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Kommentar: Mit Boris Nemzow zurück ins „schwarze Loch“?

Von   /  28. Februar 2015  /  Keine Kommentare

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Von Eugen von Arb

Mit dem Mord am Oppositionspolitiker Boris Nemzow unweit des Moskauer Kremls wird das Russland von 2015 jenem vor 20 Jahren immer ähnlicher. Bildeten damals der Tschetschenienkrieg und die dahinsiechende Sowjetwirtschaft die Kulisse, so sind es jetzt der schmutzige Krieg in der Ostukraine und die Sanktionenkrise, durch die die russische Wirtschaft immer näher an den Rand des Ruins getrieben wird.


Nun kommt dieser gemeine Mord hinzu – auch er passt zum „schwarzen Loch“, jener Zeit als man unbequeme Leute aus Business und Politik per Bombe oder Kugel aus dem Weg räumte. Man weiss nicht, was man von dem Versprechen der Obrigkeit, die Ermittlungen „unter direkte Kontrolle“ zu nehmen, halten soll. Schon bei den Killermorden an der Petersburger Abgeordneten Galina Starowoitowa (1998) und an der Journalistin Anna Politkowskaja (2006) wurde ähnliches versprochen, und beide sind bis heute nicht vollständig aufgeklärt. Dadurch wird von vielen angenommen, dass die Ermittlungen „auf Geheiss von oben“ im Sand verliefen.

Auch im Fall von Boris Nemzows Ermordung gibt es guten Grund dazu, keine Aufklärung zu erwarten – zu gefährlich war der charismatische Oppositionsführer. Gefährlich machten ihn nicht die Macht seiner Partei RPR-Parnas, die wie die ganze russische Opposition unaufhörlichen Kursänderungen, Flügelkämpfen und Intrigen ausgesetzt war. Gefährlich machte ihn seine „Bodenständigkeit“, die er in zahlreichen Auftritten bewies. Sein Mut und seine direkte Konfrontation mit den Mächtigen wirkten ansteckend auf seine Umgebung. Obschon mit einem gesunden Geltungsbedürfnis und Publicity-Talent ausgestattet, nahm er immer wieder auch an weniger „wichtigen“ Aktionen in Moskau, Petersburg und der Provinz teil. Zusammen mit Demonstranten aus dem Volk liess er sich festnehmen und erwartete dabei keine „Sonderbehandlung“.

Mit seinen enthüllenden Publikationen, darunter zum Thema Korruption in der Regierung Putin, in denen er seine Kenntnisse aus der eigenen Zeit im Regierungsapparat Jelzins einbrachte, sorgte er immer wieder für freche und effektvolle Auftritte. Gleichzeitig blieb er am Boden, umgab sich nicht mit Geld und Einfluss. Das machte ihn stark, weil all die gegen ihn gerichteten Schmutzkampagnen an ihm abprallten. Es macht ihn aber auch verletzbar, weil er ohne gepanzerte Limousine und Bodyguards unterwegs war. Seinen Killern bot er ein leichtes Ziel – ein viel zu leichtes.

Bild: Wikimedia Commons

Dossier: Boris Nemzow (9. Oktober 1959 in Sotschi – 27. Februar 2015 in Moskau) war ein russischer Politiker und Oppositionsführer. Er gehörte lange Zeit zu den führenden Kräften der Partei Union der rechten Kräfte. Anfang der 1990er Jahre war er Gouverneur der Provinz Nischni Nowgorod. Unter dem russischen Präsidenten Boris Jelzin war der marktwirtschaftlich ausgerichtete Nemzow 1997/1998 Vize-Ministerpräsident. Am 27. Februar 2015 wurde er im Zentrum Moskaus von unbekannten Attentätern erschossen.

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

Keine Kommentare

  1. Scholze sagt:

    @realsatire
    ich bin bestimmt mehr in der Welt rumgekommen als sie also
    bitte nicht den Maulhelden spielen. Nochmal warum leben sie noch
    in Russland? Es zwingt sie keiner dort zu bleiben aber ich weiß schon der Putin wars
    der ist besonders scharf auf solche Schwätzer. Und nehmen sie das Wort Demokratie
    nicht in den Mund wovon sie sowieso keine Ahnung haben manche Leute lassen sich
    halt leicht was vormachen typisch Schaf eben. Ich habe nicht behauptet das es mir hier schlecht geht
    aber das ist nur die Oberfläche wie alles im Westen darunter stinkt es gewaltig. Das ist ein faulendes
    arrogantes und an nichts zu überbietenes verlogenes System das sich als Deckmantel den Namen der Demokratie überzieht. In diesen System gibt es keine Werte außer zu konsumieren und keine Fragen zu stellen. Aber ich weiß es herrscht Meinungsfreiheit solange man der herrschenden Clique nicht gefährlich wird ja ansonsten wird man mit Verleumdungen , Diskriminierungen vernichtet ein Kulag ist gar nicht notwendig weil man danach in unseren ach so freien Land sowieso nicht mehr auf die Beine kommt. Und die zuviel wissen den passiert halt ein Unfall siehe Barschel,Möllemann usw.
    Sind sie so naiv das sie denken in Russland gibt es nur politisch motivierte Morde hier heißen die nur Unfall. Also ich denke sie sollten die Klasse wiederholen durchgefallen.

