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Lettland veröffentlicht KGB-Archiv im Internet

Von   /  21. Dezember 2018  /  Keine Kommentare

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eva.- Am „Tag der Tschekisten“ gab das lettische Nationalarchiv eine Liste mit tausenden von MitarbeiterInnen des sowjetischen Geheimdienstes frei. Die Gleich nach der Veröffentlichung wurde die Webseite von Neugierigen bestürmt – sie enthält überraschende Daten über prominente Persönlichkeiten.

Nach rund einem Jahrzehnt des politischen Disputs entschloss sich die lettische Regierung zu diesem gewagten, aber zweifellos wichtigen Schritt. Eine Kartothek mit 10.612 Dossiers über feste und freie KGB-MitarbeiterInnen kann seit dem 20. Dezember als PDF-File heruntergeladen werden. Innerhalb der ersten Stunde nach der Freischaltung wurde die Website rund 3000 Mal abgerufen und war zeitweise überlastet.

Überraschungen trotz Deklarationspflicht für Politiker

Wie die Nachrichtenseite Delfi.lv schreibt, besteht in Lettland schon lange eine Deklarationspflicht für alle Parlaments- und Regierungsmitglieder über eine frühere Tätigkeit beim KGB oder einem anderen ausländischen Nachrichtendienst. Aber trotz allem befinden sich in dem alphabetisch geordneten Liste Namen von Politikern, die bisher nicht als KGB-Agenten bekannt waren.

Einige von ihnen streiten ihre angebliche Agententätigkeit ab und geben an, „unbewusst“ als Informatoren benutzt worden zu sein. Andere sind „Anwerbungs-Kandidaten“ verzeichnet, ohne dass klar wird, ob sie jemals für den KGB tätig wurden. Wieder andere haben bereits Gerichtsverfahren hinter sich, in denen sie ihre saubere Weste juristisch bewiesen – wobei in einigen Fällen die Akten dieser Prozesse auf mysteriöse Weise verschwanden.

Mitropolit von Riga als Informant „enttarnt“

Unter anderen wurde auch der gegenwärtige Mitropolit der russisch-orthodoxen Kirche in Riga Alexander Kudrjaschow in der Kartei entdeckt. 1982 arbeitete er als Barkeeper im Restaurant „Tallinn“ und wurde als Informant angeworben. Die guten Beziehungen überlebten den Zusammenbruch der Sowjetunion, und nachdem Kudrjaschow als Mitropolit eingesetzt worden war, machte er seinen früheren KGB-Kontaktmann zum Verantwortlichen für die Restitution von Eigentum der russisch-orthodoxen Kirche.

Der brisanteste Teil des lettischen KGB-Archivs soll schon in den Neunzigerjahren nach Moskau in Sicherheit gebracht worden sein, so dass die Liste nur die Spitze des Eisberges zeigt. Dennoch wird die Freigabe von Historikern und der Öffentlichkeit als wichtiger Schritt zur Vergangenheitsbewältigung gewertet. Im kommenden Mai sollen weitere Informationen über die Tätigkeit des KGB veröffentlicht werden. Obschon dies von vielen PolitikerInnen gefordert wurde, kam es in Russland nie zu einer Offenlegung der sowjetischen Geheimdiensttätigkeit.

Infos: Das KGB (Комитет государственной безопасности?/i, dt. Komitee für Staatssicherheit) war der sowjetische In- und Auslandsgeheimdienst, der von 1954 bis 1991 bestand und aus dem NKWD hervorging. Die Hauptaufgaben des KGB waren die Auslandsspionage, Gegenspionage, Kontrolle von Regimegegnern innerhalb der Sowjetunion sowie die Sicherung und Bewachung von Mitgliedern der Partei- und Staatsführung. Nach der Auflösung der Sowjetunion 1991 wurde der russische Geheimdienst in FSB umbenannt, in Weissrussland behielt der Nachrichtendienst hingegen seinen alten Namen. (Wikipedia/eva.)

Hier kann die Liste heruntergeladen werden >>>

Bild: Wikimedia Commons

www.delfi.lv

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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