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Konsumentenschutz auf Russisch: „Schweinchen-Attacke“ auf das „Volks-Kaufhaus“

Von   /  11. Juli 2012  /  Keine Kommentare

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TOPTICKER.- Eine Gruppe von jungen Konsumentenschützern in Schweinkostümen haben in den letzten Tagen eine Reihe von Supermärkten heimgesucht und gegen schlechte und abgelaufene Waren protestiert. Unter dem Motto „Die Schweinchen sind dagegen“ prangerten sie die Geschäfte an.


Die spektakulärste Aktion lief vergangene Woche beim so genannten „Volks-Kaufhaus“ („Narodni“) am Kosygin-Prospekt ab, wo die Schweinchen mehrmals versuchten, einzudringen. Sie wurden jedoch von den Wachmännern daran gehindert und sogar geschlagen, schreibt Fontanka.ru. Der Aufruhr rief bald Polizei und Staatsanwaltschaft auf den Plan, die den Supermarkt mit seinen einzigartig tiefen Preisen unter die Lupe nahmen.

In erster Linie untersuchte die Behörde „Rospotrebnadsor“ die hygienischen Bedingungen und nahm Lebensmittelproben. Ausserdem wurde das Geschäft einer buchalterischen Kontrolle unterzogen. Dabei wurden nicht nur haufenweise verdorbene Waren und Lebensmittel mit abgelaufenem Datum sichergestellt. Auch die Lagerräume sind alles andere als sauber, neben Fäulnis wurden Nagetiere gefunden, ausserdem wurden frische und verdorbene Waren zusammen gelagert.

Schon lange wurde gemunkelt: Im „Narodni“ stinkts!

Damit wurde nur bestätigt, was schon lange gemunkelt wird – im „Narodni“ stinkts. Immer wieder hörte man von schockierten Konsumenten, die wegen des Gestanks das Geschäft schon nach ein paar Minuten wieder verliessen. Die tiefen Preise haben ihren Preis, die meisten Produkte wurden an der Grenze der Geniesbarkeit verkauft.

Käuferinnen und Käufer sind deshalb vor allem Rentnerinnen und Rentner, die sich mit ihren mickrigen Pensionen die normalen Lebensmittelpreise nicht mehr leisten können. Tatsächlich steigen die Preise für Grundnahrungsmittel jährlich happig an, und nur ein sehr kleines Sortiment wird zu staatlich sanktionierten Preisen in normalen Supermärkten verkauft. Vor zwei Jahren sorgte eine mehr als hundertprozentige Verteuerung der Hirse, aus dem das russische Leibgericht „Kascha“ zubereitet wird, für einen landesweiten Skandal.

Bei Schliessung droht ein Rentner-Aufstand

Mittlerweile wurde bekannt, dass die Verstösse genügen könnten, um den Laden zu schliessen. Der Zeitung „Kommersant“ zufolge könnte dies allerdings zu einer „Rentner-Revolution“ führen. Obschon das Geschäft nicht sehr gross und das einzige seiner Art in St. Petersburg ist, pilgern aus der ganzen Stadt ältere Leute zum „Narodni“, um sich mit einem Vorrat einzudecken.

Sie ertragen nicht nur den Gestank, sondern auch die Warteschlangen, die sich bisweilen vor den Kassen bilden – täglich besuchen rund 25.000 Personen den Laden. Die Behörden und der Gouverneur werden sich also gut überlegen, ob sie mit einer Schliessung einen  Massenaufstand der Rentner mit unabsehbaren Folgen riskieren wollen. (eva)

Bild: Ausschnitt aus dem Video über den Zwischenfall beim Kaufhaus „Narodni“ auf Youtube.

Video ansehen >>>

www.fontanka.ru

www.kommersant.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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