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Kommentar: Putins Show am Polarkreis

Von   /  7. April 2017  /  Keine Kommentare

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Von Eugen von Arb

Während der Kreml die Opposition beschuldigt, die Antikorruptions-Demos als Anti-Putin-Propaganda für den bevorstehenden Präsidentschaftswahlen von 2018 zu benutzen, rührt Putin selber kräftig die Werbetrommel für sich. So zum Beispiel kürzlich am internationalen Arktis-Forum in Archangelsk.

Dabei spielte er eine reichlich veralte Karte aus – eine von 2007 als Russland angesichts des hohen Ölpreises mit viel Pomp und Säbelrasseln begann, die Arktis zu erschliessen. Publikumswirksam setzte damals das Forschungsuboot „Mir-1“ in über 4000 Metern Tiefe eine russische Flagge auf den Grund des Arktisschelfs, um die Herrschaftsansprüche Russlands auf dieses Territorium zu betonen.

Die russische „Arktis-Invasion“, die seither im Gang ist, gleicht jener unter Stalins Herrschaft in den Dreissigerjahren. Wie damals wurden Forschungsstationen errichtet oder erneuert. Die russischen Werften wurden mit Grossaufträgen für Atom-Eisbrecher, U-Boote und Forschungsschiffe beglückt. Eine eigene Arktis-Spezialtruppe der Armee wurde gegründet, und rethorisch erklärte man allen angrenzenden Staaten den Krieg, falls sie Russlands Monopol in der Arktis antasten würden. Natürlich war damit in erster Linie der Hauptfeind Amerika gemeint.

Historiker, Geologen und Geografen versuchten nach Kräften, dieses alleinige Recht auf das Arktisschelf zu belegen. Forschungsteams zogen in Herrscharen ins nördliche Eis – gefolgt und gesponsert von den russischen Energiekonzernen, die auf reiche Beute im arktischen Schelf aus waren.

Doch seither hat sich einiges geändert – der Ölpreis ist fast ebenso tief gesunken wie damals die „Mir-1“, und die Energie-Förderung im Packeis wurde dadurch praktisch zur Farce. Diese harte Tatsache versuchten Putin und sein Energieminister Alexander Nowak zwar mit beeindruckenden Zahlen des gigantischen Potentials an Öl, Gas und Diamanten zu überspielen.

Die Arktis sei die Zukunft der russischen Öl- und Gasförderung, beschwor Nowak gegenüber den Medien. Unterstrichen wurde dieser Wille durch die Eröffnung des neuen Arktis-Hafens Sabetta und durch den Bau einer Gas-Verflüssigungsanlage auf der Jamal-Halbinsel, an der auch der französische Total-Konzern und der chinesische CNPC beteiligt sind.

Aber dennoch fiel es nicht leicht, auf die kritischen und berechtigten Fragen der beiden geladenen Präsidenten Islands und Finnland nach der ökonomischen und vor allem ökologischen Nachhaltigkeit zu antworten. Immerhin ist man sich auch im Kreml bewusst, dass eine Förderung in der Arktis erst ab einem Ölpreis von 70 Dollar pro Barrell wieder Sinn macht. Experten sind sich zudem einig, dass selbst diese Limite noch viel zu tief angesetzt ist. Zudem ignoriert man im Kreml die Bemühungen vieler westlicher Länder, die fossilen Energien in Zukunft durch alternative Quellen zu ersetzen.

Zwar gab man sich von russischer Seite alle Mühe, am Forum auch wissenschaftliche und umweltschützerische Akzente zu setzen. Die Umweltzerstörung und -Verschmutzung bei der Energieförderung auf russischem Territorium sind jedoch eine bekannte und oftmals kritisierte Tatsachen. Die Reinigung von Franz-Joseph-Land, das noch aus Sowjetzeiten mit Tonnen von Müll übersät war, im Vorfeld des Forums, spricht für sich.

Nur etwas hat sich nicht geändert – die Erwärmung des Klimas, die Putin im übrigen nicht für ein Werk der Menschheit hält. Sie bietet neben grossem Schaden auch gewisse Chancen für die Arktis-Region. So wird dadurch die Beschiffung der Arktis-Route möglich, was den Seeweg zwischen Europa und Asien gegenüber jenem durch den Suez-Kanal um rund 8000 Kilometer verkürzt. Dies würde nicht nur für mehr Geld und eine bessere Infrastruktur in der entlegenen Region sorgen, sondern wäre sicher die umweltschonendere Einnahmequelle als das schwarze und schmutzige Gold.

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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