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Krise: Es ächzt im Gebälk der russischen Wirtschaft – auch in Petersburg

Von   /  19. November 2008  /  Keine Kommentare

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eva.- Das erste deutliche Anzeichen der Wirtschaftskrise in Russland war der Baustopp auf vielen Grossbaustellen, auf denen zuvor fieberhaft gearbeitet worden war. Als logische Folge davon kriegen nun auch die Zulieferer die Krise zu spüren – der Verbrauch an Baumaterialien ist deutlich gesunken, die Produktion muss gedrosselt werden. Auch andere Wirtschaftsbereiche kränkeln.

Knauf-Gipswerk in Kolpino steht vorläufig still

Unter den Opfern dieser Kette befindet sich auch die deutsche Firma Knauf, Herstellerin von Gips und Gipsplatten, schreibt Fontanka.ru. Laut der Internetzeitung, die sich auf Aussagen eines Knauf-Angestellten beruft, wurde das Knauf-Werk in Kolpino für zwei Monate stillgelegt, womit rund 300 Mitarbeiter faktisch arbeitslos sind. Die Betriebsleitung bestreitet jegliche Entlassungspläne, gibt die Dauer der Stilllegung mit nur zwei Wochen an und begründet den Schritt mit notwendigen Reperaturarbeiten. Die Belegschaft sei für diese Zeit in den Urlaub geschickt, aber niemand entlassen worden.

Entlassungen und Preissenkungen

Auch andere Betriebe im Baumaterial-Bereich bekunden Absatzprobleme, darunter drei Betriebe in Pikalewo im Leningrader Gebiet. Bei „Pikalewski-Zement“, „SAO Metachim“ und der „Pikalewski Glinosiomni Savod“ stehen zwei Drittel der Produktion still, rund tausend Arbeitsplätze sind gefährdet.

Beim grossen Holzverarbeiter „Ilim Timber Industry“ kommt es ebenso zu Entlassung. Man habe zwar die Produktion nicht gesenkt, sei durch die Krise aber gezwungen worden, die Preise zu senken und sehe sich gezwungen Leute zu entlassen. Bisher erhielten rund fünf Prozent der Belegschaft die Kündigung.

Kurzarbeit und schlechteres Rating

Deutlich zu spüren kriegen die Krise auch andere Industriezweige, zum Beispiel die Maschinenbaufabrik „Ischorski Savod“ – hier wurde bisher niemand entlassen, dafür wurde die Dreitagewoche eingeführt. Bei „Spezstal“ und „Severstal“ hingegen ist schon von Entlassungen bis zu 30 Prozent die Rede – die Arbeitsplätze sollen jedoch nur im Verwaltungsbereich abgebaut werden, während in der Produktion Neueinstellungen geplant sind. Für den Schiffhersteller „Severnaja Werf“ zeigt sich die Krise bislang nur in einem deutlich schlechteren Rating durch die Auditfirmen.

Petersburger Autofabriken produzieren, als wäre nichts geschehen

Wie wenn nichts passiert wäre, produzieren die Autohersteller um Petersburg bisher im gewohnten Tempo weiter – weder Toyota und GM in Schuschari, noch Ford in Vsevoloschsk denken bisher an Einschränkungen bei der Produktion. Das erstaunt angesichts der geplanten massiven Entlassungen weltweit der Firmen GM und Ford.

Dämpfer auch fürs Hotelgewerbe

Obschon die Wintermonate aus klimatischen Gründen für die Petersburger Hoteliers wenig Bedeutung haben, ist auch hier die Krise spürbar. Gäste, die Petersburg in diesen Monaten als Teilnehmer an Kongressen oder Messen besuchen, bleiben aus. Betroffen sind insbesondere die Nobelherbergen, allen voran das Grandhotel „Europa“, wo laut Fontanka.ru den Mitarbeitern das Gehalt gekürzt wird. Immerhin werden auch deutliche Preissenkungen erwartetet, was die Attraktivität der Stadt für Tourismus steigern kann.

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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