Laden...
Sie sind hier:  Home  >  Aktuell  >  Aktuelle Artikel

Kommentar: Visafreiheit für Russland, Schritt für Schritt?

Von   /  21. Dezember 2009  /  1 Kommentar

    Drucken       Email

Von Eugen von Arb

Der Fall der Mauer, dessen Zwanzigjahre-Jubiläum dieses Jahr gefeiert wurde, müsste eigentlich „Fall der Mauern“ heissen. Schliesslich mussten in den zwei Jahrzehnten alle möglichen politische, wirtschaftliche, kulturelle und psychologische „Barrikaden“ beseitigt werden. Noch sind einige von ihnen übrig geblieben – darunter die Visumspflicht für Russland.


Zwar äussert man sich sowohl auf westeuropäischer wie auf russischer Seite sehr zuversichtlich, dass diese Einschränkung bald beseitigt werde, aber sobald es um konkrete Voraussagen geht, wird man sehr, sehr vorsichtig.

Natürlich können Russinnen und Russen auch so reisen, aber die Beschaffung des Visums bleibt eine Schikane und für viele ist sie ein Zeichen dafür, Weltbürger zweiter Klasse zu sein. Der Gang aufs Konsulat des Ziellandes bedeutet eine aufwändige und bisweilen demütigende Prozedur.

Neben Identität, Reiseziel und -Zweck müssen sie in ausführlichen Fragebögen ihre Verwandtschafts- und Arbeitsverhältnisse, ihre Zahlungskraft und Versicherungsschutz erklären und belegen. Zwar müssen auch Russlandreisende aus westlichen Ländern ein Visum beantragen und berappen, doch ist für sie der Aufwand wesentlich kleiner.

Immerhin zeigen sich Risse in dieser „Mauer“, so wurde dieses Jahr Fährtouristen in St. Petersburg ein dreitägiger Aufenthalt ohne Visum bewilligt. Forderungen, diese Regelung auch auf die übrigen Touristen in der Stadt auszuweiten, wurden bereits gestellt.

Für eine Überraschung sorgten in den vergangenen Tagen die Aussenminister Italiens und Finnlands, die für eine baldige Visa-Abschaffung eintraten. Am konkretesten wurde dabei die finnische Regierung, die vorschlug, die Dreitageregelung auf russischer und finnischer Seite einzuführen und möglicherweise auf weitere Nachbarstaaten Russland auszuweiten.

Der Vorschlag ist nicht nur realistisch, sondern könnte für einen kleinen touristisch-wirtschaftlichen Boom in der gesamten nordwestlichen Region sorgen. Obschon sich in diesen Tagen auch der russisch-finnische Winterkrieg zum 70. Mal jährt, pflegt Finnland als einziges ehemaliges „Kronland“ des russischen Imperiums seit Jahrzehnten eine beispielhafte Nachbarschaft ohne Ressentiments. In Helsinki ist man sich bewusst, dass bei einer weiteren Öffnung der Grenzen beide Länder enorm profitieren würden.

Zwar ist das Verhältnis der baltischen Staaten und Polens zu Russlands noch lange nicht so reif und von einem stark nationalistischen Ton geprägt. Doch auch hier könnte der „Dreitage-Tourismus“ für Entspannung sorgen – insbesondere in jenen Kreisen, die wie zu Sowjetzeiten übers Wochenende zu ihren Verwandten in Piter, Talinn oder Riga fahren würden. Für das übrige Europa könnte der kleine Grenzverkehr eine Testphase sein, in der wichtige Erfahrungen und vor allem Vertrauen für die kommende Öffnung der Grenzen gewonnen würden.

Bild: Symbolfigur für eine freundschaftliche Nachbarschaft: das Denkmal des russischen Zaren Alexanders II. , der den Finnen grosszügige Autonomie gewährte. (Bild: Eugen von Arb/SPB-Herold)

Weitere Artikel zu diesem Thema:

Dank Visafreiheit dreimal mehr Fährtouristen erwartet

Petersburg wieder ohne Fährverbindung nach Helsinki

    Drucken       Email
  • Veröffentlicht: 8 Jahren vor auf 21. Dezember 2009
  • Von:
  • Zuletzt geändert: Dezember 21, 2009 @ 11:37 am
  • Rubrik: Aktuell

Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

1 Kommentar

  1. realsatire sagt:

    Ah das wäre ein wirkliches Weihnachtsgeschenk.

    Waren früher die „Sowjetischen“ Konsulate daran interessiert Ihre Haushaltsbudget mit dem Verkauf von Visas zu finanzieren, die Heimat vor Klassenfeinden und Terroristen zu schützen, scheint mir Heute eher die EU auf der Bremse zu stehen.

    Die 40-50.000 Visas die vom Deutschen Konsulat in St. Petersburg ausgegeben werden machen nicht nur den Mitarbeitern viel Arbeit. Wir fördern damit ja auch Arbeitsplätze in der Türkei den pro Visa zahlt man einmal manchmal auch mehrmals 10€ an das Zwangs-Termin Call Center in die Türkei.

    Dabei ist allerorten klar, das die turistischen und arbeitenden Russen hochwillkommen sind, egal ob in der inzwischen ge-Schengenten Schweiz oder der Kern EU.

    Man denkt die grössten Bremser in der EU dürften die Baltischen Staaten und Polen sein ? Aber auch diese Länder profitieren am Ende als Erste vom kleinen Grenzverkehr. Auch den Kaliningradern / Königsbergern würde das die Insellage erleichtern. Warum nicht mit dieser Insel das Experiment beginnen ?

    Last not Least die EU Ausländer … 3 Tage hilft uns nicht weiter aber ermöglicht den schnellen Besuch der Verwandtschaft und von Freunden und das würde sicher auch den einen oder anderen Billigflieger auch nach Pulkovo locken.

    So gerne ich daran glauben möchte – egal wie wünschenswert das wäre – die Politik auf beiden Seiten macht wie immer ein Schritt vorwärts und dann 2 zurück zu.

    So werden uns ja seit Jahren alle Änderungen in den Verfahren als „Fortschritt“ angepriesen und am Ende wirds immer komplizierter,demütigender oder beides.

    Egal ob das die EU Visas für die Russen oder die Aufenthaltsbestimmungen für die Ausländer in Russland sind.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren...

Deutsch-Russischer Salon: Deutschland und Russland: Zwischen Realität und Mythos

mehr…