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Kommentar: Kommt Merkel?

Von   /  4. Januar 2014  /  Keine Kommentare

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Von Andrej Iwanowski, Ria Novosti

Ich glaube, ich habe jetzt kapiert, warum die G7-Top-Politiker so ungern zu den Winterspielen nach Sotschi fliegen möchten. Klar doch: Knapp vier Monate später werden sie sowieso nach Sotschi fliegen MÜSSEN, und zwar zum G8-Gipfel Anfang Juni. Dann gibt es in Sotschi viel mehr Sonne und viel weniger Leute. Und man wird sich alles, was Russland dort zu den Spielen gebaut hat und worauf es so stolz ist, in Ruhe anschauen können.

So spart man Zeit und Sprit und alles. Nicht verstehen kann ich, wieso die klugen Top-Politiker diesen Grund, warum sie jetzt nicht nach Sotschi fliegen wollen, nicht einfach artikulieren. Denn von einem Boykott – wie dies jetzt die Medien gerne auslegen – sprechen sie nämlich auch nicht. Sie nennen entweder überhaupt keinen Grund, oder reden von Zeitmangel und ähnlichem Quatsch.

Die Sache mit der Bundeskanzlerin ist da besonders spannend. Die Dame scheint immer noch zu schwanken. Dabei schwankt sie nicht zum ersten Mal, wo es um Russland geht.

Erinnern Sie sich noch an die Episode Ende Juli? Damals wollte Merkel zunächst nicht zusammen mit Putin eine Bronzezeit-Ausstellung in der Petersburger Ermitage eröffnen, weil dort Stücke gezeigt wurden, die die Deutschen als „Beutekunst” einordnen und zurückfordern. Im letzten Moment ließ sie sich von Putin doch noch überreden.

Inzwischen kam noch der Faktor Chodorkowski dazu. Seine Freilassung wird von den Medien einhellig so ausgelegt, dass der russische Staatschef im Vorfeld der Winterspiele die schärfsten Reizmomente in den Beziehungen zum Westen beseitigen wollte. Chodorkowski im Knast gehörte zu den schärfsten. Zugleich hieß es auch, Deutschland und Merkel persönlich hätten sich besonders massiv für die Freilassung des Ex-Tycoons und Putin-Kritikers eingesetzt.

Die scharfsinnigsten Beobachter behaupteten sogar, es handle sich um ein Tauschgeschäft: Chodorkowski kommt frei – Merkel kommt nach Sotschi.

Wird aber die große Weltpolitik wirklich so einfach gestrickt? Lassen wir uns überraschen.

Bild: Wikimedia Commons

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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