  2. realsatire sagt:

    Aha jetzt kommen wir der Sache näher, Ihre Verdrossenheit gegenüber dem eigenen Land qualifiziert sie also das Leben in Russland zu beurteilen und den Starken Mann wie einst den Gröfaz oder Dschugaschwili zu bewundern.
    Mein Gott wenn sie Ihren Kopf mal durch die Welt bewegt hätten anstatt in Dresden oder Leiptzig zu versauern würden sie nach der Rückkehr andere Reden schwingen und froh sein dort zu leben wo sie sind.

    P.S. schon seit Anfang der 2000er muessen alle russischen Internet Provider eine offizielle Backdoor für den FSB bereithalten. Das ist ein normales Gesetz. Es passte die alte Techniklage dem Internet an, den private Telefonanlagen und öffentliche sowieso hatten ebenfalls den speziellen Eingang der es jederzeit ermöglicht Gespräche auf allen angeschlossenen Telefonen mitzuschneiden. Hat hier die NSA „von Russland lernen heisst Siegen lernen“ nachgemacht…? :)

    Wenn Sie mit der Demokratie in der Republik Probleme haben wird Ihnen die der Wunsch nach russischen Verhältnissen nicht helfen sich unbeobachteter oder besser zu fühlen. Es sei den sie brauchen den Festen Halt der Politkommisare und Blockwarte. Sie werden bestenfalls zum „Maul“haltenden rückratslosen Mitläufer der sie schon zu DDR Zeiten waren.

    Na immerhin können sie hier Ihr „kompetentes Wissen“ wieder dem eigenen Land vorbringen, probieren sie das mal in ähnlicher Weise auf Vk.com oder sonst irgendwo im RuNet….. Also wieder eine Sechs Scholze, ab nach hinten in die Lebenschule und setzten.

  3. Scholze sagt:

    @realsatire
    Wenn es Ihnen in Russland nicht gefällt warum bleiben sie dort.
    Warum ziehen sie nicht zu uns in das ach so demokratische Deutschland
    sie haben doch keine Ahnung was hier abgeht. Ansonsten sehe ich bei
    Ihnen erhebliche Defizite Russland steht mit seinen Soldaten in der Ukraine,
    die Regierung in Berlin ist gut man muß nur hinfahren und sich deren Sicht
    anhören da kann ich gleich auf die amerikanische Botschaft gehen da habe ich die
    Anweisungen für unsere Marionetten aus erster Hand. Ich will jetzt auch nicht mit Ihnen
    diskutieren ob russische Truppen in der Ukraine sind oder nicht offizelle Einheiten mit
    Sicherheit nicht die wären schon längst in Kiew und das Schmierentheater hätte endlich ein Ende.
    Was nicht heißen soll das es keine freiwilligen gibt was ich auch für legitim halte. Da ich in Russland öfters bin brauchen sie mir mit Meinung bilden nicht zu kommen. Mir gefällt es sehr gut in der RF
    und man fühlt sich sogar freier wie in Deutschland. Hier ist alles reglementiert und man muß schon aufpassen das man nicht beim furzen erwischt wird sonst ist eine Gebühr fällig. Ansonsten werden Telefone abgehört ,Emails gelesen und Demos verboten Umfragen gefälscht das öffentliche ,rechtliche zum Staatsfunk umfunktioniert und Zwangsgebühren erpresst. Willkommen in unserer weichen Diktatur äh Entschuldigung Demokratie . Die westlichen Werte verrate ich Ihnen in der nächsten mail.

