.- Der Film „Leviathan“ von Andrej Swjaginzew sorgte international für eine Sensation – als erster russischer Film seit 1969 erhielt er den Golden Globe als beste ausländische Produktion. Neben weiteren namhaften Auszeichnungen wurde er nun für den Oscar nomminiert. In der Heimat, von der das Filmdrama ein düsteres Bild zeichnet, sind die Meinungen geteilt – die einen finden den Streifen genial, andere wittern darin gar Landesverrat.


Diejenigen Russen, die hinter dem Regisseur und seinem Werk stehen, sehen darin eine Geschichte erzählt, wie sie russischer nicht sein könnte: Der Automechaniker Nikolai Sergejew, dessen Haus an einer Bucht an der Barentsee steht, wehrt sich vergeblich gegen die Versuche des Bürgermeisters, sein Grundstück zu beschlagnahmen. Er verliert dabei nicht nur seinen Besitz, sondern auch seine Frau, seinen Freund und die Freiheit. Es ist der bittere und ungleiche Kampf des kleinen Mannes gegen Behördenwillkür, Korruption – und die Kirche, die mit den Mächtigen kooperiert.

Die russisch-orthodoxe Kirche und allen voran ihr eifrigster Vorkämpfer, der Petersburger Stadtabgeordnete Vitali Milonow, tritt denn auch gegen den Film an. Milonow bezeichnet „Leviathan“ als russophoben Akt und Landesverrat und verlangt vom Regisseur, er müsse die staatlichen Fördergelder zurückzahlen. In seiner Eingabe an Ministerpräsident Dmitri Medwedew schreibt Milonow, dass staatlich geförderte Filme nur die besten Seiten Russlands zeigen sollten. Darüber hinaus forderte er die erneute Einführung einer staatlichen Zensur im russischen Filmwesen wie zu Zeiten der Sowjetunion.

Zunehmender Touristenstrom an den Ort des Geschehens

In seiner Meinung wird er von Kommunistenführer Genadi Sjuganow unterstützt, der behauptete, der Streifen habe „antinationalen Charakter“. Auch andernorts werden der Regisseur und seine Schauspieler als Nestbeschmutzer behandelt. So erklärte die sibirische Stadt Omsk Andrej Swjaginzew kürzlich zur unerwünschten Person, und in Samara forderte eine Gruppe von Künstlern und Politikern,  den Schauspieler Valeri Grischko, der im Film einen Priester spielt, von seiner Stelle am staatlichen Theater Samara zu suspendieren.

Gerüchte um ein mögliches Verbot des Films sorgen mittlerweile für einen zunehmenden Touristenstrom an den Ort des Geschehens im Murmansker Gebiet. Wie die Internetseite Gazeta mit einer Fotoreportage des Drehorts Teriberka auf der Kola-Halbinsel dokumentierte, handelt es sich tatsächlich um ein völlig heruntergekommenes Dorf, wo Perspektivlosigkeit und Alkoholismus herrschen.

Bild: Presse/ Leviathan Film 2014

www.fontanka.ru

www.newsru.com

www.gazeta.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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