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Kommentar: Kriegsschiffe statt Fähren

Von   /  7. November 2018  /  Keine Kommentare

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Von Eugen von Arb

Es ist ein Armutszeugnis, dass das gemeinsame Projekt zwischen dem Petersburger Fährhafen „Morskoi Fasad“, sprich der Stadt als seine Eigentümerin, und dem estnischen Fährunternehmen Tallink nicht zu zustande gekommen ist. Zwar ist die Zahl der Kreuzfahrt-Touristen, die 2018 Petersburg besuchten, um 11 Prozent gestiegen. Diese Ziffer ist in zweierlei Hinsicht trügerisch: Erstens fiel die Zahl westlicher Touristen während der Krim-Krise 2014 dramatisch und er erholt sich nur zögerlich. Zweitens täuscht die gewiss stolze Zahl darüber hinweg, dass Petersburg zwar von internationalen Kreuzfahrtschiffen angelaufen wird, gleichzeitig aber nur über sehr dürftige regelmässige Fährverbindungen zu den benachbarten baltischen Häfen besitzt.

Seit Jahren wird die Entwicklung guter Fährverbindungen zu den baltischen Häfen Tallinn, Riga, Kaliningrad, Gdansk, Rostock, usw. hinausgezögert, obschon bekannt ist, dass genau dieses Transportmittel einen massiven zusätzlichen Schub im Tourismus, bzw. in der Wirtschaft bewirken könnte. Mehr oder weniger regelmässig werden seit einigen Jahren nur die Linie Petersburg-Helsinki und die Kreuzfahrt-Route Petersburg-Helsinki-Stockholm-Tallinn-Petersburg bedient. Doch mittlerweile ist deren Betreiberin auf ein einziges Schiff zusammengeschrumpft. Dabei ist es kein Geheimnis, dass beispielsweise die Linie St. Petersburg-Rostock problemlos rentabel sein müsste, fahren doch heute schon viele Autofahrer extra nach Helsinki, um sich den Reiseweg nach Deutschland per Seeweg abzukürzen.

Die Seestadt St. Petersburg verfügt über drei Werften, die Pressemitteilungen zufolge am laufenden Band U-Boote, Korvetten und andere Kriegsschiffe vom Stappel lassen. Wie zu Sowjetzeiten scheint für Kriegszwecke das Unmögliche machbar zu sein – aber Fährschiffe für friedliche Zwecke zu bauen, die Petersburg erst zur wirklichen Seestadt machen würden, ist offenbar tatsächlich unmachbar. Im kleinen Finnland ist es genau umgekehrt – bei der Werft Rauma Marin Constructions Oy hat die Fährlinie Tallink kürzlich eine neue Fähre im Wert von 250 Millionen Euro bestellt. Mit einer Transportkapazität von 2800 Passagieren wird sie bald die grösste Fähre auf der Ostsee sein und Touristen zwischen Helsinki und Tallinn verkehren – Touristen die in Petersburg fehlen.

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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