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Leichter Engel auf tonnenschwerem Bein – die Alexandersäule wird 175 Jahre alt

Von   /  21. August 2009  /  Keine Kommentare

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So leicht und elegant sie auch aussieht, so aufwändig sind Bau und Unterhalt – die Alexandersäule auf dem Schlossplatz ist Peterburgs höchste Skulptur. Ein ganzes Heer war nötig, um die Säule aufzurichten. „Das 8. Weltwunder“ wird 175 Jahre alt, und das städtische Skulpturenmuseum hat ihr eine ganze Ausstellung gewidmet.


Eugen von Arb

Wem es an einem windigen Tag schon vorkam, als schwanke die Alexandersäule auf dem Schlossplatz leicht in den Böen, dem erging es nicht anders als vielen anderen Petersburgern zur Zeit ihres Baus. Zwar ruht der Sockel auf 1250 Pfählen von sechs Metern Länge, aber die Säule selbst steht ohne jegliche zusätzliche Befestigung allein dank ihres Gewichts und ihrer genauen Ausbalancierung. Deshalb machten nach der Eröffnung des Denkmals am 30. August 1834 viele Stadtbewohner erst einmal einen großen Bogen um die Säule – darunter auch die Gräfin Tolstoi, von der man sagt, dass sie aus Angst ihrem Kutscher verbot, zu nahe an dem unheimlichen Stein vorbei zu fahren.

Denkwürdiger Bau

AlexandersaeuleObschon Zar Nikolaus I. das Denkmal zu Ehren seines Vaters Alexander I. errichten ließ, der Napoleon im Krieg von 1812 bis 1814 besiegt hatte, hätten der Bau des Monuments und die Mitwirkenden allein ein Denkmal verdient. Der über 600 Tonnen schwere Granitmonolith war per Spezialtransport über das Meer aus einem Steinbruch bei Wyborg herangeführt worden. Nach seiner Bearbeitung musste auf dem Schlossplatz ein riesiges Holzgerüst gebaut werden, um die knapp 26 Meter hohe und über drei Meter dicke Säule an ihren Platz zu hieven. Hatten die aufwändigen Vorbereitungsarbeiten Monate gedauert, so ging das Aufrichten der Säule in der Rekordzeit von nur einer Stunde und 45 Minuten vonstatten. Allerdings war dazu die Kraft von 2000 Soldaten und 400 Arbeitern nötig, die mit Hilfe von insgesamt 60 Seilwinden das Tonnengewicht in die Vertikale brachten.

Das Gute zermalmt das Böse

Das Monumentalkunstwerk von Auguste Montferrand, dem Erbauer der Isaaks-Kathedrale, ist insgesamt fast 48 Meter hoch. Laut dem Petersburger Stadthistoriker Naum Sindalowski behaupteten damals Montferrands Neider, man habe die Säule allein deshalb aus Granit bauen müssen, weil er an seinem eigenen Haus am Moikakanal sämtlichen verfügbaren Marmor verbaut habe. Neben der mächtigen, freistehenden Säule, war auch die Bronzeskulptur auf deren Spitze gewöhnungsbedürftig. Sie stellt einen Engel dar, der die Gesichtszüge von Zar Alexander tragen soll, und der mit Hilfe eines Kreuzes eine Schlange tötet. Güte und Edelmut besiegen Boshaftigkeit und Hinterhältigkeit, die Rollen sind klar verteilt. Doch die allegorische Darstellungsweise des Bildhauers Boris Orlowski behagte nicht allen. So soll der stadtbekannte Aristokrat Zizianow einmal geäußert haben, man hätte anstelle des Engels besser Zar Alexander selbst dargestellt, der Napoleon am Schopf gepackt hat.

Die Braut wird um die Säule getragen

AlexandersaeuleHeute ist die Säule bei der Bevölkerung und Touristen eines der bekanntesten und beliebtesten Wahrzeichen Peterburgs und steht so fest verwurzelt an ihrer Stelle, als wäre sie mit der Erdachse verbunden. Wie die ewige Flamme gehört sie zu den beliebten Foto-Kulissen für frisch vermählte Hochzeitspaare. Man sagt, so oft der Bräutigam die Braut um die Säule tragen könne, so viele Kinder würden sie einmal haben.

Wie jede Skulptur, die der frischen und nicht immer milden Petersburger Witterung ausgesetzt ist, muss auch die Alexandersäule unterhalten werden. Das gehört zu den ebenso vielseitigen wie schwierigen Aufgaben des städtischen Skulpturenmuseums. Müssen für die Restaurierung von manch anderem Kunstwerk allenfalls Pneukran und Sattelschlepper aufgeboten werden, so braucht es für den Engel über dem Schlossplatz gleich den Hubschrauber.

Obschon Hege und Pflege der Säule bald zu den Aufgaben der Eremitage gehören sollen, hat das Skulpturenmuseum der Säule eine Jubiläumsausstellung gewidmet, in der 35 Litographien aus dem 19. Jahrhundert zu sehen sind – am 25. August um 16.00 Uhr ist die Eröffung.

Die Ausstellung ist bis am 23. September geöffnet. Städtisches Skulpturenmuseum, Newski-Prospekt 179 (siehe Karte unten), Eintritt: 50 Rubel.

Bilder: Städtisches Skulpturenmuseum St. Petersburg

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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