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Kommentar: Kehrt das „Nilfpferd“ wieder auf seine “Kommode” zurück?

Von   /  23. Mai 2013  /  2 Kommentare

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Alexander-III

Von Eugen von Arb
Auf der Suche nach einer Identität stehen in Russland die „Rückwärtsdenker“ hoch im Kurs – überall wird das Rad der Zeit zurückgedreht! Nun soll das Standbild des Zaren Alexander III, das momentan im Innenhof des Marmorpalasts steht, wieder auf dem „Platz des Aufstandes“ vor dem Moskauer Bahnhof postiert werden.

Der Petersburger Vizegouverneur Wassili Kidschetschi richtete an das Stadtparlament den Antrag, diese Idee, die von „Stadtbewohnern und gesellschaftlichen Organisationen“ angeregt worden sei, „zu diskutieren“. Parlamentssprecher Wjatscheslaw Makarow von der Partei „Einiges Russland“, findet es längst an der Zeit, dass der „herausragende politische Führer“ einen würdigen Platz erhält. Alexander III sei ein Friedensherrscher gewesen, der das russische Imperium bewahrt und die Wirtschaft im Land zum Blühen gebracht habe.

An der Stelle, wo einst das „Nilpferd auf der Kommode“ stand, wie man das Denkmal im Volksmund nannte, befindet sich heute der Obelisk zu Ehren der Leningrader Helden der Jahre 1941-45. Dieser müsste verschwinden, und von Seite der Kommunisten wurde bereits Widerstand angekündigt. Man werde die Stele nicht hergeben, meinte der Kommunist Wladimir Dmitriew. Er gab zu bedenken, dass Alexander III schon zu seinen Lebzeiten als Herrscher umstritten gewesen sei. Ausserdem würde damit das populäre Standbild des „ehernen Reiters“ konkurrenziert.  Im übrigen regt sich bisher wenig Opposition, und sogar liberale Politiker wie der Ex-Jabloko-Politiker Maxim Reznik sind grundsätzlich dafür.

Niemand scheint zu verstehen, dass ein Zar auf dem Platz des Aufstands – ein Aufstand, der eben jenen Zaren galt – völlig absurd wirkt. Würde dieser Umzug tatsächlich geschehen, so müsste auch der alte Name für den Platz (Snamenski Platz) wieder her, und vermutlich müsste dann auch die „Snamenski-Kirche“ wieder aufgebaut werden, die dem Platz seinen Namen gab.

Offenbar betäubt der momentane „historische Nebel“ sämtliche politischen Kreise. Man vergisst, die Kehrseiten Alexanders III, dem Konservator einer längst überlebten Gesellschaftsform, der die berüchtigte Geheimpolizei „Ochrana“ gründete und mit eiserner Hand jegliche politische Opposition unterdrückte. Vergessen wird, dass er das Russische Imperium durch rücksichtslose Russifizierung der Minderheiten und Pogrome gegen Juden zusammenhielt. Vergessen wird auch, dass er einen Grossteil der liberalen Reformen, die sein Vater Alexander II vollzogen hatte, rückgängig machte und damit der Entwicklung einer Revolution Vorschub leistet. Aber wer weiss – vielleicht passt er nur allzu gut in unsere Zeit?

eva.- Das Denkmal für Alexander III (1845-94) wurde 1909 vom italienischen Bildhauer Paolo Trubezkoi errichtet und stand bis 1937 auf dem damaligen Snamenski-Platz. Das Standbild des selbstbewussten Reiters, der sein störrisches Pferd mit starker Hand am Zügel hält, spiegelt meisterhaft die Situation des autoritären Zaren, der das Land mit eiserner Hand regierte. In Anspielung auf die politische Repression unter Alexander III entstand dazu der folgende Spottvers: “Da steht eine Kommode, auf der Kommode ein Nilpferd, auf dem Nilpferd ein Holzkopf, auf dem Holzkopf ein Hut, auf dem Hut ein Kreuz – wer es errät, kommt in den Arrest.”

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

2 Kommentare

  1. Die Kommode Brauche ich auch im Wohnzimmer;)
    Schöner Eyecatcher;)

    VG Patrick

  2. realsatire sagt:

    Die Idee auf dem Vostanja Platz den reaktionären Alexander III aufzustellen. Darauf muss mann wirklich erst mal kommen.

    „Da steht eine Kommode, auf der Kommode ein Nilpferd, auf dem Nilpferd ein Holzkopf, auf dem Holzkopf ein Hut, auf dem Hut ein Kreuz – wer es errät, kommt in den Arrest“

    Bald sind wir hier wieder soweit nur die Denkmäler für Wladimir Wladimirowitsch fehlen noch.

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