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Kommentar: Schnelle Trends und schnelles Geld

Von   /  7. März 2019  /  Keine Kommentare

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Gastronomie mit System und Geschwindigkeit: Die aktuelle Kaffemanie – oder wenns gut ist wirds schnell kopiert!

In der russischen Wirtschaft gibt es im Falle einer neuen Idee augenblicklich einen Tsunami an Geschäften dieses jeweils neuen Typs.

Erfolg zeigt sich auch daran wie viele Nachahmer es für eine neues Geschäftsmodell gibt. In Russland fällt auf, daß  wenn sich ein neuer Trend abzeichnet, dieser dann sehr schnell und mit sehr viel Geld am Markt umgesetzt wird.

Da ich bei der „Explosion“ der amerikanischen Francise-Restaurantketten in den frühen 90ern noch nicht hier war, ist mir diese Eigenart erstmals aufgefallen als die Welle der Sushi-Restaurants Anfang des Jahrtausends über St. Petersburg und das ganze Land schwappte, und an jeder Ecke plötzlich kleine und grössere Restaurants diesen Typs samt der dazugehörigen Franchise Organisation aufpoppten.

Da ich als Hobby  in den späten 80er das erstemal Niri Sushi für meine Freunde „gebastelt“ hatte und alle Spass an dem neuen exotischen Essen fanden, sind mir schon die allerersten seltenen Japaner aufgefallen. In Russland war dann auch lange Zeit, das einzige Restaurant mit den spezifisch japanischen Speisen, eines welches in der alten Tinkoff-Brauerei (noch so ein Trend Craft Brauereien) in der Kazanskaja Uliza eingebettet lag. Dabei hätte ich nie daran gedacht, dass sich mit Sushi so viele Geld und mehrere Landesweite Restaurantketten betreiben ließen.

Doch schon in den frühen 2000ern war Sushi überall verfügbar. Ab 2005 gab es dann die Microbrauereien, ab 2010 gingen die Pizzabäcker vom Restaurant zunehmend in den Auslieferdienst über, und sehr schnell gab es auch hier neue Ketten, welche gar keine Restaurants mehr betrieben.

Mit dem Erfolg der Zustelldienste ist schon fast jedes Restaurant automatisch auch zum Internetrestaurant mutiert. Seitdem sind Grüne und Gelbe Kuriere in Metro und Stadtbild unübersehbar. Auch stehen sie  jetzt vor den Eingängen der hippen Fresstempel und warten in der Schlange auf deren Spezialitäten, um sie dann – zu wem auch immer, nach Hause zu liefern.

In den letzten Jahren hatte dann der Kaffee in allen seinen Darreichungsformen seine große Stunde. Ob als Minibude, Klein Kiosk, Kaffeautomat eingebettet im Mobilfunk Laden, Als Büdchen auf dem riesigen Parkplatz vor dem Einkaufszentrum. als Kopie der grossen US Kette, oder als klassisches „Kaffeehaus“ im festen Bau. Die Kaffemanie hatte 2017 und bis Heute Ihren großen Durchbruch. Bestehende Ketten wuchsen drastisch und tausende der neuen Ausschankstellen eröffneten überall. Der Moderne Mensch läuft jetzt mit gedeckeltem Pappecher durch Sommer und Winter, die Cup-Holder im Auto bekommen richtig Arbeit.

Als stark vom Kaffee abhängiger Computerarbeiter, hatte ich schon immer einen Kaffeevollautomat im Haus. Kaffee auf der Strasse zu kaufen endete in meiner Welt mit irgendeiner Plörre die mir nicht schmeckte. Inzwischen ist die Bandbreite an Kaffee, Latte, Flat-Whites, Rafs, Buntes gekröse und klebrig süsse Sirups oder Zimmt auf den Schaum,  und dazu die vielen anderen Kaffesorten und Zubereitungsarten. Alles  ist unendlich vielfältig. Nicht alle Varianten schmecken mir,  aber die Qualität ist insgesamt weit besser als zuvor. Der Mittlere Abstand zwischen zwei Kaffeebezugspunkten (MAZKAP*) hat ein historisches Minimum erreicht.

So wird munter weiter „getrended“ und zum leicht verkaufbare Kaffee gesellen sich andere Trends, die preisgünstigen Stalovayas (Kantinen), Edel – Burger Restaurants, Food Trucks wurden auch schon gesichtet aber noch nicht in Massen, oder als Trend außerhalb der Gastronomie (aber auch mit Kaffee) die Barber Shops für den „modernen“  Mann“ werden langsam schon wieder weniger.

Trends werden vielleicht in anderen globalen Dörfern gemacht, aber so schnell wie in Russland verbreiten sie sich selten.

 

Text und Fotografien: Markus Müller

* nicht jede ausgedachte Einheit ist wirklich ernst gemeint :)

 

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