  4. realsatire sagt:

    @Scholze, Vasallenstaaten? Ja Gott sei dank haben wir ein Bündnis das verhindert das Ihresgleichen Ihr Faustrecht nach Deutschland tragen. Ich frag mich in welchem Medienumfeld Sie die glauben die Wahrheit aufzuschnappen. Eigene Erfahrung steckt in Ihrem Haesslichen Text jedenfalls nicht drinn. Ein bischen Springer ein bischen bezahlt werden mir vorzuwerfen ist lustig. Keines von Beiden trifft zu. Was ich schreibe kommt aus der direkten Interaktion vor Ort mit Russland, den Politikern und den Beteiligten. Springerpresse lese ich nicht, das ist was für die ewig gestrigen 68er die jetzt zusammen mit den NeoNazis und frustrierten exNVAStuffze gemeinsame Sache mache und die russische Propaganda vorantreiben. In Russland gibts nicht umsonst das Journalissmussstudium für Offiziere der Armee.
    Aber noch fliest das Wasser den Berg runter und Russland steht mit seinen Soldaten in der Ukraine weil eben (wie oben Beschrieben) ein Krieg ganz gut vom eigenen Versagen auf anderen, vor allem Wirtschaftlichen und Gesellschaftlichen Gebieten ablenkt.

    P.S. ja die Regierung in Berlin mag ja nicht populär sein, aber Kriegstreiber sind sie nicht. Haben sie schon mal mit den Verantwortlichen darüber gesprochen und die Situation aus deren Sicht verstanden? na dann aber mal schnell ein Fernbusticket von der Rente kaufen und nach Berlin fahren und mal mit denen die Verantwortung tragen Kontakt aufnehmen.

    Ansonsten kommen sie doch mal für ein paar Jahre hier nach Russland und wenn Sie dann eine eigene Meinung gebildet haben was Fakt ist, kann mann von ihnen mehr als dem Hass auf die EU / BRD / USA lernen. Im Moment pusten sie leider nur Heisse Luft. Bringen sie mal ein paar Quellen die Ihre Meinung belegen, oder versuchen Sie doch einfach mal durch ein paar orginelle Gedanken einen Erkenntnisgewinn oder neue Argumente zu befördern.So wirds jedenfalls nix. Trauriger Troll….

  5. Scholze sagt:

    @realsatire
    Und die Europäer sind hier zwar schwach aber beharrlich am Weltenbrand verhindern.
    Wo haben sie den Unfug aufgeschnappt dafür sind die viel zu blöd in Brüssel.
    Die Eu besteht nur aus Vasallenstaaten und Deutschland gehört leider auch dazu.
    Werden sie eigentlich für den Mist bezahlt den sie hier schreiben? Klingt verdächtig nach
    Springerpresse die sondern jeden Tag solchen Müll ab.

  6. realsatire sagt:

    Ja unsere Obertrolle wissen es natürlich wieder ganz genau. Vermutlich wird am Ende der Untersuchung rauskommen das Nemzov die Möder aus Verzweiflung ob seiner Unbedeutenheit selbst beauftragt hat, damit der Schlawiener der vollkommen unbeteiligten und weisen Führung aller Reussen ein letztes mal „eins vor das Schienenbein treten“ kann.

    Tja ich denke sowas kommt von sowas, wer glaubt das irgendeine Regierung nur das Beste für alle Bürger im Sinn hat und bei trifftigem Grund auch mal freiwillig Abtritt (oder sich hintenanstellt) der ist halt falsch gewickelt.

    Ich denke die Krim und Donbass sind als Ablenkung zum wirtschaftlichen Versagen ein ziemlich schwacher Versuch der Russen, der beinhaltet immerhin den Spass die EU-Europäer vor sich herzutreiben, und zu meinen das die öffentlich Meinung in Deutschland der eigenen Trollarmee gehorcht.

    Das Staaten wie die Emirate besser mit Ihren Öleinnahmen (bei ähnlichem Freiheitsgrad für dieBürger) umgehen ist ja bekannt. Das katastrophalen Wirtschaftsmanagement in Russland das „Alles für die Freunde und für die Anderen das Gesetz bzw. eine unbarmherzige Bürokratie“ als Leitkultur geprägt hat überzeugt die Nachbarn halt leider nicht, nach 25 Jahren Business in Russland herrscht leider immer noch das Marketingideal, das ein erpresster und zum Kauf gezwungener Kunde einfacher zu „generieren ist“ als ein durch Argumente Überzeugter.

    Marketing Instrumente sind Vertriebs-Monopole, Nähe zur Macht, der Blick in eine Waffe, das Abschalten von Elektrizität (fragen sie mal Ikea) oder Gas (Nachbarn). Das Konzept der Win-Win Situation bereitet Russischen Unternehmen und offensichtlich auch dem Staat in der Politik auch immer noch solche Kopfschmerzen, das sie das Konzept „Wir Gewinnen / Ihr verliert“ als einfacher ansehen. Mit einer solchen Wirtschaftpolitik kommt mann natürlich nur dann weiter, wenn Sie von der Armee Argumentationshilfe bekommt.

