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Kommentar: „Tag des Vaterlandsverteidigers“ mit bitterem Nebengeschmack

Von   /  23. Februar 2015  /  Keine Kommentare

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Von Eugen von Arb

Der „Tag des Vaterlandsverteidigers“ war früher ein sorgenfreies und lustiges Fest, an dem ehemalige Soldaten Andekdoten aus ihrer Dienstzeit erzählten und die Frauen auf die „Verteidiger der Familie“ tranken. Dieses Jahr ist alles anders, denn alle – auch jene, die den offiziellen Nachrichten glauben – wissen von den Meldungen über russische „Vaterlandsverteidiger“, die freiwillig oder eben unfreiwillig in der Ostukraine kämpfen.

Die Nachrichten von Soldaten, die in ihren Kasernen per Unterschrift gezwungen werden, sich für einen Dienst im Kriegsgebiet zu verpflichten, reissen nicht ab. Bereits im vergangenen Jahr hatte es diverse Zwischenfälle gegeben, die von der Anwesenheit regulärer russischer Truppen zeugten. So hatten sich einerseits Soldaten „verirrt“ und waren in die Hände ukrainischer Truppen gefallen. Andererseits finden seit dem Beginn des Kriegs in der Ostukraine immer wieder heimliche Begräbnisse in verschiedenen Regionen Russland statt.

Moskau hat seither kurzerhand alle russischen Soldaten an der ukrainischen Front zu „Freiwilligen“ erklärt. Vor kurzem enthüllte der „Kommersant“, dass man dazu übergegangen ist, russische Wehrpflichtige „offiziell“ aus dem Wehrdienst zu entlassen, um sie danach als „Freiwillige“ in die Ostukraine zu schicken. Auch dort wird ihre Anwesenheit vor den Medien verheimlicht, und vor den Kameras treten nur „Aufständische“ aus der Region auf.

Ansonsten hüllt sich das Verteidigungsministerium in Schweigen – eine offizielle Anfrage der Petersburger Soldatenmütter über die Fälle von möglichem Zwang zum Kriegsdienst wurde bisher weder bestätigt noch zurückgewiesen. So bleibt weiterhin im Dunkeln, ob und wer wen gegen wen in der Ostukraine verteidigt. „Tag des Vaterlandsverteidigers“ mit bitterem Nebengeschmack.

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold

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Petersburger “Soldatenmütter” vermuten erzwungenen Kriegsdienst russischer Soldaten

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

Keine Kommentare

  1. eva sagt:

    Vermutlich ist man vorsichtiger geworden.

  2. Iwan Petrowitsch sagt:

    Merkwurdig nur, dass die „Unfreiwilligen“ gerade offensichtlich nicht in Gefangenschaftgeraten, so dass noch keiner in Kiew Öffentlichkeit vorgeführt werden konnte.

  3. Scholze sagt:

    @eva
    denken sie der Vasallenstaat Deutschland ist demokratischer das mag nach außen den Anschein
    haben so ist es aber nicht.Viele haben das auch langsam hier begriffen und es beginnt schon in der
    Mittelschicht zu rumoren. Sie haben hier die Wahl zwischen Pepsi und Coca-Cola im Endeffekt bleibt
    es Cola. Verstehen sie es gibt hier keine Alternativen nur einen Einheitsbrei. Was denken sie warum Deutschland soviel Nichtwähler hat. Aber die transatlantische Presse hier würde noch Jubeln wenn
    nur noch zehn Mann zur Wahl gehen würden und es als Sieg mit achtzig Prozent der Stimmen feiern.
    Und was Chodorkowski betrifft der war ein Verbrecher und wäre hier auch nicht unter 10 Jahren weggekommen. Die demokratische Gesellschaft mit Meinungsvielfalt gibt es nicht schon gar nicht im
    Westen. Da sind sie einer Lüge aufgesessen. Das einzige für was Politiker hier gut sind ist Amerika in den
    Arsch zu kriechen und sich um die Fleischtöpfe zu kloppen. Man kann von Putin halten was man will er regiert aber im Interesse von Russland bei uns regiert man im Intresse Amerikas und scheißt auf die Bürger sie brauchen sich nur die Schweinerei mit den Freihandelsabkommen anzuschauen. Deshalb ziehe ich mir den russischen Stiefel vor.

  4. eva sagt:

    Jede Regierung, die politische Morde nicht aufklären kann, wirkt verdächtig – das war beim Kennedy-Mord nicht anders. Noch heute ist er legendenumwoben, und das ist im Prinzip eine Schweinerei. Während der Regierungszeit des jetzigen russischen Regimes haben sich bereits zwei solcher Morde ereignet – Nemzow und Politikowskaja, zudem läuft oder liefen unter dieser Regierung eine ganze Reihe ganz offensichtlich „schiefer“ und politisch motivierter Verfahren – Magnitzky, Chodorkowski, Sawtschenko u.a. Sich der Kritik daran anzuschliessen, heisst noch lange nicht, dass man etwa die Politik Amerikas oder Deutschlands besonders gut findet. Aber ich lebe eben hier, und es ist unfair zu sagen „Wenn es Ihnen hier nicht passt, dann hauen sie doch ab!“. So wird nur in totalitär regierten Ländern argumentiert. Russland bekennt sich offiziell immer noch zu einer demokratischen Gesellschaft mit Meinungsvielfalt und -Freiheit. Einer, der sich dafür eingesetzt hat war Boris Nemzow, und darum sind heute Zehntausende auf die Strasse gegangen. Nicht weil Nemzow „der Bringer“ war oder eben nicht, sondern weil sie betroffen sind über die abscheuliche Ermordung einer echten politischen Persönlichkeit.

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