Laden...
Sie sind hier:  Home  >  Aktuell  >  Aktuelle Artikel

Kommentar: Lernt die ganze Geschichte

Von   /  2. November 2014  /  Keine Kommentare

    Drucken       Email

stalin-auf-dem-sockel<strong>Max Reiter – Die Erinnerung an die Opfer des Stalinismus ist bitter notwendig. Bezugnehmend auf den Artikel von Eugen von Arb zum Tage der Erinnerung an die Opfer der sowjetischen Repressionen wurde mir ein grundlegender Unterschied zwischen den anderen Mitbürgern und mir bewusst. Ich bin am 30. Oktober  zufällig in Moskau an der Lubjanka vorbeigefahren. Falls hier ein Gedenken stattfand, habe ich es übersehen. Im Nachhinein  hatte ich den Eindruck den ich immer habe. Kaum Leute da, die sich für die stalinistischen  Gräuel in der Geschichte interessieren. </strong>

Dieser Teil der jüngeren Vergangenheit ist den Russen inzwischen eher peinlich. In etwa so, wie es mir peinlich war in der Schule über den unfassbaren Teil unserer deutschen Geschichte, von Judenvernichtung, Volksfeinden und den KZs zu lernen. Wir lernten auch die Gründe für die 2 Weltkriege und die Tatsache zu erkennen, mit wie wenig kollektiver Weitsicht ein Volk einem Führer in den Abgrund folgt.<!–more–> Es reicht ja das dieser die richtigen Worte und die „Schuldigen“ für beliebige aktuelle Mieseren findet. An der Macht reicht ja dann die volle Härte der Gesetze um sich des kritischen Teils des Volkes zu entledigen.

Erst in Russland ist mir über lange Jahre nach und nach aufgefallen wie wichtig diese kritische Betrachtungsweise der eigenen Geschichte für das Selbstbewusstsein und den Umgang mit den sogenannten sogenannten Autoritäten ist. Das wir jetzt (wenn auch selten) unsere politischen „Anführer“ unblutige aus dem Amt kegeln können, im Dorf, der Stadt, im Bundesland und in Berlin, ist ein wichtiges Gut.


 

<strong>Wer die Fehler der Vorfahren kennt schaut genauer hin</strong>

Hier in Russland lernt man in der Schule nur wie heldenhaft das Vaterland verteidigt wurde. Für das Leiden war Deutschland, der Kapitalismus oder eben die Volksfeinde verantwortlich. Die Verbrechen die Stalin und mit Ihm ein großer Teil der eigenen Bevölkerung an seinen Mitbürgern vollbracht hat sind nicht Teil der heutigen Identität. Alle Schandtaten der eigenen Vorfahren sind durch den Krieg überdeckt oder weißgewaschen worden.

Ergo gibt es auch keinen kritischen Diskurs mit dem aktuellen politischen System. Statt dessen sind halt alle korrupt. Gute Politiker sind die denen im öffentlichen Bewusstsein guten Taten und keine Korruption angehaftet werden.

Kritik und eigene Entscheidungen als wichtig für den politischen Prozess zu erkennen – sich als kleiner Bürger wie ein Molekül eines Antibiotika gegen das Faulbakterium des Machtmissbrauch zu stemmen und auch dazu geeignet zu fühlen ist, nicht Teil der russischen Identität.

Eben auch weil die Menschen Ihre Geschichte nicht komplette kennen oder gelernt haben.

Ein Land mit riesigem Potential und gebildeten Menschen kommt einfach nicht so voran wie es möglich wäre. Niemand arbeitet fürs Volk, alle arbeiten für sich, die Seinen, und dann für den nächsthöheren Chef der einem den Posten schließlich gegeben hat, und dessen Interessen dann gewahrt werden.

<strong>Das Gemeinwohl ist kein Thema</strong>

Wie die Bürger hier sehen wir viel gutes und auch Fortschritt im Detail. Aber niemand hat den Menschen hier beigebracht, das es zischen den den „Seinen“ und dem „Chef“ noch die Gemeinschaft gibt und durch angewandten Gemeinschaftssinn dass zu entwickeln, was man eine gemeinsame gesellschaftliche Verantwortung nennen könnte.

Im Gegenteil, wer etwas für die Gemeinschaft mach  wird als Idiot verspottet oder sonstwie als sonderlich angesehen, oder wie Memorial ausgegrenzt und drangsaliert.

Kein Wunder also das die Erinnerung an die Verbrechen der alten Anführer nicht gerne gesehen wird. Kritik ist kontraproduktiv für ein System das von unten nach oben schaut und dem Volk nur dann gutes tut, wenn dabei die eigenen Taschen gefüllt werden dürfen.

Erreicht der Grad der offensichtlichen gesellschaftlichen oder wirtschaftlichen Schieflage dann einen bestimmten Punkt an dem die Fehler der Anführer allen bewusst werden könnten, gibt es harte Maßnahmen.

Neue Gesetze zur Überwachung des Internets, Kriminalisierung von NGOs, oder gar einen kriegsähnlichen Zustand der die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit ablenkt. Kein großer Krieg, denn im Gegensatz zum Volk kennen die Entscheider ganz oben Ihre eigene Historie sehr gut.

Daher meint Rat – Lernt die ganze Geschichte

&nbsp;

<span tabindex=“-1″>Siehe auch: </span><a href=“http://www.spzeitung.ru/2014/10/zehntausende-opfer-der-sowjetischen-repression-beim-namen-genannt/“>Zehntausende Opfer der sowjetischen Repression beim Namen genannt</a>

Max Reiter

Foto: Das Stalin-Denkmal vor der Sporthalle in der Stalinallee (heute Karl-Marx-Allee), ca. 1951 Friedrichshain, Wikimedia in Kooperation mit dem deutschen Bundesarchiv.

    Drucken       Email
  • Veröffentlicht: 4 Jahren vor auf 2. November 2014
  • Von:
  • Zuletzt geändert: April 1, 2015 @ 1:17 pm
  • Rubrik: Aktuell, Gesellschaft

Über den Autor

Herausgeber

Keine Kommentare

  1. Gecko sagt:

    Ja im ernst lernt mal die ganze Geschichte. Es gab in der Sowjetunion eine Entstalinisierung und zwar direkt nach seinem Tod. Die Sowjets hatten selber Schiss vor diesem Mann/Psycho.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren...

WM2018: Kalte Dusche kühlt das Fussball-Fieber ab

mehr…