    Wir alle wissen, das nicht Waffen, Helden oder Ideen Kriege gewinnen sondern Geld, und das geht bald aus in Moskau. Daher das höchst unwürdige Doppelspiel mit den (zumindestens 20% Einheimischen) Separatisten.

    Das ist in Bonn Kiew, Washington und Moskau das gleiche. Allerdings unterscheidet sich der Grad des Totaltarismuss erheblich, weder in Bonn noch Washington sterben so viele Oppositionelle wie in Moskau uns St. Petersburg.

    Während Russland Ausländische Agenten „abgestellt“ hat und auch vernünftige Organisationen wie Memorial kriminalisiert, koennten sich Scharen von Media- Trollen (Herr Scholz? Herr Sonicht) und Nazis in Deutschland bedenkenlos und ohne vom BND bedränkt zu werden von Russland finanzieren lassen.

    Kein Wunder das in dem Klima jemand vorauseilenden Gehorsam zeigt und jemanden wie Nemzow umbringt. Kennen wir ja aus unserer Deutschen Geschichte genauso, (war der Ohnesorg Attentäter nicht sogar DDR IM)? Sollten es aber überwunden haben.

    Klar ist für die Unfähigkeit von Russland sich ohne Krieg wirtschaftlich aufzumoppeln (hm nach 15 Jahren steigender Vetternwirtschaft und überbordender Regulierung, kann ja leider nicht mehr das Duo Jelzin / Gorbatschow für das Wirtschaftschaos und die Korruption verantwortlich gemacht werden) es muss also ein späterer Präsident sein…. Na wer ist den Seitdem in der Verantwortung und flüchtet aus dem Wirtschaftschaos in einen Ablenkungskrieg ?(nicht anders als damals die Argentinier auf die Malvinas?).

    Klar dem geneigten Troll sind der CIA und die USA sowie das Ultraliberale Kapitalistische System und die von den USA fremdgesteuerte Bundesregierung auch dafür verantwortlich. Aber Russland hat in Vilnius, Abachasien, Armenien, Tschetschenien, Moldawien und Ossetien ja auch nur seine Interessen im Powerplay vertreten .

    Warum aus den Vorgängen in der Ukraine etwas anderes lesen als den „über Leichen gehenden Egoismuss“ der Supermaechte. Die USA sind ja klasse Vorbild da kann mann schon mal Anleihen machen um via Krieg wieder zu anerkannten Supermacht zu werden! (Ok die Krim gehört jetzt zur RF aber Kosov ist immer noch nicht der 52 Staat der USA sonder der Kosovo)

    Bleibt die Frage unter welcher Hegemonie ich in Deutschland leben wollte. US? oder RU? Nach 25 Jahren in Russland kann ich die Frage ganz eindeutig beantworten. Und Sie?

    Wer sich hier aber moralisch auf die eine oder andere Seite schlägt hat nix kapiert. Es gilt alle Supermächte an die Kandarre zu nehmen. Und die Europäer sind hier zwar schwach aber beharrlich am Weltenbrand verhindern.

  7. Scholze sagt:

    Ja eva und wie populär war die Opposition ?
    Nemzow war politisch tot und auch nicht gerade der Bringer.
    Für seine Arbeit in der Opposition hat sich in Russland bis auf wenige Außnahmen keinen interessiert.
    Warum sollte also die Regierung was gegen ihn unternehmen zumal noch vor der eigenen Haustür.

  8. sonicht sagt:

    man könnte meinen, dem Herrn Eugen von Arb
    hat die Konrad Adenauer Stiftung die Feder geführt.
    Er verteilt jetzt schon die Schuld, für ihn ist natürlich Putin und sein Gefolge
    ursächlich verantwortlich für diese Untat.
    Traurig, traurig.

  9. eva sagt:

    Nemzow gehörte neben Nawalny zu den populärsten Figuren der Opposition.

  10. Scholze sagt:

    So ein Quatsch Nemzow war weder gefährlich noch besonders populär geschweige gefährlich für Putin und seine Regierung. Er und die jämmerliche Schaar von Oppositionellen gingen in der Masse unter.
    Das Putin in die Schuhe zu schieben ist ein Witz das hat er gar nicht nötig und wenn hätte er es eleganter gelöst nicht so amateurhaft. Man muß die frage stellen wem nützt der Tod wer zieht daraus Vorteile. Putin bestimmt nicht den nützt ein lebender Nemzow mehr als ein Toter. Ich denke der Täter ist in den Reihen der Opposition zu suchen bei den Oligarchen und für Kiew wäre es auch nicht uninteressant. Die USA bzw. den CIA schließe ich eigentlich auch aus die wären auch professioneller Vorgegangen.

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