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Kommentar: Trump – einer von uns!

Von   /  25. Januar 2017  /  Keine Kommentare

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Von Eugen von Arb

Die bizarre amerikanische Präsidentenwahl wurde natürlich auch in Russland mitverfolgt. Wie die übrige Welt beschäftigte die Russen Welt das unerwartete Wahlergebnis. Mit Erstaunen und einer gewissen Genugtuung wurde auch zur Kenntnis genommen, dass ein Land, das sich gerade gegenüber Russland immer als Superdemokratie aufgespielt hat, plötzlich einen angeblichen Tyrannen zu seinem Anführer macht. Die Supermacht und Siegerin des Kalten Kriegs zeigte sich plötzlich verunsichert und von inneren Konflikten und Widersprüchen zerrissen.

Diese Schadenfreude kann man den Russen, die noch heute bei jeder Gelegenheit von der westlichen Welt als „Hort des Bösen“ in die „Schäm-Dich-Ecke“ gestellt werden, nicht übel nehmen. Für mindestens ebenso viel Schmunzeln und Staunen haben aber auch die reichlich ominösen Beschuldigungen amerikanischer Geheimdienste gesorgt, nach denen russische Hacker die US-Wahlen beeinflusst haben sollen. Übersetzt heisst das: Russland hat Trump gewählt!

Verstärkt wurde dieser Effekt durch die ständigen Anfeindungen von Seiten Clintons. Und natürlich wurde das positive Image Trumps auch durch die Kremlführung gefördert, der die Andeutungen Trumps, man werde bald die russische Krim anerkennen und die Nato abbauen bestens ins Programm passten.

Egal, wer Trump in Wirklichkeit ist – für die Russen wurde er automatisch einer der Ihrigen, was zu teilweise skurrilen Reaktionen führte. Zum Beispiel traf ich kürzlich auf dem Weg zur Metro ein Werbeplakat in einer Gaststätte mit einem übergrossen Trump-Porträt, der Überschrift „Hello America!“ und dem Slogan „Trampnasch“ („Trump gehört (zu) uns!). Darauf wurde für eine Art Trump-Imbiss für 249 Rubel (ca.4 Euro) geworben, der einen Cheesecake „New York“, einen Kaffee Americano sowie einen Whiskey umfasst.

Diese Art von Humor ist wohl die beste Art, um mit der gegenwärtigen Situation umzugehen. Wie lange die Freundschaft der Russen mit Trumps Amerika andauern wird, ist allerdings fraglich. Zwar wird auf beiden Seiten innig beteuert, wie sehr man an einer Erneuerung und Verbesserung der Beziehungen interessiert ist. Aber die geopolitische Lage ist moment extrem verfahren. Und bei aller Extravaganz wird sich Trump wird als republikanischer Präsident nicht allzu weit von den Traditionen seiner Vorgänger entfernen, bei denen Russland als Feindbild Nummer eins immer zu den wichtigsten Programmpunkten gehörte.

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold

 

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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