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Kommentar: Kostenloses Filesharing vs. Wissen

Von   /  7. Mai 2011  /  1 Kommentar

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Markus Müller. Russlands Präsident Dmitri Medwedew hat sich gegen Freiheitstrafen für illegales Filesharing ausgesprochen. Er sieht den urheberrechtswidrigen Austausch von Filmen, Musik und anderen Inhalten im Internet nicht als ein Verbrechen, das mit Freiheitsstrafen geahndet werden muss. Gemessen an der gesellschaftlichen Gefahr sei das keine Tat, für die man ins Gefängnis müsse. „Es gibt viel schwerere Verbrechen“, sagte Medwedew bei einem Treffen Ende April mit Internetnutzern in Moskau. Der Präsident räumte ein, dass dies nicht die Meinung der Urheber sei, die für rigorose Strafmaßnahmen gegen Urheberrechtsverletzer plädierten. Dennoch denke er, dass derartige Verbrechen, sofern sie keine industriemäßigen Ausmaße haben, mit Geldstrafen geahndet werden sollten.

Ob der President aller Reussen hier ein bischen in Eckhard Höffners „Geschichte und Wesen des Urheberrechts“ geschmökert hat? Unwahrscheinlich,  das er herausgefunden hat, was der Spiegel Online mit den treffenden Titel „Explosion des Wissens“ beschreibt. Deutschland war im 19. Jahrundert in England ungefär so beliebt als Wettbewerber wie heutzutage China in Europa. Kopierten die Deutschen doch munter das Wissen der Welt und produzierten fleissig Neues ohne sich durch strenges CopyRight einzuschränken. Das Urheberrecht war davon unangetastet. Der Author konnte wenn schon nicht reich, so doch berühmt werden. Im Nebeneffekt wurde aus Deutschland die gelehrteste Nation auf dem Kontinent und neben dem Wissen explodierten auch die Umsätze der jungen Industrienation.

Musiker, Fachauthoren und Verlage in der ganzen Republik merken zu recht an, das gute Werke nicht aus dem Himmel fallen und jahrelange Arbeit irgendwann auch ihren finanziellen Niederschlag haben muss.
Kostenloses kopieren im Internet stände dem Gegenüber. Dabei wäre die Lösung doch recht einfach und zu einem Bruchteil der Kosten erhältlich. Statt bei Youtube und Google werde die Downloads bei einem oder mehreren Authorenportalen mitgezählt, wer seine Inhalte dort nicht registriert bekommt kein Geld, jeder kann die Inhalt direkt von dort verlinken und downloaden. Authoren und Lektoren und Designer werden vom Staat bzw der dann nicht mehr so überflüssigen „GEZ“ bezahlt. Die beamteten Kulturvermittler, Verleger werden dann natürlich zum Grossteil überflüssig, aber dass werden sie durch die Evolution im Netz sowieso.
Das Leistungsprinzip blieb erhalten, und überflüssige Leistungen aller Marktteilnehmer erleiden die Konsequenz der (digitalen) Evolution.
Wohlgemerkt dies ist kein Aufruf zum Gesetzesbruch sondern ein Lösungsvorschlag die unabwendbaren Veränderungen die das Internet mit sich bringt zum Nutzen aller neu zu strukturieren.

In Russland wird in den letzten Jahren das Urheberrecht wiederenteckt. Bilder von Juri Gagarin ohne Erlaubniss seiner Tochter zu publizieren kann ins Auge gehen. Der Geschäftszweig wurde von Juristen „entdeckt“ und konsequent ausgebaut. Die Verdienste der Steuerermittler, Verlage, Anwaltskanzeleien wachsen mit dem neuen Geschäftsfeld mit. Gut dass der Präsident hier Stellung bezogen hat. Solange das Gros des geschützen Wissens ausserhalb dem Territorium der russländischen Föderation liegt geht es doch auch um knallharte wirtschaftliche Interessen und das wiegt das der wenigen Copyright-Fledderer nicht auf.

Photo: Image by orangeek

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1 Kommentar

  1. mm sagt:

    p.s. Nachtrag zum Bild: „Piracy is a crime (its not if you are living in the caribbean)“ auf Deutsch – Piraterie ist kriminell; nur nicht wenn Du in der Karibik lebst“ ist eine wahre Aussage.
    Nachdem 2006 die USA den eigenen Bürgern per Gesetz die Nutzung von Onlinecasinos (meist in der Karibik beheimatet) verboten hat, verklagten die Karibischen Staaten Barbados und Aruba die USA vor der WTO und gewannen. Da Onlinecasinos sind / waren ein wichtiger Geschäftszweig für diese Länder und die USA wurde mit Handelsnachteilen bestraft. Als Entschädigung können die Karibiks-Staaten jetzt pro Jahr Musik und Software von US Rechteinhabern im Wert von 21 Mill. Dollar legal „raubkopieren“.
    http://news.bbc.co.uk/2/hi/business/7156394.stm

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