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Kommentar: Petersburger Dialog – Geld ist der beste Kitt, wenn die Freundschaft Risse hat

Von   /  20. November 2012  /  Keine Kommentare

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Von Eugen von Arb

Da hilft kein Schönreden – auch wenn man am Ende protokollarisch-freundschaftlich lächelte: Der diesjährige Petersburger Dialog ging mit deutlichen Misstönen über die Bühne. Sie waren bereits vor der Ankunft Angela Merkels in Moskau aus dem Bundestag zu vernehmen, wo man mit einer Petition seine Beunruhigung angesichts der russischen Politik in Sachen Pussy-Riot und Internetzensur ausdrückte.


Präsident Putin hatte mit Kritik gerechnet und hielt sich bereits die passenden Antworten bereit. So konterte er die Pussy-Riot-Kritik mit der reichlich fadenscheinigen Beschuldigung, eine Frau aus dem Trio habe an einer antisemitistischen Aktion teilgenommen. Er glaube nicht, dass ein Land wie Deutschland derartiges unterstützen könne, sagte er. Ebenso plump – vor allem von Seiten des protektionistischen Russland – der Vorwurf gegenüber der EU, sie betreibe durch die Absprachen unter ihren ihren Mitgliedstaaten ein Kartell.

Am ehesten war noch der Vorwurf zu verstehen, Deutschland zögere die Einführung des visafreien Reiseverkehrs hinaus – doch diese Kritik kam aus den eigenen Reihen. Wieder einmal wurde sichtbar, dass nicht Freund Schröder angereist war, der vor zwölf Jahren mit Putin  dieses deutsch-russische Forum ins Leben gerufen hatte – kein Schulterklopfen, kein Augenzudrücken, kein „Bruderschaft“ bei einem Bier. Es kam eine nüchtern denkende Politikerin, und es kam eine Frau.

Es habe keinen Sinn, Probleme unter den Teppich zu kehren, statt darüber zu diskutieren, sagte sie, und sie hatte recht, auch wenn es weh tat. Und sie sagte, man solle auf russischer Seit nicht jede Kritik als destruktiv empfinden und hatte wieder recht.

Darüber hätte man vergessen können, dass der Petersburger Dialog trotz Misstönen und einer gewissen Verkrampftheit viel Gutes für die deutsch-russische Freundschaft tut. Dank seinen Programmen begegnen sich jedes Jahr viele  Menschen aus den beiden Ländern und tauschen sich aus – das wird auch so bleiben, auch wenn die beiden Chefs nicht so gut miteinander können.

Und dann ist da noch die Wirtschaft – die guten Beziehungen zahlen sich letztlich in barer Münze aus. Deutschlands Wirtschaft geniesst in Russland eine klare Spitzenposition, und auch diesmal wurden am Rand des Treffens wieder zahlreiche Verträge russischer und deutscher Firmen unterschrieben.

Unter anderem wird Siemens 700 Lokomotiven im Wert von 2,5 Milliarden Euro für die russische Staatsbahn RZD bauen. Kurz: Man braucht einander viel zu sehr, als dass man sich ernsthafte Streitereien leisten könnte. Geld ist kein edler Kit, aber manchmal hält er alles zusammen, wenn die Freundschaft Risse hat.

Bild: Alexei Nikolski/ Ria Novosti

www.rian.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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